No Ad :
Adblocker ersetzt Plakat-Werbung durch Kunstwerke

Nun trifft es auch Plakate: Aktivisten in Berlin haben eine Augmented-Reality-App entwickelt, mit der sich in der Hauptstadt Werbung im öffentlichen Raum ausblenden lässt. Stattdessen sieht der Nutzer Kunstwerke aus New York.

Text: Frauke Schobelt

Viele Internetnutzer setzen Adblocker ein, weil sie sich von Online-Werbung genervt, bombardiert oder beim Surfen ausgebremst fühlen. Laut einer Umfrage des Online-Vermarkterkreises (OVK) im Branchenverband BVDW wird Online-Werbung auf durchschnittlich 21,49 Prozent der Page-Impressions geblockt. Dadurch entstehe "ein erheblicher Schaden für die digitale Wirtschaft".

Diese Zahl wird wohl noch zunehmen. Apple hat mit dem neuen Betriebssystem iOS9 erstmals die Verwendung von Adblockern erlaubt - prompt führen entsprechende Apps die Hitlisten an. Und selbst die Telekom erwägt das Adblocking als eigenes Geschäftsmodell. Dieser Werbe-Boykott trifft bislang digitale Werbung. Nun geht es aber auch Plakaten an den Kragen. 

Aktivisten in Berlin haben laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" eine Augmented-Reality-App entwickelt, mit der sich in der Hauptstadt Werbung im öffentlichen Raum ausblenden lässt. "No Ad Berlin" ersetzt die Motive der Werbeplakate durch Kunst. Wer sich von einem Plakat genervt fühlt, aktiviert die kostenlose App, hält die Kamera seines mobilen Gerätes auf das Motiv und sieht stattdessen Fotografien, Pop-Art oder Straßenkunst. Derzeit zeigt die App rund 100 Kunstwerke. Die virtuelle Ausstellung soll einen Monat laufen, heißt es im Blog der Aktivisten.

Entwickelt wurde die App von Re+Public, unterstützt vom Netzwerk PublicAdCampaign und der Berliner Kunstgalerie Open Walls Gallery im Rahmen der Berlin ArtWeek. Vorbild ist die App "No Ad" des New Yorker Künstlers und Aktivisten Jordan Seiler, die Subway-Stationen der Metropole in einen virtuellen Ausstellungsraum verwandelt. Auch die in Berlin gezeigten Kunstwerke stammen aus dieser Sammlung. 

NO AD: NYC from The Heavy Projects on Vimeo.

Da der Nutzer doch einen erheblichen Aufwand hat, um die Werbeplakate auszublenden, wird sich der Schaden in Grenzen halten. Vor allem Kunstliebhaber werden sich angesprochen fühlen. Doch auch diese App trägt dazu bei, Werbung nur noch als lästigen Störfaktor wahrzunehmen, den es zu bekämpfen gilt. Was hilft? Kreative Werbung, die als Kunstwerk wahrgenommen wird. Und die man nicht verstecken will.


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.