Verband Deutscher Zeitschriftenverleger :
Der Richtigmacher

Fast ein Jahr regiert Stephan Scherzer nun das VDZ-Reich. Anfängliche Vorbehalte gegen den Digitalexperten sind in der Branche verpufft, die nun den Generationswechsel begrüßt.

Text: Florian Zettel

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Dieser Tage ist es nicht leicht, etwas Schlechtes über Stephan Scherzer zu hören. Das mag daran liegen, dass gerade der Publishers’ Summit des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) in Berlin stattfindet und alles im Verband auf Harmonie getrimmt ist. Es mag aber auch daran liegen, dass die ansonsten nicht zimperliche Zeitschriftenbranche einfach nichts zu meckern hat am VDZ-Chef, der im Januar 2013 ein Jahr im Amt ist.

„Wir sind sehr zufrieden mit der Arbeit von Stephan Scherzer. Er handelt zukunftsorientiert und verfügt über das notwendige Know-how, die Digitalisierung der Medien mit voranzutreiben“, heißt es bei Gruner + Jahr auf Nachfrage, wie die Bilanz des VDZ-Hauptgeschäftsführers ausfällt. Bei Klambt spricht man von exzellenter Zusammenarbeit mit Scherzer. Der Verlag freue sich „auf das weitere Zusammenspiel und die spannenden Zukunftsthemen, die wir gemeinsam angehen werden“.

Zwei exemplarische Antworten für die Branche. Dabei sind diese fast Nordkorea-artigen Jubel-Elogen der Verlage keinesfalls nur On-the-Record-Blabla. Auch in vertraulichen Gesprächen wird Scherzer mit Lob überhäuft.

Das war nicht immer so. Kurz nach Bekanntgabe Ende 2010, dass Scherzer auf VDZ-Urgestein Wolfgang Fürstner folgt, gab es auch einige Skeptiker, die dem Onliner das Printgeschäft nicht zutrauten. Auch musste Scherzer, der zuvor für den IT-Fachverlag IDG vier Jahre im Silicon Valley verbrachte, die geballte Print-Kompetenz seines Vorgängers ersetzen. Fürstner kam 1978 als Justiziar zum VDZ und kannte die Branche wie kaum ein anderer – ein schwieriges Erbe. Doch der 48-Jährige konnte die Vorbehalte im Keim ersticken. Bei einer sechsmonatigen Ochsentour durch die Branche an der Seite des scheidenden Fürstner knüpfte Scherzer Bande zu Altverlegern, gewann die neue Generation der Zeitschriftenmacher für sich und konnte zwischen beiden Seiten eine Brücke schlagen. Mittlerweile scheint branchenweit sogar Erleichterung über den Generationswechsel an der VDZ-Spitze zu herrschen. Zu sehr stünde Fürstner für die mittlerweile vergangenen fetten Jahren des Printgeschäfts, heißt es in der Branche, die Transformation der Printindustrie traute man ihm nicht mehr zu. Scherzer ist anders.

Der Familienvater und passionierte Bergsteiger ist ein Mann der Praxis, denkt unternehmerisch. „Ich verstehe die Sorgen und Herausforderungen der Verleger, und ich bin ein guter Netzwerker. Viele gepflegte Kontakte aus den Vorjahren sowie die neuen Kontakten halfen mir, im Verband anzukommen“, sagt Scherzer.

Er kennt nicht nur die Jubeljahre, sondern ist auch mit der Erosion der Printbranche sozialisiert und bringt dabei die kalifornische „Das Glas ist halb voll“-Mentalität mit ein. Damit trifft er offenbar die Herzen der gebeutelten Verleger. Zuletzt konnte Scherzer bei der VDZ-Jahrespressekonferenz verschwenderisch Optimismus versprühen. Von einer „positiven Grundeinschätzung des Marktes“ und „ungebrochenem Zukunftsoptimismus der Verleger“ sprach er und versucht so, die Branche mit Superlativen aus der Krise zu reden. Das kommt an bei den Verlegern, die 2013 einige Hürden zu nehmen haben und dabei tatkräftige Unterstützung vom obersten Zeitschriftenlobbyisten benötigen.

Ob Schützenhilfe beim Leistungsschutzrecht, der Urheberrechtsreform oder der Stärkung von Print als Werbeträger – Stephan Scherzer ist eingenordet oder wie im Fall der Digitalisierung den Verbandsmitgliedern sogar einen Schritt voraus.


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