Marcel Reichart: Ein Leben für das Networken

In der Medienbranche machte sich Marcel Reichart als "Mr. DLD" einen Namen. Nun geht der Burda-Manager zu Bertelsmann, um dort sein Talent fürs Kontakteknüpfen einzusetzen.

Networking ist für Marcel Reichart ein wichtiger Teil seines Lebens. Als er 2009 seine Hochzeit mit der damaligen "Bild"-Kolumnistin Annette Pawlu feierte, erfuhr die Öffentlichkeit alles über Organisation, Programm und Vorgeschichte in einem eigenen Hochzeitsblog - etwa die Tatsache, dass die beiden einander von "Focus"-Macher Uli Baur vorgestellt wurden. Und als Ende 2009 der gemeinsame Sohn Rafael zur Welt kam, erhielt dieser natürlich umgehend seinen ersten Facebook-Account - zu den ersten Freunden dort zählten selbstredend die stolzen Eltern. Man kann also behaupten: Marcel Reichart, mittlerweile Vater zweier Kinder, führt ein ziemlich digital vernetztes Leben.
Bei seiner neuen Aufgabe ist das auf jeden Fall hilfreich: Ab 1. Oktober übernimmt der 39-Jährige bei der Bertelsmann AG den neu geschaffenen Posten des Executive Vice President digitale Unternehmensentwicklung und Partnerschaften. Er wird in dieser Funktion direkt an Thomas Hesse berichten, der im Bertelsmann-Vorstand für Unternehmensentwicklung und neue Geschäfte zuständig ist. Auch Hesse ist dort eben erst angekommen, er war bis Ende 2011 Leiter des globalen Digitalgeschäfts von Sony Music.
Für Reichart, der unter anderem an der Universität Koblenz Wirtschaft studiert hat, geht eine volle Dekade Burda zu Ende. Begonnen hatte sie 2002: Damals kam Reichart, zuvor im Vorstand des Pixelpark-Inkubators Venturepark, als Stabsleiter zu Verleger Hubert Burda. Das war jedoch nur der Einstieg. Es ging weiter als Geschäftsführer Research, Development, Marketing & Kommunikation. In diese Zeit fiel auch die Konzeption des DLD, mit dem man ihn in der Branche wohl in erster Linie in Verbindung bringt: 2005 gründete er gemeinsam mit der nicht minder begnadeten Networkerin Steffi Czerny den Digital-Kongress, dessen Kürzel für "Digital Life Design" steht. Der Event wurde schnell zur Marke, bei der die beiden ihr Talent zum Kontakteknüpfen voll ausleben konnten.
Ein weniger glückliches Händchen sagt man Reichart im Kaufmännischen nach - er war in diesem Bereich für die Beteiligungen an Glam, Sevenload, Mydeco und ScienceBlogs zuständig. Das wurde, so erzählt man sich, im Hause auch erkannt. Ein Indiz dafür ist, dass andere dafür sukzessive eingesetzt wurden. So kam etwa Jörg Lübcke im Juli 2010 als Geschäftsführer der Burda Digital GmbH; seit ­April ist er zusätzlich Geschäftsführer der DLD Ventures GmbH. Zudem holte Burda Markus Scheuermann, der ebenfalls seit April als Director Venture Business bei DLD Ventures tätig ist. In Sachen DLD-Event ist ebenfalls alles geregelt: Die Konferenz, die mittlerweile diverse Ableger wie den DLD Women hervorgebracht hat, wird künftig von Steffi Czerny allein betreut.
Der Sprung in den Burda-Vorstand, den sich Reichart dem Vernehmen nach lange Zeit erhofft hatte, wurde zuletzt immer unwahrscheinlicher. Dass Stefan Winners, bisher Chef von Tomorrow Focus, diesen Platz nun einnimmt, dürfte der letzte Anstoß für Reichart gewesen sein, zu Bertelsmann zu wechseln. Sein Büro im München wird er wohl bereits im Laufe dieser Woche räumen. Danach wird er zweifellos wieder seine zahlreichen Kontakte in alle Welt spielen lassen - nur ab sofort für Gütersloh. Seine Freunde sind ja trotzdem nur einen Klick entfernt.


Autor:

Manuela Pauker
Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde



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