Misserfolgsgeschichten :
6 Lektionen aus dem Museum of Failure

Im südschwedischen Helsingborg eröffnet ein Museum, das nicht den Erfolg, sondern das Scheitern feiert. Denn aus den Desastern anderer können Marken viel lernen.

Text: Christa Catharina Müller

Grüner Ketchup? Dieser Versuch von Heinz ging in die Hose.
Grüner Ketchup? Dieser Versuch von Heinz ging in die Hose.

Nach mehreren Pop-up-Auftritten in London, Göteborg und Malmö hat das Museum of Failure nun einen dauerhaften Standort gefunden: Im südschwedischen Helsingborg wird seit diesem Mittwoch nicht der Erfolg einer Innovation gefeiert, sondern ihr Scheitern.

Aus Fehlern lernt man, davon ist der Kurator der Ausstellung, Samuel West, überzeugt. Gezeigt werden mehr als 70 Exponate von grünem Ketchup bis Zahnpasta vom Rüstungshersteller. Schlecht produzierte Produkte qualifizieren sich nicht für einen Platz im Museum. Es muss sich schon um missglückte Innovationen handeln. Aus diesen Desastern aber können Marken einiges lernen.

1. Nicht jedes Produkt ist geschlechterspezifisch

Damit eine Innovation erfolgreich ist, muss in der Entwicklungsphase die Unternehmenskultur stimmen. Das bedeutet: Auch vermeintlich dumme Fragen dürfen gestellt werden und Kritik ist willkommen. Dann hätten die Macher der Stifte "Bic for Her" wahrscheinlich auch vor Produktlaunch gemerkt, dass Frauen genauso gut mit blauen und schwarzen Kulis schreiben können.

2. Experimente dürfen auch mal schief gehen

Wer Fehler machen darf, geht auch mehr Risiken ein. Unter dem Namen "New Coke" wurde 1985 eine neue Rezeptur von Coca-Cola auf den Markt gebracht. Nach gerade einmal 79 Tagen war das Experiment beendet. Manche sprechen vom größten Vermarktungsdesaster der Geschichte. Der Marke hat es nachhaltig nicht geschadet. Im Gegenteil, der Konzern hat mehrere neue Sorten etabliert.

3. Innovation ohne Scheitern ist unmöglich

Heute sprechen Innovationsberater gerne davon, dass man möglichst schnell einen Prototypen testen soll. "Fail forward" nennen sie dieses Vorgehen. Es hilft, sich immer wieder bewusst zu machen, dass die meisten Innovationen scheitern. Grünen Ketchup von Heinz braucht trotzdem niemand.

4. Gutes Design will nicht alles auf einmal

Mit dem N-Gage fusionierte Nokia Mobiltelefon und Spielekonsole. Das All-in-One-Gerät war vielleicht in der Theorie der Knaller. Für den Alltag aber viel zu kompliziert. Übrigens genauso wie Apples Newton, ein PDA, der leider kläglich daran scheiterte, Hand- in Computerschrift umzuwandeln. Manchmal ist weniger mehr.

5. Marken sind nur bis zu einem gewissen Punkt dehnbar

Birkenstock macht jetzt auch Matratzen, Ikea baut intelligente Möbel und der schwedische Rüstungshersteller Bofers verkauft nicht nur Schnellfeuerkanonen, sondern auch Zahnpasta. Im Ernst? Ja. Aber: Die "Tandkräm" war ein Reinfall. Genauso wie die Lasagne von Colgate. Merke: Selbst wenn eine Marke stark ist, kann man unter ihrem Label nicht jedes neue Produkt verkaufen.

6. Innovation = Timing und Chemie

Auch wenn die Datenbrille im medizinischen Bereich durchaus sinnvoll schien, ist Google Glass  gescheitert. Amazon gelang es ebenfalls nicht, die Konsumenten für sein "Fire Phone" zu begeistern. Nur weil sich eine Innovation nicht sofort durchsetzt, ist sie nicht automatisch schlecht. Wenn der Zeitpunkt nicht stimmt, bleibt der kommerzielle Erfolg aus. Das ist dann einfach Pech.

Als Pop-up kommt das Museum of Failure in den kommenden Monaten auf Tour: im September nach Göteborg, im Oktober nach Amsterdam, im Dezember nach Miami und im März 2018 nach Istanbul.


Autor:

Christa Catharina Müller
Christa Catharina Müller

ist seit Februar 2014 Redakteurin im Ressort Marketing, wo sie über Mode und digitales Marketing schreibt. Bevor sie zu W&V kam, hat sie ein Onlinevolontariat bei Condé Nast absolviert und war anschließend drei Jahre als freie Autorin tätig, unter anderem als Bloggerin für Yahoo.