Adrian van Hooydonk: "Elektrofahrzeuge müssen besonders auffallen"

Die Ära der Elektroautos erfordert neue Gestaltungslinien, sagt der Chefdesigner des BMW-Konzerns Adrian van Hooydonk. Im Gespräch mit W&V-Redakteur Rolf Schröter erklärt er, warum BMW dafür sogar einige typischen Design-Elemente opfert.

Text: Rolf Schröter

Mit der Submarke BMW i steigt der Autokonzern in das Segment Elektromobile ein. Die Designstudie der Fahrzeuge zeigt, dass sich BMW damit von einigen seiner typischen Design-Elementen verabschiedet. Warum das so ist, erklärt Chefdesigner Adrian van Hooydonk im Gespräch mit W&V.

W&V Herr van Hooydonk, die Entwürfe für die Marke BMW i wirken sehr futuristisch. Warum sehen Elektroautos oft aus wie für Science-Fiction-Romane entworfen?
Van Hooydonk Unsere Elektroautos werden hoch modern wirken, wenn sie in zwei Jahren auf den Markt kommen. Das ist unser Ansatz. Die Fahrzeuge haben Fahrgastzellen aus kohlefaserverstärktem Kunststoff. Wir sind der erste Autohersteller, der diesen neuen Werkstoff industriell in Serie anwendet. Das MegaCityVehicle wird null Emissionen haben. Dies ist ein Riesen-Technologieschritt, und wir waren der Meinung, dass deshalb auch das Design neu sein muss.

Damit verlassen Sie die BMW typische Formensprache.
Das ist richtig.

Ist also das aktuelle BMW-Design nicht modern genug?
Doch. Jeder BMW ist modern. Aber die Elektrofahrzeuge der ersten Generation sollen besonders auffallen und die Marke aufladen. Außerdem wollen wir damit ein Premium-Angebot machen. Wir bieten ein funktional hervorragendes Elektroauto für Großstädter, die auf nichts verzichten wollen, schon gar nicht auf Stil.

Elektroautos brauchen keinen Kühlergrill mehr und damit auch keine BMW-Niere. Die wird als Markenzeichen aber bleiben. Tun Sie das, weil das Auto damit eindeutig als BMW erkennbar ist, oder weil der Betrachter Autos ohne Frontgrill nicht kennt und damit unästhetisch findet?
Sowohl als auch. Die Submarke BMW i ist ein besonderer Teil von BMW und steht für Effizienz. Natürlich galt es, die Zugehörigkeit zu BMW darzustellen. Das hat viele Vorteile. BMW wird mit Premium, Sportlichkeit und Fertigungspräzi­sion assoziiert. Zum anderen bestimmt der Grill die gesamte Front und damit den Charakter des Fahrzeugs. Wir haben uns über Jahre hinweg ein eigenständiges Gesicht erarbeitet. Warum sollten wir das aufgeben?

Welche Rolle das Sounddesign im Elektrosegment spielt, wie neue Vermarktungskonzepte sich auf das Design auswirken und warum der Cocooning-Trend bis zur eigenen Garage reicht, lesen Sie im vollständigen Interview in der aktuellen Werben & Verkaufen (Nr.15/2011).


Autor:

Rolf Schröter
Rolf Schröter

Als Leiter des Marketing-Ressorts der W&V und neugieriger Kurpfälzer interessiert sich Rolf Schröter prinzipiell für alles Mögliche. Ganz besonders mag er, was mit Design und Auto zu tun hat.