Euro-Etat der EZB :
Trommler mit Herz

Havas, die alte Euro RSCG, ist in Deutschland noch nicht recht bekannt. Mit dem Euro-Etat der Europäischen Zentralbank hat CEO Andreas Geyr einen Prestigeetat ­gewonnen, der das ändern wird.

Text: Lena Herrmann

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Andreas Geyr ist ein ehrgeiziger Typ. Einer, der die Herausforderung sucht und gern gewinnt. Ein bisschen Glamour schadet da nicht: Havas Worldwide, seine Agentur, darf in Europa die neuen Euro-Banknoten einführen, die die Europäische Zentralbank ab Mai ausgibt. Mit diesem Erfolg hat Geyr in der Branche für einen Aha-Effekt gesorgt. Der Auftrag läuft über mehrere Jahre; die Kampagne wird in allen Ländern der Euro-Zone sichtbar sei. Es ist der erste Etatgewinn, seit die Agentur Euro RSCG unter Havas firmiert. Etwas Besseres konnte Geyr nicht passieren: Der neue Name wird sich schnell etablieren.

Seit 2005 ist Andreas Geyr CEO von Euro RSCG Deutschland. 2008 beförderte ihn das französische Havas-Network zum CEO Central Europe; 2010 übernahm er den Posten des CEO Europe. Mit Christian de La Villehuchet, ebenfalls CEO Europe, betreut er 52 Agenturen. Auf die Tatsache, dass er als einziger deutscher Werber in einer Agentur-Holding eine europäische CEO-Funktion innehat, ist er stolz. Auch wenn das bedeutet, viel zu reisen. Gerade mal zwei Tage pro Woche verbringt Geyr, Jahrgang 1967, ledig, im Schnitt am deutschen Hauptsitz von Havas in Düsseldorf. Geyr liebt seinen Job, er ist inspiriert, fordernd, bleibt stets Mensch. Der Mann kann durchaus auch der „Kölsche Jung“ sein, der er ist. Und da spielt es keine Rolle, dass er in Düsseldorf arbeitet. Seine Mitarbeiter schätzen seine Art – alle dürfen ausnahmslos ihre Hunde mit ins Büro bringen. Den Ausgleich zum beruflichen „Wahnsinn“, wie Geyr das selbst nennt, findet der Werber im Sport. Mindestens dreimal die Woche steht er auf dem Tennisplatz. „Ambitioniert, aber erfolglos“ sei sein Spiel, sagt er. Es klingt ein bisschen kokett.

Zum Gig mit einem 7,5-Tonner

Seine zweite Leidenschaft gilt der Musik. Wenn Geyr Zeit hat, zieht er sich in sein Haus nach Köln zurück. „Am schönsten Platz im ganzen Haus“ steht sein Schlagzeug. Seit er 15 ist, trommelt Geyr. Das Repertoire reicht von BAP über Reggae bis zu Prostest- und Betroffenheitssongs. Soul und Jazz spielen seit Neuestem eine Rolle. Mindestens regionale Bekanntheit erlangte seine Band, als sie in Fabrikhallen der Firma Utila probte und mit dem 7,5-Tonner des Unternehmens zu ihren Gigs fuhr. Auf dem Lkw prangte der Name des Krankentragenherstellers, was die Musiker clever für sich nutzten und sich ebenfalls Utila nannten. Um ein Haar wäre Andreas Geyr ins Musik-Business eingestiegen. Ein Angebot von BMG lag nach dem BWL-Studium in London auf dem Tisch. Doch dann entschied er sich für Ogilvy & Mather und arbeitete für die Agentur eine Zeit lang in Paris; es folgten DDB und McCann.

„Ich liebe Werbung so sehr, dass ich momentan nicht an etwas anderes denke“, sagt Geyr, der auch Vizepräsident des GWA ist, über seine Zukunftspläne. Und es gebe noch viel zu tun bei Havas. „Unser Jahrzehnt beginnt jetzt.“


Autor:

Lena Herrmann
Lena Herrmann

schreibt als Redakteurin für das Marketingressort der W&V unter anderem über Sportmarken und Reisethemen. Beides beschäftigt sie auch in ihrer Freizeit. Dann besteigt sie Berge, fährt mit dem Wohnmobil durch Neuseeland, wandert durch Weinregionen oder sucht nach der perfekten Kletterlinie.



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