Gesellschaft für Konsumforschung :
Aldi & Co. laufen die Kunden weg

Während das Geschäft der klassischen Supermärkte boomt, leiden die Billiganbieter unter Umsatzrückgängen. Doch ein Abgesang wäre verfrüht. Aldi, Lidl und Co. sind gerade dabei, sich neu zu erfinden.

Aldi Süd hat unter anderem mit dem Werbeauftritt "Einfach einkaufen" reagiert.
Aldi Süd hat unter anderem mit dem Werbeauftritt "Einfach einkaufen" reagiert.

Billig alleine reicht nicht mehr. Das spüren Deutschlands Discounter immer deutlicher. Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) büßten die Billiganbieter allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres 0,8 Prozent Umsatzvolumen ein. In den "klassischen Supermärkten" lief das Geschäft dagegen bombig. 

Die einst so erfolgsverwöhnten Billigheimer leiden unter akutem Kundenschwund. "Käuferverluste sind einer der Hauptgründe für die anhaltende Umsatzschwäche dieser Vertriebsschiene", bilanziert die GfK. Daran habe auch der von den Discountern in den vergangenen Monaten angezettelte Preiskampf bei Markenartikeln nichts ändern können.

Dennoch wäre ein Abgesang auf die Billiganbieter verfrüht. Denn Aldi, Lidl und Co. sind gerade dabei, sich im Kampf um die immer anspruchsvoller werdenden Kunden neu zu erfinden. Das spiegelt sich im Ladendesign, im Warenangebot, aber auch im Umgang mit den Kunden.

Lange vorbei ist die Zeit, in der es für die Discounter ausreichte, in einem kargen Laden günstige Ware in vernünftiger Qualität aufzutürmen. Inzwischen investieren Aldi und Co. Millionen in ihr Image und in Serviceangebote, die Discount-Manager alter Schule als überflüssige Spielereien abgetan hätten.

Eine Folge: Die Läden werden immer aufwendiger. "Sowohl Aldi als auch Lidl erproben derzeit Formate, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären" urteilt das Fachblatt "Lebensmittel Zeitung". So präsentiere sich die gerade eröffnete Filiale von Aldi Süd in Karlsdorf-Neuthard bei Karlsruhe nicht nur in neuem Design mit hellem Holz, sondern biete mit einer Kundentoilette und einer Sitzbank mit Kaffeeautomat hinter der Kassenzone auch einen bislang nicht üblichen Service.

Und in Lidls neuesten Märkten im italienischen Verona erinnert erst recht kaum noch etwas an klassische Discounter-Ästhetik. Das Design des Aldi-Konkurrenten orientiert sich unübersehbar an dem klassischen Supermärkten - und zwar nicht an den billigsten. Selbst eine Wickelecke für Kleinkinder ist vorhanden.

Auch das Warengebot der Discounter ist seit Jahren im Wandel. Backstationen, Frischfleisch und Fisch aus der Kühltheke sowie immer mehr Markenartikel in den Regalen sollen für die Kunden den zusätzlichen Besuch im Supermarkt überflüssig machen - und setzen nebenbei Bäckern und Metzgern zu.

Zudem beschränkt sich die Werbung längst nicht mehr auf großformatige Zeitungsannoncen und Handzettel mit Aktionsangeboten. Lidl investierte in diesem Jahr Millionen in Fernsehwerbespots unter dem Motto "Was gut ist", die nicht in erster Linie Produkte verkaufen, sondern das Image des Unternehmens aufwerten sollten. Aktuell laufen unter anderem Fernsehclips zum Mobilfunk-Angebot Lidl Connect.

Aldi Süd wiederum kümmert sich seit September 2015 verstärkt um das Image. Die Botschaft einer Plakat- und Online-Kampagne lautet "einfach einkaufen".


11 Kommentare

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Anonymous User 4. November 2015

@Carlos: Wohl kaum in Bayern, denn dort werden ja bald Sachleistungen statt Geld ausgezahlt. Einige CDU-geführte Länder überlegen zudem, hier nachzuziehen.

Anonymous User 4. November 2015

@Maxi:
Interessant zu sehen, was 100000e von potentiell einkommensschwachen Flüchtlingen, bei denen jeder Euro umgedreht (werden sollte) für den Discount Sektor bedeuten.

