Art Directors Club :
Schmusekurs abgelehnt

Stephan Vogel, CCO von Ogilvy Deutschland, ist erwartungsgemäß zum neuen ADC-Präsidenten gewählt worden. Unter seiner Ägide soll sich der Kreativclub auf seine Kernaufgaben besinnen.

Text: Kerstin Richter

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Vor einem Führungsgremium von 30 DAX-Unternehmen zu präsentieren, damit hat Stephan Vogel kein Problem. Das Schlimmste sei für ihn, vor einer Horde von Kreativen zu sprechen, bekennt der CCO von Ogilvy & Mather Advertising Deutschland. Entsprechend hat sich der 49-Jährige penibel auf die Wahl zum ADC Präsidenten vorbereitet und seine Präsentation so ausgearbeitet, als ob er einen Gegner gehabt hätte. Nicht ohne Humor: Passend zur Location der Jahreshauptversammlung auf der Karl-Marx-Allee sagte er den rund 60 anwesenden Mitgliedern des Art Directors Club für Deutschland (ADC): „Es ist eine Wahlveranstaltung in bester Ost-Berliner Tradition: Ihr habt die Wahl zwischen Erich und Honecker.“

69 von 89 Stimmen (inklusive Stimmübertrag) entfielen auf Vogel. Sein Vorgänger, Strichpunkt-Chef Jochen Rädeker, erzielte bei der letzten Wahl 2010 noch eine Zustimmung von 90 Prozent (68 von 73 Stimmen). Hat Vogel also genug Rückhalt im Club? Er gilt als gremienerfahren, strukturiert, kann Parteien zusammenbringen, ist aber auch hartnäckig: „Ich bin keinen Kuschelkurs gegangen.“ Er liebe schwierige Aufgaben. Zwei Jahre hat er jetzt Zeit, die Zweifler von seinem Fünf-Punkte-Programm zu überzeugen. Dabei polarisierte am meisten sein Vorschlag, dass der ADC künftig ein eigenes Kreativranking aufsetzt, um Branche und Marketern Orientierung zu geben.

Fünf Wettbewerbe sollen darin einfließen – neben dem ADC-eigenen Wettbewerb die internationalen Awardshows Cannes, D&AD, London International Awards und One Show –, um „ein vollständiges und differenziertes Bild zu liefern“, so Vogel. Die jetzige Ranking-Situation findet der Ogilvy-Chefkreative „unbefriedigend. Das Bild ist verzerrt, das System überhitzt“.

Elite-Anspruch gerecht werden

Allerdings darf bezweifelt werden, ob diese Maßnahme geeignet ist, einerseits den Award-Wahnsinn einzudämmen und andererseits den Club „moderner und offener“ zu machen. Denn dies ist das eigentliche Ziel, das Vogel sich gesetzt hat. Eine klare Absage erteilt der promovierte Emotionspsychologe zuletzt proklamierten Ambitionen des Clubs, Themen wie etwa die Messbarkeit von Kommunikation voranzutreiben: „Es ist nicht unsere Aufgabe, Verbandspolitik zu betreiben. Wir müssen aufhören, etwas sein zu wollen, was wir nicht sind und nicht glaubwürdig vertreten können. Wir sind ein Club, in dem man durch Leistung aufgenommen wird, wir sind eine Leistungselite.“ Als solcher liefere der Club ein Qualitätsurteil für kreative Exzellenz, meint Vogel.

Richtig erkannt hat der Hesse, der 1997 als Texter bei Ogilvy angefangen hat, dass der ADC sich weiter öffnen muss. Nur so kann er seinem Anspruch, die Leistungselite zu vereinen, gerecht werden. Obwohl der Anteil der Werber bei unter 50 Prozent liegt, gilt der ADC als Werberclub. Der sich gerne selbst zerfleischt. Auch das will Vogel, Vater von zwei Söhnen, ändern.


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