Eric Schoeffler: Kassaeis leiser Nachfolger

Er gilt als umgänglich und nett, aber nicht alle trauen ihm zu, DDB Tribal zurück zu kreativem Ruhm zu führen. Doch CCO Eric Schoeffler glaubt an den kreativen Output der Agentur.

Text: Lena Herrmann

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Eric Schoeffler ist ein großer Mann. Einer, bei dem die Menschen die Köpfe heben, wenn er einen Raum betritt. Mit dem Schal um den Hals und den gewollt zerstrubbelten Haaren sieht er aus, wie ein Kreativer aussehen muss: eine Mischung aus Chic und gepflegter Unordentlichkeit. Lässigkeit und trotzdem genügend Seriosität, um nicht als bunter Vogel zu gelten.

Schoeffler ist keine Diva. Der bekennende Vegetarier ist leiser als sein Vorgänger Amir Kassaei, der weniger durch seine Größe als durch provokante Aussagen für Aufsehen sorgte. Schoeffler macht seinen Job als CCO von DDB Tribal ohne viel Aufsehen - umso mehr muss es ihn stören, dass jetzt schon wieder über Unruhe in der Agentur geredet wird. Der Geschäftsführer Kreation in Berlin, der Ägypter Ali Ali, ist nach kürzester Zeit wieder weg: zu wenig Manager, so Schoefflers Erkenntnis nach wenigen Wochen. Dabei hatte es eineinhalb Jahre gedauert, einen Nachfolger für Stefan Schulte zu finden, der die Agentur bis Sommer 2010 leitete. Jetzt sucht der 44-Jährige wieder einen Kreativen für Berlin. Parallel gilt es, die kreative Führung in Hamburg zu besetzen. Sie ist bereits seit November 2011 vakant.

"Agenturgründer Bill Bernbach sagte mal, wer bei DDB arbeiten will, muss talentiert, aber auch nett sein. Ich glaube, das verkörpere ich", sagte Schoeffler vor wenigen Wochen im W&V-Interview. Doch wer nett ist und wenig aneckt, der muss in der Werbewelt aufpassen, als kreativer und innovativer Geist gemessen zu werden. Schoeffler, der 1999 als Art Director bei DDB Düsseldorf angefangen und es dort bis zum Geschäftsführer Kreation geschafft hat, gilt als umgänglicher Typ, aber kreativ trauen ihm nicht alle große Sprünge zu.

Dabei hat er viel vor: Nach dem Absturz auf den zehnten Rang im Kreativ-Ranking 2011 will er mit DDB Tribal zurück an die Spitze. Unter die Top Five strebt er in diesem Jahr. Mit "A crash course to shine" für VW, "Icebergs" für Bosch und "Piano for Peace" für Steinway & Sons hat er drei Arbeiten vorgelegt, auf denen seine Hoffnung ruht. Es dreht sich also auch wieder um Kreation bei DDB Tribal und nicht mehr nur um interne Probleme.

Als Schoeffler Anfang 2011 Kassaei als CCO von DDB Tribal in Deutschland beerbte, ging es darum, eine sich in der Auflösung befindliche Agentur wieder auf die Beine zu stellen. 2010 war das Unruhejahr der Agentur: Umstrukturierungen, viele personelle Abgänge in der Kreation, dazu ein wackelnder VW-Etat. Schoeffler bringt Ruhe in die Agentur, macht Kunden wie VW zufrieden und stopft personelle Löcher. Zumindest bis auf die zwei großen in Berlin und Hamburg.

Kein Grund zur Sorge für Schoeffler, der lieber über die Arbeiten der Agentur sprechen will: "Es läuft gut." Vor allem Erfolg beim viel beachteten Werbefestival in Cannes im Juni würde der Agentur gut tun. Nach dem enttäuschenden Abschneiden 2011 könnte Schoeffler die Agentur mit einigen Löwen wieder rehabilitieren und so Interessenten für die vakanten Posten auf den Plan rufen. Wie gut, dass Schoeffler in diesem Jahr in der Cyber-Jury in Cannes sitzt. Das Werbefestival gilt als große Plattform für Personal-Deals. Vielleicht findet sich ja in der Cyber-Jury ein geeigneter Kandidat, der nicht nur talentiert, sondern auch nett ist.


Autor:

Lena Herrmann
Lena Herrmann

schreibt als Redakteurin für das Marketingressort der W&V unter anderem über Sportmarken und Reisethemen. Beides beschäftigt sie auch in ihrer Freizeit. Dann besteigt sie Berge, fährt mit dem Wohnmobil durch Neuseeland, wandert durch Weinregionen oder sucht nach der perfekten Kletterlinie.



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