Drogerie-Streit :
Absurder Preiskampf zwischen Rossmann und dm eskaliert

Die Drogeriekette Rossmann fühlt sich durch die Einkaufspolitik von dm geschädigt, das seine Mitarbeiter anweist, mit Sonderangeboten der Konkurrenz die eigenen Regale zu füllen. Dies bekam nun eine dm-Angestellte in einer Rossmann-Filiale zu spüren, wo die Situation eskalierte.

Text: Frauke Schobelt

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Der Streit zwischen Rossmann und dm eskalierte in einer Rossmann-Filiale.
Der Streit zwischen Rossmann und dm eskalierte in einer Rossmann-Filiale.

Der Streit schwelt schon eine ganze Weile, nun ist die Lage eskaliert. Zwischen den Drogerieketten Rossmann und dm kracht es derzeit ganz gewaltig. Und ausgetragen wird der Preiskampf auf den Rücken der Mitarbeiter, die dadurch in peinliche Situationen geraten. 

Was ist passiert? Es geht um die Strategie von dm, Waren für die eigenen Regale auch bei der Konkurrenz zu kaufen, wenn diese bei Großhändlern günstigere Konditionen erhalten. Und dessen wurde nun, laut einem Bericht der "Huffington Post", dm-Mitarbeiterin Giannina Zentrich verdächtigt, die in einer Filiale von Rossmann in Nordrhein-Westfalen große Mengen Aktionsware kaufte. Auf Facebook (der Kommentar wurde heute entfernt oder auf privat gestellt) behauptet sie, dass sie von Rossmann-Mitarbeitern vor anderen Kunden an der Kasse beleidigt und offen des Wiederverkaufs verdächtigt wurde. Was Zentrich aber bestreitet. Sie fühle sich "gedemütigt und zutiefst diskriminiert" und hat deshalb zwischenzeitlich Anzeige wegen Beleidigung erstattet.

Die empfindliche Reaktion von Rossmann hat eine Vorgeschichte: Schon im November hatte "Focus" berichtet, dass dm seinen Mitarbeitern die klare Anweisung gibt, bei der Konkurrenz wie Rossmann, Müller, Budnikowsky, aber auch Aldi, Lidl oder Kaufland "strategisch relevante Aktionsartikel" zu kaufen, wenn diese günstiger seien. Die Zentrale in Karlsruhe stellt dafür montags eine Liste mit relevanten Artikeln bereit, heißt es laut "Focus" in der Direktive. dm, die umsatzstärkste Drogeriekette in Deutschland, bestreitet diese Anweisung nicht, sondern gibt sie offen zu. Das Burda-Blatt zitiert dazu Gründersohn Christoph Werner, Geschäftsführer Marketing + Beschaffung bei dm: "Wir stellen unseren Kolleginnen und Kollegen in den Märkten Informationen zur Verfügung, die es ihnen ermöglichen, die günstigste Einkaufsquelle für ihren Markt zu nutzen. Diese Quellen können auch Wettbewerber sein, wenn diese Artikel unseres Sortiments zu einem Preis anbieten, der unter unserem Einkaufspreis beim Hersteller liegt". 

Rossmann beklagt, dass inzwischen hunderte Filialen von "dm-Aufkäufern" regelrecht heimgesucht wurden, die massenhaft Sonderangebote aufkauften. Die Kette sieht sich durch dieses Vorgehen massiv geschädigt. Denn wenn dm-Mitarbeiter die Regale leerräumten, verärgere dies andere Kunden. Und dann gehe die Mischkalkulation aus günstigen Lockangeboten und anderen Käufen nicht mehr auf. 

