Jahreszahlen :
Adidas mit Rekordbilanz und neuen Plänen

Auch wenn es eigentlich die Zahlen seines Vorgängers waren - der neue Adidas-Chef Kasper Rorsted konnte am Mittwoch eine glänzende Jahresbilanz vorlegen. Darauf will sich der Ex-Henkel-Chef aber nicht ausruhen. Bis 2020 soll Adidas kräftig wachsen.

Text: W&V Redaktion

Der frühere Henkel-Chef Kasper Rorsted leitet Adidas seit Oktober 2016.
Der frühere Henkel-Chef Kasper Rorsted leitet Adidas seit Oktober 2016.

Der Sportartikelhersteller Adidas setzt nach einem Jahr mit Bestmarken bereits zu einem neuen Sprint an - und hat dabei mittelfristig weitere Umsatz- und Gewinnrekorde im Visier. Bis zum Jahr 2020 will das Dax-Unternehmen jährlich im Schnitt um zehn bis zwölf Prozent wachsen. Beim Gewinn peilt Adidas sogar durchschnittliche Zuwächse von 20 bis 22 Prozent an, kündigte der neue Adidas-Chef Kasper Rorsted am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens am Firmensitz Herzogenaurach an.

Für 2017 geht Rorsted von einem währungsbereinigten Umsatzplus von elf bis 13 Prozent aus; diese entspräche einem Erlös von mehr als 21 Milliarden Euro. Beim Gewinn rechnet er für 2017 mit einem Anstieg von 18 bis 20 Prozent auf bis zu 1,225 Milliarden Euro. "Ich hoffe, dass es uns gelingen wird, den Schwung von 2016 in das Jahr 2017 zu nehmen", sagte der frühere Henkel-Chef, der das Unternehmen seit Oktober 2016 leitet. Ex-Adidas-Chef Herbert Hainer war Ende September in den Ruhestand gegangen.

Derzeit sehe er keinen Anlass, von Kernpunkten der bisherigen Strategie "Creating the New" seines Vorgängers abzuweichen. Mit seiner aktuellen Prognose bis zum Jahr 2020 legte er allerdings die Latte in einigen Punkten deutlich höher als sein Vorgänger.

So will Rorsteds beim Ausbau des profitablen Online-Geschäfts deutlich mehr Tempo machen. Statt der bisher von Hainer bis 2020 angestrebten jährlichen zwei Milliarden Euro soll der Direktverkauf von Sportschuhen und Trikots bis dahin vier Milliarden Euro in die Adidas-Kasse spülen. Als einen seiner Schwerpunkte sieht Rorsted die Restrukturierung der US-Tochter Reebok, die zwar zuletzt wieder gewachsen ist, aber weiterhin rote Zahlen schreibt.

Anknüpfen an die Strategie seines Vorgängers will Rorsted auch bei der Konzentration des Konzerns auf nur noch zwei Marken: Adidas und Reebok. Nach der Veräußerung von Rockport, einem Hersteller sportiver Lederschuhe, im Jahr 2015 und dem US-Fan-Artikel-Hersteller Mitchell & Ness im Vorjahr soll möglichst rasch ein Käufer für die schwächelnden Golfmarken TaylorMade, Adams Golf und Ashworth gefunden werden. Mit Interessenten würden bereits Gespräche geführt, sagte Finanzvorstand Robin J. Stalker. Trennen will sich Adidas auch von seiner Eishockey-Marke CCM Hockey.

Zurückhaltend äußerte sich Rorsted zu möglichen Folgen der von US-Präsident Donald Trump angekündigten protektionistischen Handelspolitik. Von Trumps Forderung, Produktionen stärker in die USA zu verlagern, wären grundsätzlich alle global operierenden Sportartikelhersteller betroffen, da keiner von ihnen mehr in westlichen Länder produziere, gab der Adidas-Chef zu bedenken. "Wenn das wirklich kommt, sehen wir uns alle im selben Boot."

Im vergangenen Jahre hatte Adidas auch dank des gut laufenden Geschäfts mit Fanartikeln zur Fußball-Europameisterschaft seinen Umsatz um 14 Prozent auf 19,3 Milliarden Euro steigern können. Der Konzernüberschuss wuchs um 59,3 Prozent auf 1,020 Milliarden Euro; er lag damit erstmals in der Firmengeschichte über der Milliarden-Marke. Das Unternehmen profitierte dabei von Preissteigerungen bei gleichzeitig gesunkenen Beschaffungskosten für viele Adidas-Produkte. Ohne die Kosten für den Umbau der US-Tochter Reebok wäre der Gewinn sogar noch größer ausfallen. (dpa)


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