AirBnB-CMO geht :
AirBnB verliert mit Jonathan Mildenhall mehr als einen Marketingchef

AirBnB muss seinen Marketingchef Jonathan Mildenhall ziehen lassen. Der 50-Jährige macht sich selbstständig. Die Details. 

Text: Lena Herrmann

Jonathan Mildenhall wagt den Sprung in die Selbstständigkeit.
Jonathan Mildenhall wagt den Sprung in die Selbstständigkeit.

AirBnB braucht einen neuen Chief Marketing Officer. Jonathan Mildenhall verlässt das Unternehmen nach drei Jahren. Er macht sich mit einem Beratungsunternehmen selbstständig.

Ab dem kommenden Jahr hofft er, "eine der weltweit einflussreichsten Marketing- und Markenberatungen" ins Leben rufen, wie der 50-Jährige selbstbewusst auf seinem Facebook-Account mitteilt. Mit maximal 20 Partnern will er das Unternehmen aufbauen und für "die interessantesten CEOs und GründerInnen im Silicon Valley" arbeiten. Der Name steht ebenfalls bereits fest: 21st Centry Brand soll es heißen.

Für seinen Arbeitgeber AirBnB will Mildenhall weiterhin beratend tätig sein. Doch zunächst muss das Unternehmen Ersatz finden. Nach Informationen des "Wall Street Journal" hat sich AirBnB mit dem Headhunter Spencer Stuart zusammengetan, um Mildenhalls Nachfolger zu finden.

Was Mildenhall ausmacht

Mildenhall gilt in der Branche als meinungsstark, kreativ und selbstbewusst. Jedes Jahr ist der Betriebswirt, der seine Karriere in diversen Londoner Werbeagenturen startete und dann in die USA zu Coca-Cola wechselte, in Cannes anzutreffen. In diesem Jahr hat Mildenhall das Festival im Vorfeld öffentlich für die wenigen schwarzen, asiatischen und weiblichen Juroren kritisiert. Facebook, Twitter und Instagram sind seine liebsten Kommunikationstools.

Auf seinem Facebook-Account postet er zu seinem Abschied daher auch in gewohnt pathetischer Manier: "What's interesting about today's announcement is the feeling it gives me. Today I feel as excited and as optimistic as my 18 year old self. More to come as the dust settles."

Der Engländer, der mit seiner Homosexualität offen umgeht und sich stark für das Thema "Diversity" einsetzt, ist für AirBnB ein herber Verlust. Unter seiner Führung hat sich das Unternehmen, das immer mehr gegen Konkurrenten wie Expedia ankämpfen muss, eine klare Positionierung verpasst.

Was der CMO bei AirBnB bewirkte

Unter Mildenhalls Führung entstand beispielsweise der Spot #weaccept, der in der Pause des Super Bowls geschaltet wurde und AirBnB als Unternehmen positioniert, dass sich für Völkerverständigung, Offentheit und Toleranz einsetzt und das auch in seinen Markenwerten verankert. Als Ermöglicher von Reisen und Begegnungen passt Mildenhalls Lieblingsthema perfekt zu AirBnB.

Es bleibt abzuwarten, ob sich AirBnb auch in Zukunft so eine laute Stimme gegen Unterdrückung und Benachteiligung leisten will. Dem Unternehmen könnte es gut tun. So macht es nicht nur auf sich aufmerksam, sondern bezieht eine klare Stellung. Nur so kann eine Marke heute funktionieren.


Autor:

Lena Herrmann
Lena Herrmann

schreibt als Redakteurin für das Marketingressort der W&V unter anderem über Sportmarken und Reisethemen. Beides beschäftigt sie auch in ihrer Freizeit. Dann besteigt sie Berge, fährt mit dem Wohnmobil durch Neuseeland, wandert durch Weinregionen oder sucht nach der perfekten Kletterlinie.