Auf den Fall in Nordrhein-Westfalen angesprochen, sagte ein Rossmann-Sprecher gegenüber der "Huffington Post", Zentrich wollte in der Filiale in Bedburg-Hau "zwei randvoll gefüllte Einkaufswagen mit Markenartikeln einkaufen: 28 Mal Perwoll, 25 Mal Odol, 75 Mal Guhl, und so weiter." Zentrich bestätigt auf Facebook den Großeinkauf von Sonderangeboten, jedoch "ohne böse Hintergedanken, nicht um einen weiteren Verkauf damit zu tätigen.. Ich wollte sie für mich, meine Mutter, für einige Bekannte in den Niederlande wo die Produkte deutlich teurer sind und hatte den Wagen dementsprechend voll." Auch Eigenmarken von dm und andere Produkte waren darunter. Die Mitarbeiter von Rossmann verweigerten jedoch den Großeinkauf und erlaubten nur den Kauf von maximal drei Artikeln pro Produkt, in "haushaltsüblichen Mengen". Was dann folgte, schildert Zentrich als "ihren persönlichen Albtraum". Denn die Filialleitung habe ihr auch diesen reduzierten Einkauf verweigert und sie offen vor anderen Kunden des Wiederverkaufs in der dm-Filiale beschuldigt. Zentrich wehrt sich nun auf Facebook: 

Mein Kaufverhalten war weder unrechtmäßig noch habe ich mich rechtswidrig verhalten.
Ich bin nicht nur Arbeitnehmer sondern auch Privatperson, Endverbraucher und Kundin.
Ich musste mir sagen lassen ich solle dm fragen weshalb ich bei Rossmann keine Ware bekomme...
Dann wies man mir die Richtung zum Ausgang, ohne Einkauf.
Im Auto brach ich in Tränen aus und schämte mich in Grund und Boden, zumal mir im Laden einige Kunden begegnet waren, die ich kenne.

Vielleicht sollte sie tatsächlich ihren Arbeitgeber fragen, warum es zu dieser für alle Beteiligten peinlichen Situation kommen musste. Denn egal, ob die Vorwürfe in diesem Fall stimmen oder nicht: Letztlich setzt dm seine Mitarbeiter mit dieser Direktive massiv unter Druck. Sie müssen vor Ort den Preis zahlen und der Konkurrenz direkt in die Augen schauen. Es ist aber Aufgabe der Zentrale, bei Großhändlern vernünftige Preise auszuhandeln. Das Vorgehen passt einfach nicht zu einem Unternehmen, das viel Wert legt auf seinen guten Ruf. Auch als Arbeitgeber. 


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.



3 Kommentare

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Anonymous User 23. Januar 2017

dm ist leider nicht so wie es den Kunden vorgaukeln. Das ist ihr Marketing, und vielleicht noch der Geist ihres Gründers.

Ansonsten sind sie weit weg von guten Menschen. Vor allem Dienstleister und Wettbewerber können davon ein Lied singen.

Aber immer schön "Hier bin ich Mensch" und "Grundeinkommen" durch Werbung und PR schreien...

Tsss

Anonymous User 22. Januar 2017

Ja, die Geschichte mit dem Eigenbedarf klingt wirklich etwas unglaubwürdig, auch wenn ja angeblich auch dm Eigenmarken dabei waren. Aber wer kauft denn 75x das gleiche Produkt... Auch kaum zu glauben, dass sie für so viele Bekannte einkauft, zumal es Geld kosten dürfte diesen die Einkäufe dann zukommen zu lassen und unterm Strich keine Ersparnis bleiben dürfte.

Zum Artikel: Das Fazit ist leider nur bedingt durchdacht, da zuvor ja richtigerweise geschrieben wurde, dass Produkte auch unter Einkaufspreis angeboten werden können, um als Lockmittel zu dienen. Nur diese Strategie geht natürlich wirklich nur auf, wenn richtige Kunden kommen, die auch weitere Produkte kaufen.

Anonymous User 20. Januar 2017

Oh Gott mir kommen die Tränen. Entschuldigung, dm ist doch bekannt dafür knallhart im Wettbewerb zu sein. Der Handel ist nun wahrlich bekannt für seien rüden Sitten, insbesondere im Einkauf.
Wer kauft denn solche Mengen für den Privatbedarf??? Wenn man schon dabei erwischt wird, dann sollte man nicht auf die Tränendrüsen drücken, sondern einfach einmal die Klappe halten. Aber, das fällt ja vielen Leuten sehr schwer.

Einem Händler würde ich empfehlen, so einem Kunden einfach nichts zu verkaufen. Es gibt ja noch so etwas wie Vertragsfreiheit. Ich kaufe jedenfalls nach Möglichkeit nicht bei dm. Ein Laden mit gepflegter Doppelmoral.

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