Franz Beckenbauer: Nonchalance und Wurstigkeit

Franz Beckenbauer wirbt künftig für die übel beleumundete russische Energiewirtschaft.
Bei der Auswahl seiner Werbepartner nahm der Kaiser noch nie Rücksicht auf Befindlichkeiten.

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Was haben Franz Beckenbauer, Snoop Dogg, David Beckham, Noel Gallagher (Oasis) und Harrison Ford gemeinsam? Sie alle turnen mit anderen Celebrities in einem bizarren Adidas-Spot herum, der im Star Wars-Ambiente gehalten ist. Das eigentlich längst vergessene Filmchen beweist: Beckenbauer begibt sich in Sachen Werbung gerne mal in eine Gesellschaft, in der man ihn nicht vermuten würde.
Auch Beckenbauers neuestes Werbeengagement führt in ein Umfeld, das gewöhnungsbedürftig ist. Er wird künftig für die Russian Gas Society (RGS) werben, einen Verband von Gasfirmen, zu der auch Gazprom, einer der größten Energiekonzerne der Welt, gehört.
Die To-do-Liste der Partner ist lang; beworben werden müssen u.a. die Olympischen Winterspiele (2014), die Eishockey- (2016) sowie die Fußball-WM (2018), die sämtlich in Russland stattfinden. RGS wolle von dem Know-how profitieren, das sich Beckenbauer u.a. als Organisator der Fußball-WM in Deutschland erworben habe, so Marcus Höfl, dessen Agentur den Kaiser seit Langem betreut. "Ich habe gute Kontakte in die russische Wirtschaft. So ist das Interesse entstanden", so Höfl. Dem Vernehmen nach läuft der Vertrag mit dem Verband fünf Jahre.
Kritiker sehen in der Partnerschaft eine Mesalliance, da die russische Energiewirtschaft wegen ihrer engen Verflechtung mit der autoritären Moskauer MachteElite als Hort der Finsternis gilt, in der eine Lichtgestalt nichts zu suchen hat. Wer sich zum Botschafter von Gazprom mache, manövriere sich ins politische Abseits, kritisiert der grüne EU-Abgeordnete Werner Schulz. "Die Politik war bei den Vertragsverhandlungen in keiner Weise involviert", wehrt Manager Höfl ab. Der RGS würden auch viele russische Töchter deutscher Energiefirmen angehören.  
Beckenbauers Karriere als Werbefigur ist sehr lang und, wie bei ihm nicht anders zu erwarten, äußerst erfolgreich. Sein erster Werbespot für Knorr Suppen ist legendär, sein Spruch "Ja is denn heut’ scho Weihnachten?" für E-plus ging in den allgemeinen Sprachgebrauch über.  
Mit der ihm eigenen Nonchalance, zu der auch eine gehörige Portion bayerischer Wurstigkeit gehört, nimmt Beckenbauer dabei wenig bis gar keine Rücksicht auf andere. Mochte Bayern München Opel, die Telekom und die HypoVereinsbank zu den Sponsoren zählen, der Vereinspräsident warb lässig u.a. für Mitsubishi, die Postbank und O2. Aktuell engagiert sich Beckenbauer laut Höfl neben der RGS für Erdinger, Mercedes, Adidas und Sky.
Seiner Popularität tat die Vielwerberei keinen Abbruch; höchste Höhen erreichte sie, als Beckenbauer den Deutschen nach den WM-Titeln 1974 und 1990 als Organisator der WM 2006 das Sommermärchen bescherte. Als besonders "empathische und charismatische" Figur werde Beckenbauer empfunden, erklärt Joachim Bacher, Senior Director beim Markt- und Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest, das die Bekanntheits- und Sympathiewerte Prominenter untersucht. Gerade bei den einfachen Leute kommt Franz, der Kaiser besonders gut an – nicht nur in Deutschland, wie auch Beckenbauers russische Partner wissen. Dass ihm die neue Partnerschaft schaden könnte, scheint unwahrscheinlich. Als Gazprom 2007 Hauptsponsor von Schalke 04 wurde, gab es noch einen Aufschrei. Die Aufregung ist vollends abgeebbt. Anfang dieser Woche wurde der Energiekonzern Sponsoring-Partner der Uefa Champions League.


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