Luca de Meo: Kandidat für den Vorstand

Noch ist er Marketingleiter des Volkswagen-Konzerns und der Marke VW. Jetzt soll Luca de Meo zur Konzerntochter Audi wechseln - als Marketing- und Vertriebsvorstand.

Die Fachzeitschrift "Auto, Motor und Sport" hat es vermeldet, von Volkswagen wird es nicht bestätigt - aber auch nicht dementiert: Luca de Meo, 44 Jahre jung, soll Vorstand für Marketing und Vertrieb bei der Konzerntochter Audi in Ingolstadt werden. Dort soll – so heißt es – die Vorstandsriege verjüngt werden.

De Meo würde auf den 52-jährigen Peter Schwarzenbauer folgen. Aus anderen Quellen heißt es, zwischen Schwarzenbauer und dem Konzernvorstand für Vertrieb und Marketing, dem Österreicher Christian Klingler (der wiederum ein Jahr jünger ist als Luca de Meo), stimme die Chemie nicht mehr.

Wie dem auch sei: Luca de Meo hätte das Zeug dazu. Der Italiener hatte schon mal einen Vorstandsposten inne. Von September 2007 an verantwortete er als Vorstandsmitglied des ­Fiat-Konzerns das Marketing des Unternehmens und wurde im Dezember desselben Jahres­ Vorstandsvorsitzender der Marke Alfa Romeo.

Ausgerechnet Alfa Romeo. Es ist kein Geheimnis, dass Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch ein Auge auf die sportliche Marke aus Turin geworfen hat und dass ihm dabei nur der Fiat-Boss Sergio Marchionne im Weg steht.

Apropos Marchionne. Luca de Meo wurde während seiner Zeit im Fiat-Konzern, gemeinsam mit einer Gruppe Gleichgesinnter, als „Marchionne-Boy“ tituliert. Über seinen Erfolg bei der Einführung des Kult-Autos Fiat 500 hat de Meo vor zwei Jahren ein Buch geschrieben, das in Italien unter dem Titel Da 0 a 500 ("Von 0 auf 500") erschienen ist. In dem Buch bezeichnet er den Apple-Gründer Steve Jobs als sein Vorbild.

Dort, wo Alfa Romeo aus der Taufe gehoben wurde, erblickte auch Luca de Meo das Licht der Welt: in Mailand. In seiner Heimatstadt hat er an der Elite-Uni Bocconi studiert. 1991 machte er dort seinen Abschluss, bis heute ist er ihr als Gastdozent verbunden.

Auch das würde passen: Das bayerische Ingolstadt liegt näher am norditalienischen Mailand als Wolfsburg. De Meo könnte dann auch häufiger zu seiner Familie fahren - sogar mit dem Auto. Der jugendlich wirkende Manager ist verheiratet und hat zwei Zwillingsjungs im Teenager-Alter, mit denen er sich die Leidenschaften für Musik, für das Spielen auf der Playstation 3 und für das Rotieren am Tischfußballfeld teilt.

Überhaupt die Leidenschaft. Die führt de Meo nicht nur gern an, wenn er über seine Arbeit spricht; er verlangt sie auch von seinem Team. Er stellt Gewohnheiten infrage und gilt zum Beispiel als Pitch-freudiger Arbeitgeber von Agenturen.

Ein weiteres großes Thema für ihn ist die Internationalisierung, nicht nur, was die Absatzmärkte betrifft. Allein ein Blick auf die lange Kandidatenliste für den Pitch zur Kampagne für den VW Golf VII zeigt das. Dort buhlten sogar Agenturen aus Lateinamerika und Kanada um den lukrativen Auftrag.

Und er hat sich Respekt erworben. In der VW-Mitarbeiterzeitschrift Autogramm nennt der Design-Altmeister und Golf-I-Entwerfer ­Giorgetto Giugiaro auf die Frage, was die Marke Volkswagen ausmache, nicht nur seinen Freund, den Konzern-Designchef Walter de Silva: "Auch der italienische Designeinfluss von Persönlichkeiten wie Walter de Silva und Luca de Meo trägt zu diesem Erfolg bei." Ein Lob für einen Marketingmann aus dem Mund eines Designers? Alle Achtung!


Autor:

Rolf Schröter
Rolf Schröter

Als Leiter des Marketing-Ressorts der W&V und neugieriger Kurpfälzer interessiert sich Rolf Schröter prinzipiell für alles Mögliche. Ganz besonders mag er, was mit Design und Auto zu tun hat.



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