Tom Hauser: Vom Colorado an die Elbe

Dekoriert mit Awards und transatlantischer Erfahrung, kehrt Tom Hauser zum einstigen Arbeitgeber Jung von Matt zurück. Als Geschäftsführer Interactive will er integriert denken.

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Seit er 1984 die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele in Los Angeles gesehen hat, wünscht sich Tom Hauser einen Raketenrucksack. Mit dem könnte er morgens in die Agentur fliegen. "Vorbei am Hamburger Fernsehturm und noch ein bisschen weiter geradeaus", sagte der Kreative 2010 W&V Online.

Ob er sich den Traum inzwischen erfüllt hat, muss an dieser Stelle offenbleiben. Sicher ist, dass Hauser jetzt auf herkömmlichem Wege angeflogen kommt. Und zwar von Crispin Porter + Bogusky aus Boulder, Colorado, zurück an die Elbe nach Hamburg. Dort wird sein bevorzugtes Transportmittel das Trojanische Pferd sein, das Markenzeichen von Jung von Matt. Kehrt er doch an seine ehemalige Wirkungsstätte zurück. Als Geschäftsführer Interactive soll Hauser den digitalen Wandel der Agentur weiter vorantreiben.

Altmeister Jean-Remy von Matt sieht in ihm einen Spitzenkreativen. "Einen, von dem ich aus eigener Erfahrung weiß, dass er es auch wirklich ist", lässt der Agenturgründer per Mitteilung verlauten. Das klingt verheißungsvoll. Vor allem in einer Zeit, in der sich die Kreativschmiede ihre Spitzenplatzierung beim Art Directors Club plötzlich mit der Konkurrenz von Heimat teilen muss (W&V 20/12). Und von Matt seinen einstigen Kronprinzen Armin ­Jochum am 30. Juni zu Kempertrautmann ­abwandern sieht. Einen Tag später nimmt Tom Hauser bei Jung von Matt die Arbeit auf.

Der legt indes Wert darauf, nicht als Jochums heimlicher Nachfolger gehandelt zu werden. Auch sei er keineswegs der "Interac­tive-Chef" der gesamten Agenturgruppe, lediglich "Geschäftsführer Interactive" einer ihrer Satelliten. Wo genau, ob an Elbe, Alster oder Fleet, will er, darf er nicht verraten. Das sei noch nicht spruchreif. Klar ist, dass Jung von Matt sich mit Hauser einen Krea­tiven zurückgeholt hat, der das Award-Geschäft aus dem Effeff kennt und wichtige Erfahrungen aus den USA mitbringt.

Was den digitalen Wandel anbelangt, vergleicht Tom Hauser deutsche Agenturen gern mit einem Zug, der in voller Fahrt auf ein anderes Gleis gehievt werden soll. Vom analogen auf das digitale. Das sei in Amerika etwas völlig anderes gewesen, sagt er. "Amerikanische Agenturen funktionieren oftmals wie ein großes Gehirn, jeder Mitarbeiter ist eine Synapse", sagt der 41-Jährige. Zwar habe jeder Werber sein Fachgebiet, doch alle arbeiten gemeinsam an einer Idee. Bei den Amerikanern sind Einfälle das Eigentum der gesamten Agentur. Keiner versucht aus Konkurrenzdenken heraus, seine Idee zu behüten. Vielmehr wandern sie hin und her, zwischen allen Abteilungen.

Am Ende eines dieser Kreativprozesse kam ihm die Idee zu einer großen Social-Media-Kampagne für den Kunden Coke Zero. Mit ihr soll in den USA der Montag nach dem Super Bowl zum "Magnificent Monday" erklärt werden, zum offiziellen Feiertag aller Amerikaner. Für Coke Zero betreute er die gesamte digitale und Social-Media-Kommunikation. Daneben arbeitete er für Kraft und Jell-O.

Will er dieses integrierte, freie Denken auch bei Jung von Matt einführen? Durchaus. Hausers erklärtes Ziel ist es, "eine Idee zusammen so grandios wie möglich zu machen". Er will auch hierzulande eine Arbeitsweise eta­blieren, "bei der es den Kreativen viel eher um Kollaboration als um Konkurrenz geht". Denn letztlich kämpft er für den kreativen Output der Agentur. Und der lasse sich vor allem dadurch verbessern, dass jeder das tut, was er am besten kann. Vielleicht sieht er seine Aufgabe ja darin, der digitalen Kreation von Jung von Matt einen Raketenrucksack aufzusetzen.


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