Florian Ruckert: Zurück auf der Überholspur

Nach einem Jahr bei der RMS gelingt Florian Ruckert ein viel beachteter großer Coup: Die RTL-Radiosender, bisher Mandanten der ARD-Werbung, lassen sich ab 2103 von ihm vermarkten.

Text:

- keine Kommentare

Motorradfahren zählt Florian Ruckert zu seinen Hobbys. Und Fliegenfischen. Während bei Ersterem wenigstens noch das Wummern des Motors zu hören ist, ist es beim zweiten völlig still - vom Plätschern des Flusses einmal abgesehen. Und vor allem, wie ein Freund Ruckerts einmal anmerkte: Beides sind Hobbys, bei denen geschwiegen wird, manchmal stundenlang.
Für den Geschäftsführer des Radiovermarkters RMS ist dies ein erholsamer Kontrast zum Alltag, immerhin bewegt er sich seit Jahren in einer Branche, die von mitteilungsbedürftigen Menschen gekennzeichnet ist, die kommmunikativ unter Dauer-Hochdruck steht. Ruckert arbeitete jahrelang beim TV-Vermarkter IP Deutschland als Geschäftsleiter Marketing, bevor er, vor gut einem Jahr, von Köln nach Hamburg zur RMS wechselte. Dort gelang dem 45-Jährigen jetzt ein Coup, den er in intensiven Gesprächen und zahllosen Treffen monatelang vorbereitet hatte: Er schaffte es, zehn Sender, die bislang von der öffentlich-rechtlichen Konkurrenz, der AS&S Radio, vermarktet wurden, zur RMS zu holen. Ab 2013 wächst damit das Portfolio um so namhafte Sender wie 104.6 RTL, Spreeradio, Radio Brocken und Hitradio RTL. "Ich sehe das auch ein kleines bisschen als persönlichen Erfolg, das wurde ja schon häufiger versucht", meint Ruckert und verweist gleich darauf, dass dies nur im Team möglich war, mit seinen Geschäftsführerkollegen Robert Limper und Alexander Sempf.
Der Diplom-Kaufmann Ruckert könnte auch als Diplomat durchgehen. Ruckert spricht druckreif, unbedachte Äußerungen sind seine Sache nicht. Er hat eine gewinnende Art, die man braucht, um als Quereinsteiger selbstbewusste Radiomanager zu solch einem gravierenden Schritt zu bewegen, wie der Wechsel der RTL-Radios zur RMS einer ist. Denn damit steigt die Zahl der RMS-Gesellschafter auf 21 Mitglieder an, womit auch der Einfluss des einzelnen sinkt.
Und er verfolgt seine Ziele beharrlich. Als er sich vornahm, Snowboard zu lernen, ließ er sich auch von einem Rippenbruch nicht abhalten. Mit dieser Hartnäckigkeit gelang ihm nun der viel beachtete Coup, der die Bedeutung des Privatradios unterstreichen wird. Primär sei das alles zwar ein Vermarkterthema, sagt Klaus Schunk, beim Branchenverband VPRT für die Belange des Privatradios zuständig, "Als Verband begrüßen wir aber die Stärkung des privaten Radios, die durch diesen Schritt erfolgt."
Die RMS war in letzter Zeit von der AS&S etwas abgehängt worden. Nun ist sie zurück auf der Überholspur: Marktführerschaft bei den 19- bis 49-Jährigen, bei den 20- bis 59-Jährigen, in Berlin und im Osten Deutschlands. Zudem sendet der Schritt ein politisches Signal. Die ARD-Radios stehen politisch unter Druck, derzeit wird von verschiedenster Stelle eine Werbezeitenbegrenzung gefordert. Da lässt sich aus Privatradio-Sicht freier argumentieren, wenn man nicht selbst von einer ARD-Tochter vermarktet wird.
Florian Ruckert hat die ARD-Werbung verklagt, weil er die Zusammensetzung einer deutschlandweiten Vermarktungskombi nicht für zulässig hält. Das ist die unnachgiebige Seite an ihm. Dann ist da wieder der Diplomat: "Es gibt nach wie vor eine ganze Reihe von Themen, bei denen wir konstruktiv zusammenarbeiten müssen", sagt er. Der nächste steht am 11. September an. Beim Radioday in Köln werben beide Vermarkter wieder einträchtig für die Mediengattung Radio.


Autor:



0 Kommentare

Kommentieren

Diskutieren Sie mit