Michael Ohanian: Knochenarbeit im Polstersessel

Michael Ohanian gewinnt in Cannes den Grand Prix in der Kategorie Outdoor. Es ist der erste seiner Art für die Agentur Jung von Matt und ein Riesenerfolg für den Kreativen selbst.

Text: Peter Hammer

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Damit gerechnet hatte Michael Ohanian nicht. Umso größer war die Freude, als Montagabend das Telefon klingelte und er erfuhr, dass Invi­sible Cars beim Werbefestival in Cannes mit einem Grand Prix ausgezeichnet wird. In der Kategorie Outdoor. Der Film für den Autobauer Mercedes-Benz erklärt auf eindringliche und gleichzeitig einfache Weise, was es bedeutet, wenn ein Fahrzeug mit Brennstoffzellen betrieben wird: Es hinterlässt keine Spuren, ist quasi unsichtbar. Selbstverständlich düste der Jung-von-Matt-Kreative nach Südfrankreich, um den Preis für das Werk, das er gemeinsam mit Martin Strutz und Jonas Keller ausgetüftelt hatte, selbst in Empfang zu nehmen. Es ist der erste Grand Prix für Jung von Matt, Deutschlands Kreativagentur Nummer eins.
Rund 14 Löwen dürfte der 38 Jahre alte Kreative mittlerweile eingeheimst haben. An den ersten kann er sich noch gut erinnern. Den gab es 1997 für einen Film für den Kunden "Bild". Seitdem sind viele weitere Preise bei anderen Wettbewerben dazugekommen, nationale wie internationale.
"Es läuft ganz gut derzeit", sagt Ohanian, der auch noch nach 16 Jahren erklärt, dass ihm Werbung schlicht Spaß macht - so stressig und anstregend es auch sei. "Texten ist Knochen­arbeit im Polstersessel", zitiert er einen ehe­maligen Chef. Aber wenn am Ende Ideen entstehen, die etwas bewegen, dann habe sich alle Anstrengung gelohnt. Am liebsten bei Jung von Matt. Denn Michael Ohanian ist ein echtes "JvM-Kind".
Nach seinem ersten Job bei Ogilvy in Frankfurt wechselte der gelernte Werbekaufmann mit 21 Jahren zu Jung von Matt nach Hamburg. Eigentlich wollte er Berater werden. Doch nachdem er Bücher der legendären ­Saatchi-Brüder und Geständnisse eines Werbemannes von David Ogilvy gelesen hatte, stand für ihn fest: "Ich will nicht Werbung verkaufen, sondern machen."
Erst nach fünf Jahren, für die Branche ungewöhnlich lang, zog es den gebürtigen Ulmer zu anderen renommierten Häusern, darunter zu BBDO, Springer & Jacoby und Kempertrautmann. 2007 dann ging er als CD Text zu Jung von Matt/Neckar. Vier Jahre lang hielt er es in Stuttgart aus, dann nutzte er die Gelegenheit und wechselte erneut nach Hamburg: als Executive Creative Director bei JvM/Alster. Seit einem Monat ist Ohanian für den Großkunden Mercedes-Benz Geschäftsführer Kreation.
"Ich hab einen neuen Titel, mehr Verantwortung und einen erweiterten Aufgabenbereich", sagt er. Nun gehe es darum, eine Agentur zu lenken und die Kollegen erfolgreich zu machen. Da bleiben nicht viele Stunden übrig fürs Privatleben. Seine freie Zeit verbringt er mit seiner Familie. Vor allem mit seinen Kindern, der zweijährigen Tochter und dem sieben Jahre alten Sohn. Dem versucht der Juventus-Turin-Fan gerade den Fußballsport schmackhaft zu machen. Schließlich war er selbst als Spieler aktiv. Kaum zu glauben, dass er nebenbei auch noch Songs komponiert. Die gibt es für kleines Geld bei iTunes, sagt er nicht ohne Stolz.


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