Stefan Winners: Zügig auf der Zielgeraden

Der CEO von Tomorrow Focus Stefan Winners wechselt bereits im Sommer in den Vorstand von Burda. Er kann damit früher als zunächst erwartet, das Digitalgeschäft des Konzerns pushen.

Text: Leif Pellikan

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Ein CEO ist stets Herr der Lage. Dieses Selbstverständnis vermittelt Stefan Winners zu jeder Zeit. Er mag keine Überraschungen, verschwendet keine Zeit mit Nebensächlichkeiten. Vor Gesprächen stellt er unmissverständlich klar, was ihm wichtig ist. Diese Punkte arbeitet er dann ab. Genauso wie Winners seinen Plan für Tomorrow Focus Schritt für Schritt verfolgt hat - alle Geschäftsbereiche profitabel gestalten und die Umsätze kräftig steigern.

Sein nächster Schritt ist der Einzug in den Vorstand von Hubert Burda Media: "Ich hoffe, dass ich im dritten Quartal zu Burda wechseln kann." Damit würde der Aufstieg zum frühest möglichen Zeitpunkt erfolgen. Angekündigt hatte Tomorrow Focus den Managertransfer "im Laufe des zweiten Halbjahres". Aber Winners will keine Zeit vergeuden. Die Suche nach einem Nachfolger für ihn befinde sich auf der Zielgeraden. Zwar fügt er hinzu, dass es natürlich noch eine Unterschrift des neuen CEOs erfordere und die Personalie vom Aufsichtsrat beschlossen werden müsse. Aber Winners lässt keinen Zweifel daran, dass seine Planung aufgehen wird.

Das muss auch sein Nachfolger wissen, zumal Winners nach einem vorgeschriebenen Jahr des Übergangs sein Aufsichtsrat werden dürfte. "Wir haben die langfristige Strategie der Tomorrow Focus AG gemeinsam mit dem Team entwickelt, es kann, muss aber aus meiner Sicht keine Änderungen geben." In Zahlen heißt das: Die 135,9 Millionen Euro Umsatz aus 2011 sollen sich bis 2015 auf 250 Millionen fast verdoppeln.

Als er 2005 die börsennotierte Burda-Beteiligung übernahm (Burda hält 63,6 Prozent) lag der Umsatz bei 53,3 Millionen Euro. Rund zwei Drittel entfallen heute auf E-Commerce-Erlöse, beziehungsweise das Reiseportal Holiday-Check und das Beziehungsanbahnungs-Portal Elite-Partner. Beides Firmen, die Winners zu Beginn akquirierte – zumal mit Werbung seinerzeit kein Geld zu verdienen war.

Heute sieht das anders aus. Der CEO beschreibt die Situation des Werbebereichs seines Vorstandskollegen Christoph Schuh mit "fantastisch". Und korrigiert im Satz danach: "ausgezeichnet". Der Schwenk ist aber nicht relativierend gemeint. Vielmehr will er als Pragmatiker nichts mit Fantasien zu tun haben.

Das weiß Burdas Vorstandsvorsitzender Paul-Bernhard Kallen zu schätzen. Denn er gibt sein Steckenpferd ab: Das Digitalgeschäft, das Kallen aus- und aufgebaut hat. Dazu gehörten Zukäufe, aber auch strategisch geschickte Verkäufe (Abebooks, Onvista). Mit prognostizierten 44 Prozent dürfte der digitale Bereich bereits 2011 den größten Anteil am Gesamtumsatz (2,1 Milliarden Euro) ausgemacht haben.

Kallen wird sich weiter um die Bereiche Druck und Ausland kümmern. Aber, so ist zu hören, er wolle sich künftig stärker auf seine Rolle als Vorstandschef konzentrieren. Letztlich trägt er die Gesamtverantwortung für den Verlag. Kallen wird Winners auf der Vorstandsetage, dem siebten Stock des Verlagshauses an der Arabellastraße 23, in direkter Nähe haben. Dort wo auch Verleger Hubert Burda seinen Schreibtisch hat. Aber: Ein geeignetes Büro gebe es für Winners noch gar nicht, "werde aber gefunden", heißt es. Ein wenig Zeit bleibt ja noch.


Autor:

Leif Pellikan
Leif Pellikan

ist Redakteur beim Kontakter und bei W&V. Er hat sich den Ruf des Lötkolbens erworben - wenn es technisch oder neudeutsch programmatisch wird, kennt er die Antworten. Wenn nicht, fragt er in Interviews bei Leuten wie Larry Page, Sergey Brin oder Yannick Bolloré nach. 



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