Thomas Strerath: Ein Meister der Kommunikation

Immer wieder bringt sich Thomas Strerath mit provokanten Thesen ins Gespräch. In der ­Branche wird der Ogilvy-Chef für seinen Mut geschätzt, nicht zuletzt, weil er die Network-Agentur erfolgreich führt.

Text: Lena Herrmann

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Thomas Strerath versteht das Geschäft mit der Kommunikation: Über 800 Freunde hat der CEO von Ogilvy & Mather in Deutschland inzwischen auf Facebook. Das Portal nutzt er vor allem, um Dinge zu posten, die die Agentur oder zumindest die Agenturszene betreffen. Doch dazwischen kommt immer wieder ein Statusbericht aus dem Urlaub, von seinem Umzug von München nach Köln, aus dem Pferdestall oder dem Fußballstadion, wenn der bekennende Gladbach-Fan seine Mannschaft unterstützt. Am vergangenen Donnerstag hat der CEO von Ogilvy & Mather mit seinem Facebook-Profil für Aufregung gesorgt, als er die Deichmann-Aufforderung zu Gold-Idee und Rechteabtritt umfangreich ins Netz stellte und zum Boykott des Pitches aufrief. Die Aktion blieb nicht ungehört: Agenturchefs schlossen sich dem Boykott an und auf Facebook bekommt der 1966 geborene Agenturchef viel Beifall. Zudem entwickelt sich eine Diskussion in Blogs und Foren, ob sich die Agenturen ihr Grab nicht selbst schaufeln.

Strerath kann die Diskussion nur recht sein. Bereits früher hat der Manager sich mit punktgenau platzierten Themen zu Wort gemeldet und mit Thesen provoziert. So hat sich Strerath, der 1999 bei der B-to-B-Agentur Wob als Kundenberater begann und sechs Jahre später als COO die Agentur verließ, zu einem der Meinungsführer der Agenturszene gemausert. Leisten kann er es sich: Unter seiner Führung hat sich Ogilvy zur kreativsten Network-Agentur in Deutschland entwickelt und zuletzt mit großen Pitch-Gewinnen und viel diskutierten Kampagnen à la Media-Markt auf sich aufmerksam gemacht.

Zuletzt forderte Strerath eine Abkehr von zu viel Marktforschung. Das damit verbundene Sicherheitsdenken behindere Innovationen. Anfang 2011 kritisierte er die Teilnahme vieler Agenturen an kostenlosen Pitches, widersprach dem 360-Grad-Agenturmodell und forderte verbesserte Spielregeln beim Umgang mit Pitch-Beratern. Und im von der W&V ausgerichteten Top-5-Club, einer illustren Runde von Werbern, dachte Strerath laut über eine eigene Interessenvertretung für die 20 größten Agenturen in Deutschland nach – parallel zum Branchenverband GWA.

Seine Erfahrungen mit dem Verband hat Strerath ebenfalls bereits gemacht. Als Peter John Mahrenholz im Sommer 2011 seinen Abschied von Draftfcb bekannt gab und seinen GWA-Präsidentenposten aufgeben musste, galt Strerath, der zu dem Zeitpunkt Schatzmeister des Verbands war, einige Wochen lang als sein Nachfolger. Am Ende nahm er von seiner Kandidatur Abstand – unter anderem, so war damals zu hören, weil er als Beauftragter für die Finanzen nicht von der Überlegung großer Mitglieder wie Serviceplan und Y&R gewusst hatte, den Verband verlassen zu wollen. Strerath gilt als meinungsstark und kritisch, aber auch als integer und fair.

Jetzt werden wieder Stimmen laut - unter anderem auf Facebook -, die Strerath aufgrund dieser Eigenschaften als GWA-Präsidenten fordern. Doch den Posten besetzt aktuell Lothar Leonhard – der Mann, der Strerath bei Ogilvy & Mather zu dem machte, was er jetzt ist.


Autor:

Lena Herrmann
Lena Herrmann

schreibt als Redakteurin für das Marketingressort der W&V unter anderem über Sportmarken und Reisethemen. Beides beschäftigt sie auch in ihrer Freizeit. Dann besteigt sie Berge, fährt mit dem Wohnmobil durch Neuseeland, wandert durch Weinregionen oder sucht nach der perfekten Kletterlinie.



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