Blumen-Marketing :
Adblocker als Werbefläche

Die Agentur UM Studios nutzt ausgerechnet Adblocker als Werbefläche. Absender ist die holländische Zierpflanzen-Branche mit einer blumigen Botschaft.

Text: Thomas Nötting

Der Adblocker ersetzt Bannerflächen durch Blumenkunst
Der Adblocker ersetzt Bannerflächen durch Blumenkunst

Adblocker sind aus Sicht von Werbetreibenden und ihren Agenturen eigentlich ein rotes Tuch. Schließlich schotten damit immer mehr Menschen sich und ihre Bildschirme von Werbebotschaften ab. In Deutschland werden inzwischen fast 20 Prozent der Online-Anzeigen abgeblockt, hat der Digitalverband BVDW unlängst gemessen.

Dass nun ausgerechnet eine Mediaagentur auf die Idee kommt, Adblocker für eine Kampagne einzuspannen, scheint auf den ersten Blick paradox. Genau das aber hat UM Studios – ein Content-Marketing-Ableger des Medianetzwerks Universal McCann (UM) – jetzt getan.

Für den Kunden Blumenbüro Holland hat die Agentur einen ganz speziellen Adblocker entwickelt. Die Idee: Wenn Menschen schon Werbung von ihrem Bildschirmen verbannen wollen, dann sollen sie den Platz doch kreativ nutzen. Der UM-Adblocker ersetzt die Layer, Banner und Wallpaper deshalb durch digitale Blumenkunstwerke.

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Blocker bringt Banner zum Blühen

Die floralen Motive stammen von vier internationalen Künstlern: dem niederländischen Tattoo-Künstler Henk Schiffmacher, dem Graffiti- und DJ-Duo Loco Dice und  Hoxxoh, der amerikanischen Designerin  Geraldine Wharry und dem Pariser Modelabel Pigalle. Deren Rosen-Tattoo-Bilder und  Blumen-Kollagen platziert der Adblocker automatisch auf den freigewordenen Werbeflächen.

Mit dem blumigen Blocker will die Marketingorganisation der niederländischen Zierpflanzen-Branche ein „Bewusstsein für Blumen und Pflanzen wecken“, sagt Brandmagerin Esther de Waard – und zwar „bei einem relevanten und kritischem Publikum, das wir normalerweise nicht so einfach erreichen würden“. “Eine Medienagentur, die einen Adblocker als kreative Medienlösung vorschlägt, könnte sich widersprüchlich anhören“, räumt UM-Studios-Geschäftsführer Elias Reinheimer ein. Aber man wolle Kunden mit „innovativen Konzepten überraschen“. Der Blocker biete außerdem „denjenigen eine interessante Alternative, die bereits einen Adblocker nutzen“.

Verknüpft ist die Aktion mit einer Influencer-Kampagne. Sie wurde von der Influcencer Markting Agency entwickelt. Die Amsterdamer Agentur hat auch die vier Blumen-Künstler ausgesucht.

Der Adblocker mit dem Namen „The Green Gallery Green Screen“ wird in den Niederlanden, Deutschland, Frankreich und England vertreiben.


Autor:

Thomas Nötting
Thomas Nötting

ist Leitender Redakteur bei W&V. Er schreibt vor allem über die Themen Medienwirtschaft, Media und Digitalisierung.