Eva Jung: Enfant terrible

Sie ist Kreativdirektorin, verachtet Heile-Welt-Klischees, liebt Jesus, mag ­Werbung und verpasst der neuen Bibel ein freches Design: Eva Jung.

Text: Kerstin Richter

- keine Kommentare

Diese Frau mit dem frechen Kurzhaarschnitt passt so gar nicht ins Bild, das man gemeinhin von Kreativen hat. Sie spricht, wie ihr der Schnabel im pfälzischen Landau gewachsen ist "„da, wo die dicken Kinder herkommen"), weiß genau, was sie will; sie ist gläubig, gehört aber keiner Konfession an. Eva Jung ist authentisch - und das macht die 40-Jährige so sympathisch. Gerade hat sie mit ihrer Agentur ps145 (nach Psalm 145, Vers 2) neue Räume in Hamburg-Eimsbüttel bezogen, in einer Bürogemeinschaft, nachdem sie die letzten Jahre zu Hause im Arbeitszimmer "festgeklebt" war. Da musste sie raus, weil sie doch ein Teamplayer ist. 90 Quadratmeter hat sie jetzt für sich, genau richtig: Sie fährt im Büro gern Rollschuhe.

Nach ihrem Ausstieg bei der Hamburger Agentur Red Rabbit, die sie 2001 mitgegründet hat, wollte sie erst einmal freiberuflich weitermachen. Sie setzt ihre Website Godnews auf. Das Ganze erhält eine Eigendynamik, Kunden kommen auf ihr frisch gegründetes ps145 Büro für schöne Bekanntmachung zu. Einige rekrutieren sich aus dem kirchlichen Umfeld, denen verpasst sie frische Auftritte. Es ärgert sie, dass in der christlichen Szene so schlechte Kommunikation entsteht. "Das aufzuweichen ist mein Faible, es ist ein unbearbeitetes Feld. Da bin ich gern Enfant terrible." Trotzdem will sich Jung nicht „auf die "christliche Nummer" reduzieren lassen. Nur was Sinnvolles muss ihr Auftraggeber schon zu bieten haben. Und wenn es nicht passt, sagt sie Nein.

Jung hat Grafik-Design studiert. Ihr Talent für Text und Konzept, ihre Gabe, schnell und präzise zu denken, erkannte Arndt Dallmann. Der heutige Atletico-Chef stellte sie Mitte der 90er bei Springer & Jacoby ein, wo sie unzählige Preise, darunter einen Goldenen Löwen, gewann. Ende der 90er wechselte Jung zu Philipp und Keuntje.

Sie reist gern, weit und ungeplant, nach Chile, Indien, USA. "Fremde Kulturen sind enorm inspirierend", sagt sie, und man spürt, dass sie Kraft aus ihrem Glauben schöpft. Ein Ziel hat die Kreative noch: regelmäßig eine große Kampagne für Gott zu ­machen.

Die Idee: Am 31. Oktober kommt eine neue Bibel­übersetzung in den Handel. Weil das Neue Testament „ein täglicher ­Begleiter“ sein soll, gestaltete Eva Jung die Bücher im Moleskine-Stil. Humorvoll-provokante Texte auf den bunten Banderolen, Plakate und Postkarten runden den erfrischenden Auftritt ab.


0 Kommentare

Kommentieren

Diskutieren Sie mit