Marketingstandort Deutschland :
76 Prozent der Marketingmanager von aktueller Aufgabe nicht erfüllt

Eine Studie über Marketingjobs der Zukunft zeigt: So mancher Marketingmanager könnte für sein Unternehmen wertvoller sein, wenn man ihn denn ließe.

Text: Daniela Strasser

In Zukunft wird es mehr ortsunabhängige Arbeitsplätze geben.
In Zukunft wird es mehr ortsunabhängige Arbeitsplätze geben.

Die Arbeitsrealität von Marketingexperten wird selten erforscht. Diese Wissenslücke will jetzt eine neue und noch unveröffentlichte Studie zum Marketingstandort Deutschland des Personaldienstleisters Avantgarde Experts schließen, die vorab die wichtigsten Ergebnisse liefert. Konkret geht es dabei um die Frage, wie Marketingjobs in Zukunft aussehen werden. Untersucht hat das Unternehmen dabei den Berufsalltag von 360 Marketingverantwortlichen in Agenturen und Unternehmen, anschließend folgten Leitfadeninterviews mit Marketingexperten von BMW, Oracle, der Agentur BBDO und anderen.

Besonders interessant sind die vier Hauptergebnisse der Studie.

So sind moment etwa 76 Prozent der Marketingfachleute nicht von ihrer Aufgabe erfüllt. Die Studienmacher formulieren es etwas positiver und sagen, es schlummere "ungenutztes Potential" im Marketing. Viele Mitarbeiter könnten demnach "wertvoller für das Unternehmen" sein. 

Vieltelefonierer zufriedener als Viel-Emailer

Wechselt man die Perspektive und schaut auf die Marketingfachleute statt auf das Unternehmen, sind die aber in Summe deutlich zufriedener mit ihren Arbeitsbedingungen als der bundesweite Arbeitnehmer-Durchschnitt. Im besonderen Maß gilt das für "Vieltelefonierer", spricht diejenigen Marketeers, die bevorzugt über Telefon und in direkten Gesprächen kommunizieren statt alles über Emails abzuarbeiten. Email ist allerdings nach wie vor das am häufigsten genutzte Kommunikationsmittel der Marketingverantwortlichen, sogar dann, wenn sie gemeinsam im Großraumbüro sitzen.

Mit 49 Prozent der im Marketing beschäftigten Personen verrichtet knapp die Hälfte ihre Arbeit in einem Großraumbüro. Zählt man diejenigen dazu, die in Zweier- bis Vierer-Büros arbeiten, steigt die Anzahl auf 70 Prozent.

Entwicklung zum ortsunabhängigen Arbeitsplatz

Geht es nach den interviewten Führungskräften aus dem Marketing, wird das in Zukunft nicht so bleiben: "Die Frage ist, ob man überhaupt noch ins Büro fährt oder von einem ganz anderen Ort aus arbeitet. Wir haben hier aktuell noch eine Zeiterfassung […]. Ich denke, das wird nicht mehr lange so geben", sagt einer der Befragten. Die Entwicklung geht hier laut Aussage der Marketing-Führungskräfte zur Vertrauensarbeitszeit, eigenen Zeiteinteilung und dem ortsunabhängigen Arbeitsplatz. Angesichts der Tatsache, dass im Moment noch 70 Prozent täglich ins Büro fahren, dürfte die Arbeitsplatzsituation eine der größten Veränderungen sein, auf die sich Marketing-Experten einstellen müssen.

Hier arbeiten die Marketingexperten derzeit am häufigsten.

Hier arbeiten die Marketingexperten derzeit am häufigsten.

Übrigens scheinen die Marketingverantwortlichen auch von der Digitalisierung nur eingeschränkt begeistert. Sie sehen diese zwar einerseits als die größte Chance für ihre Arbeit und die künftigen Arbeitsmöglichkeiten, allerdings sind sie auch häufiger mit Folgen der Digitalisierung überfordert. Durch die voranschreitende Digitalisierung ist eine Anpassung des Marketing-Jobs notwendig. Online-Marketing wird eine immer wichtigere Rolle einnehmen, weshalb zukünftig Experten gefragt sind. Statt Marketing-Generalisten wird Spezialisierung auf den verschiedenen digitalen Kanälen gefordert.

Allgemein wird die Marketing-Welt, sagen Experten in der Studie, schnelllebiger und vielschichtiger. Zukünftig wird es immer mehr Kanäle geben, die es auszuwählen und richtig zu bespielen gilt. Marketing wird komplexer und weniger greifbar, weshalb die Befragten mit einer großen Herausforderung
durch die zunehmende Kundenberatung rechnen. Ein Studienteilnehmer fasste es gar mit den Worten „Man muss dem Kunden die Welt der Digitalisierung erklären" zusammen.


Autor:

Daniela Strasser, W&V
Daniela Strasser

Redakteurin bei W&V. Interessiert sich für alles, was mit Marken, Agenturen, Kreation und deren Entwicklung zu tun hat. Außerdem schreibt sie für die Süddeutsche Zeitung. Neuerdings sorgt sie auch für Audioformate: In ihrem W&V-Podcast "Markenmenschen" spricht sie mit Marketingchefs und Media-Verantwortlichen über deren Karrieren.