Stefanie Waehlert: Ein neuer Marathon lockt

Mit einem Befreiungsschlag will CEO Stefanie Waehlert die kriselnden VZ-Netzwerke nach vorn bringen. Schnelle Erfolge sind trotzdem nicht zu erwarten.

Text: Manuela Pauker

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Stefanie Waehlert ist eine leidenschaftliche Marathonläuferin. Die großen Events dieser Szene - New York, Berlin - hat sie bereits erfolgreich absolviert. Ihre Ausdauer diesbezüglich steht also schon fest. Durchhaltevermögen muss sie auch bei ihrer neuen Aufgabe beweisen: Die neue Chefin der VZ-Netzwerke - SchülerVZ, StudiVZ und MeinVZ - will die schwächelnden Social-Network-Plattformen mit einem neuen Konzept wieder nach vorn bringen.

Der Umbau ist grundlegend - "ein Befreiungsschlag", wie ihn die gebürtige Bad Homburgerin beschreibt. Es geht schon damit los, dass das Unternehmen umfirmiert: Künftig wird man sich unter dem Namen Poolworks auf dem Markt präsentieren. Der große Relaunch von SchülerVZ, das voraussichtlich im vierten Quartal zu "Idpool" wird, ist der nächste Schritt: Dann wird die technische Plattform funktionell umgestellt zu einem Angebot, auf dem sich die junge Zielgruppe über ihre Fähigkeiten und Interessen austauschen kann. Zu Beginn sollen das eher "Freizeitthemen" sein, sagt Waehlert. Da

bei sollen die Nutzer weitergeben, was sie gut können - also etwa ein Instrument spielen oder eine bestimmte Trendfrisur perfekt stylen.
In einem weiteren Schritt kommen schulische Lerninhalte bis hin zu digitalen kollaborativen Lernansätzen hinzu. Hier kann Idpool auf Content des Mutterkonzerns Holtzbrinck - zu dessen Kernbereichen das Thema zählt - zugreifen. Dazu gehört bereits jetzt der Jugendableger der "Zeit", "Zeit Leo". Eine Zusammenarbeit mit den Holtzbrinck-Lernplattformen Tutoria und Bettermarks ist ebenfalls vorstellbar.
Dass die Neuausrichtung bei Kids und Eltern einen Nerv trifft, davon ist Waehlert überzeugt. Das hätten zum einen bereits vielfältige Marktforschungsergebnisse gezeigt. Aus ihrem eigenen Umfeld bekommt die fünffache Patentante ebenfalls so einiges an Resonanz. Auch von den Eltern, die sie "mit auf den Weg nehmen" will. Die Erziehungsberechtigten spielen bei dem Geschäftsmodell nämlich künftig durchaus eine wichtige Rolle: Neben der klassischen Werbefinanzierung, die weiter den Kern darstellt, sind im Rahmen der schulischen Angebote auch Abo-Modelle und Paid Content im Gespräch - Kosten, die wohl die Eltern tragen werden. Dass die Umsätze damit nicht sofort explodieren werden, weiß nicht nur Waehlert: "Es ist auch den Gesellschaftern klar, dass es seine Zeit braucht." Bis Mitte 2013 wird nun erst mal die Akzeptanz bei den Nutzern getestet.

Vielleicht hat Waehlert bis dahin auch ihre Zelte in München komplett abgebrochen. Noch pendelt sie zwischen ihrer Schwabinger Wohnung und dem Unternehmensstandort Berlin, wo sie im Stadtteil Mitte neue Wurzeln schlagen will. Ihrem neuen Lebensmittelpunkt kann sie schon jetzt einiges abgewinnen: "Berlin ist extrem inspirierend, es pulsiert und hat den richtigen IT-Spirit." Das Ambiente der VZ-Netzwerke, demnächst Poolworks, trägt sicher noch dazu bei: Sie residieren in der historischen "Backfabrik", in der sich eine Vielzahl von Kreativ-Unternehmen eingemietet hat. Aber nicht nur die Atmosphäre dort wird Waehlert beflügeln, sondern auch ihr Hobby Laufen, erzählt sie lächelnd: "Marathon ist einfach eine tolle Voraussetzung für das geduldige Verfolgen von Zielen."


Autor:

Manuela Pauker
Manuela Pauker

leitet das Medienressort der gedruckten W&V. Blattmacherin wollte sie schon früh werden, doch leider gab es zum 14. Geburtstag statt des erhofften Kopierers (zum Produzieren einer Zeitschrift) einen Wandteppich zum Selbstknüpfen. Printmedien blieben dennoch ihre Leidenschaft – auch wenn sie parallel zum TV-Serienjunkie wurde



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