Christian Vogt: Im Rampenlicht dank Hollywood

Oscar Gewinner - Der Gewinn des bedeutendsten Filmpreises der Welt bringt Christian Vogt, Deutschland-Chef von Pixomondo, viel Aufmerksamkeit. Der Kino-Erfolg soll aber das Werbe-Business nicht schmälern.

Text: Kay Städele

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Um 3.57 Uhr deutscher Zeit war es soweit und das Warten hatte ein Ende: Pixomondo stand als Oscar-Gewinner in der Kategorie "Visuelle Effekte" für seine Leistungen im Film "Hugo ­Cabret" fest (W&V 8/12). Die weltweit 670 Mitarbeiter des Spezialisten für Animationen an den elf Standorten durften jubeln. Gefeiert wurde global, im Hauptquartier in Frankfurt, Berlin, Los Angeles, London, Peking und Toronto.

Für das deutsche Team um Geschäftsführer Christian Vogt hat der Preis eine besondere Bedeutung, da die Standorte in Berlin, Stuttgart, Hamburg, München und Frankfurt über 98 Prozent der Animationen produziert hatten.

"Danach habe ich nur eineinhalb Stunden geschlafen", gesteht Vogt. Am Morgen trafen die Glückwünsche der Kunden und Partner per E-Mail und SMS ein. Doch der 38-Jährige beschäftigt sich bereits mit den Folgen: Der Oscar-Gewinn bei der ersten Nominierung bringt nicht nur positives Image. "Wir müssen jetzt aufpassen, dass uns unsere Kunden nicht nur als Dienstleister für die Filmbranche wahrnehmen." Rund 50 Prozent steuern Produktionsaufträge für Werbung, Industrie und Live Media zum Umsatz bei. "Kein Kunde soll Angst davor haben, mit 20 000-Euro-Aufträgen zu uns zu kommen."

Vogt selbst bezeichnet sich als "Kind der Werbung". Dabei hat der gebürtige Münchner eine Quereinsteiger-Karriere hinter sich: Nach dem Abitur absolvierte er eine Lehre als Schreiner, bevor er ein Architekturstudium abschloss. "Von beiden Ausbildungen profitiere ich noch heute in Sachen konzeptuelle Planung und künstlerisches Schaffen", sagt Vogt.

Allerdings hielt Vogt es im Architektenalltag nur sechs Wochen aus. „Abwasserrohre und Kabelschächte zeichnen war mir zu wenig kreativ.“ Anfang 2004 stieß er als Producer zu den Animationsspezialisten von Pixomondo in Frankfurt. Bereits 2005 beförderte ihn Gründer Thilo Kuther zum Head of Production, seit Januar 2011 ist Vogt Deutschland-Chef der hiesigen 200 Mitarbeiter. „Ich bin mit der Firma gewachsen, und wir realisieren tolle Projekte.“ Das gilt nicht nur für die Leinwand. „Als ich unseren X-Drive-Spot für BMW zum ersten Mal gesehen habe, fühlte es sich an wie eine kleine Premiere“, schwärmt Vogt. Als Ausgleich zu seiner Arbeit spielt er in der Freizeit Saxofon.

Vogt schätzt den eigenen kreativen Beitrag. "Regisseure, Werbekunden und Agenturen haben ihre Visionen. Sie hören sich aber von uns auch Vorschläge für andere Möglichkeiten an, um die eigenen Ideen weiterzuentwickeln." Selbst Starregisseur Martin Scorsese, der seine Filme sehr detailliert vorbereitet, habe sich für "Hugo Cabret" bei einzelnen Szenen Alternativen zur Umsetzung vorlegen lassen. Da Vogt selbst als Produzent gearbeitet hat, geht fast alles hierzulande über seinen Schreibtisch. "Ich liebe es, mit den Mitarbeitern über die Projekte zu sprechen." Das Schönste sei, wenn Zuschauer die visuellen Effekte nicht als solche wahrnähmen. "Dazu gehört etwa eine Portion Dreck auf den Reifen eines fahrenden Autos oder Staub im Gegenlicht." Dabei kann Vogt problemlos zwischen Film- und Werbewelt wechseln. "Alle Spezialeffekte realisieren wir mit derselben Technik. Daraus beziehen wir unsere Erfahrung und Effizienz."


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