Die Quellen der Selbstwirksamkeit

Diese Bedingungen sowie ein Verständnis, wie Empowerment überhaupt entstehen kann, ist laut Laudon in den Führungsetagen der Unternehmen essentiell wichtig. "Die Quelle von Empowerment und Selbstwirksamkeit sind eigene Erfahrungen, das Lernen von anderen, die es bereits erfolgreich machen, qualifiziertes Feedback und die Wahrnehmung der eigenen Emotionen die einen hemmen oder bestätigen."

Die 4 1/2 Erfolgsfaktoren sind Laudon zufolge dann:

1. New Way of Working:

Durch Gleichheit der Mitarbeiter, die nötigen digitalen Tools und neue Arbeitsprozesse wird das Thema New Work auf den Weg gebracht. "Einzelbüros abzuschaffen wirkt besser als jeder Appell", sagt Laudon und berichtet, dass sich auch der Axa-Vorstand jeden Morgen einen neuen Arbeitsplatz suchen muss und die gleichen Geräte und Tools wie alle anderen hat. Bevorzugung gibt es nicht.

2. Agile Transformation:

Pull statt Push heißt die Devise. Das bedeutet: Mitarbeiter sollen nicht zu den Aufgaben gedrängt werden, sondern durch attraktive Aufgabenstellungen selbst entscheiden, was sie umsetzen und wie. Dazu kommt Kollaboration (Räume für informelle Treffen, Projektflächen und ähnliches) und eine Output-Orientierung: das erwartete Ergebnis soll transparent kommuniziert werden. 

3. Netzwerke und Kultur:

Freiwilligkeit, Glaubwürdigkeit und Ressourcen sind drei wichtige Schlagwörter, wenn es um die Kultur bei Axa geht. So ist dem Konzern wichtig, das sich die Mitarbeiter auch außerhalb ihrer eigentlichen Aufgaben einbringen und engagieren. Egal ob es dabei um das Thema Gleichheit und Diversity geht, Teambuilding und gemeinsame Erlebnisse - nur wenn sich die Mitarbeiter mit ihren persönlichen Interessen in einem Unternehmen gesehen und wertgeschätzt fühlen, fühlen sie sich ihm auch verbunden.

4. Kommunikation

Die Bedeutung von Kommunikation nach innen und nach außen kann nicht überschätzt werden. Role Models bieten Orientierung, die Sichtbarkeit einzelner aber auch von Teams und Gruppen ist essentiell wichtig und auch die Interaktion zwischen Abteilungen und Mitarbeitern.

Und als letzter halber Punkt sagt Laudon: "Es kommt nicht nur auf die Führungskräfte an". Viele mehr ist auch der Einzelne gefragt, sich auf neue Prozesse einzulassen und den neuen Weg mitzugehen. Damit sich am Ende alle wohlfühlen und gerne und erfolgreich für ein Unternehmen arbeiten.

Über Sirka Laudon:

Sirka Laudon verantwortet bei der AXA Konzern AG als Vorständin People Experience die Themen HR und Workplace & Infrastrukturmanagement. Zuvor hat sie in verschiedenen Führungspositionen bei Otto, Axel Springer und der Deutschen Bahn die Digitale Transformation dieser Unternehmen begleitet. Mit den Erfahrungen dieser unterschiedlichen Branchen glaubt sie weder an die Übertragbarkeit von Startup-Rezepten noch an Heilsbotschaften der Agilitäts- und New Work Evangelisten. Mit ihrem Pragmatismus entlarvt sie manche Thesen über die Fähigkeit etablierter Konzerne, sich selbst zu erneuern. Dabei entzaubert die Psychologin Allerweltsbegriffe wie Disruption und Transformation. Sie ist Jury-Mitglied unter anderem beim HR Innovation Award und den HR Excellence Awards.



Lena Herrmann
Autor: Lena Herrmann

schreibt als Redakteurin für das Marketingressort der W&V unter anderem über Sportmarken und Reisethemen. Beides beschäftigt sie auch in ihrer Freizeit. Dann besteigt sie Berge, fährt mit dem Wohnmobil durch Neuseeland und Kanada, wandert durch Weinregionen oder sucht nach der perfekten Kletterlinie.