8,5 Billionen Euro: Kaufkraft in Europa steigt trotz Schuldenkrise

Trotz der Schuldenkrise in der EU-27 ist das verfügbare Einkommen der Haushalte 2011 weiter gestiegen. Die Analyse von GfK GeoMarketing zur Einzelhandelssituation in Europa zeichnet ein gar nicht so düsteres Bild der Lage. 

Text: Frauke Schobelt

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Trotz der aktuellen Schuldenkrise und Verunsicherung bezüglich der kränkelnden Volkswirtschaften in der EU-27 ist das verfügbare Einkommen der Haushalte in Europa 2011 weiter gestiegen. So standen den europäischen Verbrauchern im Jahr 2011 rund 8,5 Billionen Euro für Konsumausgaben zur Verfügung. Dies zeigt eine Analyse von GfK GeoMarketing zur Einzelhandelssituation in Europa, die im Auftrag des European Shopping Centre Trust (ESCT) durchgeführt wurde.

Insgesamt zeige sich eine Wachstumsrate von plus 2,6 Prozent für die Kaufkraft der EU-27 Länder im Jahr 2011. Die Länder der Eurozone weisen dabei ein vergleichsweise niedrigeres Wachstum auf. Vor allem neuere Mitgliedsstaaten, EU-Beitrittskandidaten sowie Partnerländer mit einer überdurchschnittlichen Kaufkraftentwicklung bringen offenbar neuen Schwung nach Europa.

Im Jahr 2011 erzielten die Einzelhändler Europas in den insgesamt 32 erhobenen Ländern einen Einzelhandelsumsatz von rund 2,96 Billionen Euro (EU-27 = 2,3 Billionen Euro), ein Plus von rund 2,4 Prozent. Damit setze sich der positive Trend der letzten Jahre fort, wenn auch gegenüber 2010 etwas abgeschwächt. Nationen wie Griechenland (-14,2 Prozent), Portugal (-6,9 Prozent) oder Spanien (-2,0 Prozent) haben wegen der angespannten volkswirtschaftlichen Lage ihrer Länder mit einer gebremsten Konsumfreude der Bevölkerung zu kämpfen.

GfK GeoMarketing prognostiziert in den betrachteten europäischen Ländern für 2012 steigende Einzelhandelsumsätze von nominal rund plus 1,4 Prozent. Auch in 2012 dürften dabei die von Strukturierungsmaßnahmen und Sparpaketen betroffenen Staaten Griechenland, Irland, Portugal, Spanien, Italien und Ungarn die Auswirkungen der Schuldenkrise spüren; am stärksten Griechenland mit minus 15 Prozent. In den großen Einzelhandelsmärkten Frankreich und Deutschland erwarten die Marktforscher Umsatzzuwächse von rund ein bis zwei Prozent. Großbritannien soll mit einem Wachstum von 2,7 Prozent sogar deutlich im Plus liegen.

Der Anteil der Einzelhandelsausgaben an den privaten Konsumausgaben nahm auch 2011 in den EU 27 erneut ab. Trotz der absoluten Einzelhandelsumsatzzuwächse fiel die Quote auf 31,3 Prozent der Konsumausgaben (Vorjahr: rund 31,9 Prozent). Maßgebliche Gründe seien steigende Energiekosten oder wirtschaftliche Unsicherheit.

Manuel Jahn, Co-Autor der Studie, fasst zusammen: „Besonders in jenen Ländern, die weiterhin von harten Sparmaßnahmen betroffen sind, ist das Konsumklima angesichts der niedrigen Erwartungen der Konsumenten in die wirtschaftliche Entwicklung des Landes und für die persönliche Lohnentwicklung zurückgegangen, was zu rückläufigen Einzelhandelsumsätzen führt. Auf der anderen Seite vollzogen einzelne Länder wie die Baltischen Staaten im Jahr 2011 bereits einen erheblichen turn around; Russland ist gar auf dem Weg, die etablierten Top Drei – Frankreich, Deutschland und Großbritannien – zu überholen."

Weitere Informationen zur Studie gibt es unter www.gfk-geomarketing.de 


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.



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