Der Otto-Katalog spiegelte nicht nur Trends wider, sondern setzte sie auch - so hatten schicke und moderne Frauen und Männer auszusehen. "In der DDR war der Katalog eine begehrte Schmuggelware", berichtet Frank Surholt von Otto. "Die Frauen haben die Kleidung nachgeschneidert." Und intern rangelten die Produktmanager um Farbseiten und eine gute Platzierung ihrer Artikel - am besten auf dem rückwärtigen Einband des Katalogs. Damit ließen sich Verkäufe vervielfachen.

Claudia Schiffer auf dem Otto-Katalog-Cover

Der Katalog wurde moderner: Erst kamen ab den 1980er Jahren prominente Models auf den Titel - Claudia Schiffer, Giselle BündchenEva Padberg und andere. Allein Heidi Klum war viermal dabei. Aber auch das lief sich schon vor mehr als zehn Jahren langsam tot. Mit Beginn der Digitalisierung kamen technische Innovationen wie eine dem Katalog beigelegte CD-ROM, um vor allem die Damenmode besser präsentieren zu können. Otto legte schon damals die Grundlage für ein Überleben in der digitalen Welt.

Neckermann und Quelle sind längst pleite und Teil des Otto-Reichs; ihre letzten Kataloge erschienen 2009 und 2012. Quelle-Gründer Gustav Schickedanz gilt als Erfinder des großen Katalogs mit allen Produkten. Er hatte schon vor dem Krieg ein Versandhandelsunternehmen aufgebaut.

Werner Otto erschien als Flüchtling erst nach dem Krieg auf der Hamburger Bühne und startete vor 70 Jahren mit einem legendären
Katalog mit handgeklebten Fotos, der auf 14 Seiten 28 Paar Schuhe zeigte. Auflage: 300 Exemplare. In der Spitze um die Jahrtausendwende waren es mehr als 1.000 Seiten in einer Auflage von zehn Millionen Stück.

Inzwischen präsentiert Otto im Internet rund drei Millionen Produkte, nicht mehr nur einige tausend wie in den Katalogen. Niemand muss um seinen Arbeitsplatz bangen, weil der Katalog wegfällt; Designer, Layouter, Fotografen und Texter werden für die Internet-Präsenz von Otto.de gebraucht. Zudem sind gedruckte Werbemittel nicht völlig tot. Es gibt weiter Spezialkataloge zu bestimmten Themen wie Garten oder Technik oder Modekataloge zum Beginn der Saison. Das sind allerdings im Vergleich zum Hauptkatalog eher kleine Broschüren. (dpa/app)


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W&V Redaktion
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