Rowan Barnett: Top-Personalie im Stakkato-Stil

Twitter hat den Chef für das neue Deutschland-Office gefunden: Rowan Barnett, derzeit noch Social-Media-Chef von Bild.de, soll für mehr User sorgen und das Werbegeschäft ankurbeln.

Text: Leif Pellikan

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Die Gerüchte um den neuen Twitter-Chef kursieren seit Januar. Seinerzeit hatte CEO Jack Dorsey angekündigt, dass 2012 ein wichtiges Jahr für Twitter in Deutschland werde und die Suche nach Mitarbeitern begonnen habe. Vergangenen Sonntag war Schluss mit Spekulationen: Twitter zwitscherte die Top-Personalie selbst in die Welt. Und zwar im typischen Stakkato-Stil des Kurznachrichtendienstes: "Wir freuen uns sehr, dass @rowan_BILDde bald unsere Geschäfte in Deutschland leiten wird." Der Zusatz "Head of Community and Social Media bei Bild.de" war im Post zwar enthalten, aber nicht der vollständige Name. Für die Branche völlig unerheblich. Seine Follower wissen, wer sich hinter dem Nutzernamen verbirgt: Rowan Barnett, langjähriger Bild.de-Mitarbeiter, der sich aktuell federführend um die Social-Media-Kommunikation der Redaktion kümmert. Sein Konzept: Jedes Ressort hat eine eigene Facebook-Präsenz und einen eigenen Twitter-Account. Mit 140 000 Facebook-Fans und 66 000 Followern auf Twitter dominiert der Sportbereich. Beide Kanäle sorgen so dafür, dass der Strom von Besuchern stetig anschwillt.

Barnett ist einer der Innovationstreiber bei Bild.de, auch wenn nicht jedes seiner Projekte von Erfolg gekrönt waren. Eine Bauchlandung legte 2006 der Avastar hin, eine virtuelle Zeitung in der gefloppten Community Second Life, und im Jahr 2008 die englischsprachige Ausgabe Bild.com. Für einen 31-Jährigen bringt der Brite eine beachtliche Menge Erfahrungen mit.

Mit einem Umzug muss der Familienvater womöglich nicht rechnen. Standort der deutschen Twitter-Dependance solle Berlin werden, hieß es zunächst. Bild.de feierte bereits: „Berlin wird unsere Twitter-Hauptstadt!“ Barnett selbst wollte sich nicht eindeutig zur Ortsfrage äußern. Am Montag kam nur: „Sitze am Strand und twittere. Herrlich! Und nein, Twitter zieht nicht an die Ostsee!“

Berlin würde gut in die Strategie von Twitter-Chef Dorsey passen. Ginge es um das Werbegeschäft, wäre eine Agenturstadt wie Hamburg, Düsseldorf oder München sicher die bessere Wahl. Der CEO weiß aber, dass er in Deutschland in erster Linie mehr Teilnehmer braucht. Denn laut Com­score zählt die Social-Media-Plattform hierzulande 3,9 Millionen Unique User (USA: 37 Millionen). Damit liegt sie zwar vor Google+ (3,8 Millionen), aber deutlich hinter ­Facebook mit 39 Millionen Unique Usern. Diese Herausforderung ist auch von der Start-up-Me­tropole Berlin aus zu stemmen.

Mehr Nutzer, die sich mit 140 Zeichen ausdrücken, könnte nach Barnetts Erfahrung bei Bild vor allem der Sport liefern. Ein Mitarbeiter mit einschlägigen Kontakten wird gesucht.

Bei seinem Vorhaben kann der Brite mit Zuspruch aus der Branche rechnen: Der deutsche Facebook-Chef Scott Woods schickte ein "Good luck". Die Onliner verbindet nicht nur die englische Muttersprache (auch wenn man dem Amerikaner Woods und dem Süd-Londoner Barnett ihre Herkunft kaum mehr anhört), sie haben auch beide im Springer-Konzern ein Trainee-Programm absolviert. Mit "Congrats Rowan!" gratulierte Googles Pressechef Kay Oberbeck, ebenfalls ein Springer-Trainee. Gleiches twitterte Weggefährte Pit Gottschalk, der als Director Content Management bei Springer gelernt hat, was es heißt, Chef zu sein. Er fügte hinzu: "Und gute Nerven."


Autor:

Leif Pellikan
Leif Pellikan

ist Redakteur beim Kontakter und bei W&V. Er hat sich den Ruf des Lötkolbens erworben - wenn es technisch oder neudeutsch programmatisch wird, kennt er die Antworten. Wenn nicht, fragt er in Interviews bei Leuten wie Larry Page, Sergey Brin oder Yannick Bolloré nach. 



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