Anonymous User 4. November 2015

@Experte: Sie haben offenbar den verlinkten Artikel nicht gelesen und sich auch anderweitig nicht informiert. Die "Thesen von Journalisten" basieren auf konkreten Zahlen der GfK, also ein Unternehmen, mit dem auch die Discounter zusammenarbeiten. Hinzu kamen Informationen von weiteren Retail-Unternehmensberatungen.

Anonymous User 4. November 2015

Interessante Thesen .... frag mich, woher die hiesigen Journalisten immer wissen, dass bspw. Lidl die Kunden weglaufen? Lidl macht sehr viel in Sachen Qualität und Warenverfügbarkeit und setzt sich deutlich vom Aldi (Nord) ab. Aber wie gesagt, immer spannend mit Aldi in einen Topf geworfen zu werden.

Anonymous User 3. November 2015

@Jensen: In letzter Zeit schon mal in einem Aldi (Süd) gewesen? Falls ja, wird Ihnen aufgefallen sein, dass das dortige Sortiment massiv mit Markenartikeln erweitert worden ist – Red Bull, Funny Frisch Chips, Torres Wein, BiFi, Coca Cola usw. usw. Im Vorfeld hatte Aldi untersuchen lassen, warum immer mehr Kunden vom Discounter Aldi zum Discounter Lidl abwandern. Hauptgrund war das dortige umfassendere Markensortiment. Und anders als Sie vermuten, war z. B. 2014 kein Jahr langsameren Wachstums, sondern ein Jahr rückläufiger Umsätze für Discounter (national betrachtet). Siehe z. B. hier:

http://www.wiwo.de/unternehmen/handel/lidl-und-aldi-wachsen-nur-im-ausland-in-deutschland-schwaecheln-die-discounter/11238610.html

Anonymous User 3. November 2015

Kaum vorstellbar, dass der permanent wachsende Discountbereich nun plötzlich rückläufig sein soll ? Ich gehe davon aus, dass alles unverändert bleibt, der Discount -wenn auch langsamer- weiter stetig wächst und die Kunden auch weiter den Markenartikeln den Rücken kehren.

Anonymous User 3. November 2015

@Nö, das mit der höheren Produktqualität bei Aldi stimmt längst nicht mehr. Allen in den letzten Monaten Rückrufe wegen Novoviren-Erdbeeren, giftiger Eurodont-Babyzahncreme, vergammelter Käse usw. Einfach mal "Aldi Rückruf" googeln. Dem Handel ist der Profit wichtiger als ihre Gesundheit – egal, ob der Laden Edeka, ... (hier bitte beliebige Handelskette eintragen) oder Aldi heißt.

Anonymous User 3. November 2015

Ob Discounter oder nicht, ob Imagekampagne oder Aktionswerbung - am Ende des Tages spielt die Kombination aus Preis/Qualität die Hauptrolle. Wenn du dabei verkackst, aber trotzdem die beste Qualität versprichst, bist du unglaubwürdig. Ich glaube schon, dass die Leute auch beim Discounter in einem netteren Ambiente einkaufen würden, solange weiterhin der Preis stimmt. Warum gehen denn sonst Menschen zu Edeka und kaufen gut und günstig ? Weil sie glauben, dass Preis/Qualität dabei passt. Wer sich im übrigen mit Handzetteln beschäftigt (und das tue ich Tag ein Tag aus) der weiß, dass es nach wie vor das einzige Instrument im Handel ist, was so wirksam ist! TV hat eine hohe Aufmerksamkeit, kann aber logischerweise nicht so viele Produkte nicht so viele Produkte auf einmal bewerben. Und online spielt (zumindest noch derzeit) nur eine absolute Randnotiz, was Aktionswerbung betrifft. Und die Menschen gehen nun mal nicht zum Discounter bummeln wie zu IKEA, sondern um dort einen billigen Preis zu erhalten. Bei diesen ganzen Diskussionen vergessen die Leute immer und immer und immer wieder, dass es unglaublich viele Menschen gibt für die es entscheidend ist, ob ein Einkauf 1 EURO mehr oder weniger kostet. Und auch entscheidend ist, ob ein Produkt 10 CENT billger oder teurer ist. Und das sind einfach nicht die Menschen, die du mit einem emotionalen Spot erreichst. Und diese Zahl an Menschen wird nicht weniger, sondern eher mehr. Insofern bin ich da sehr skeptisch wie viel Imagewerbung ein Discounter wirklich braucht. Dass Discounter versuchen etwas hochwertiger zu werden, unterschreibe ich sofort. Das sieht man sowohl in Anzeigen als auch Handzetteln ja schon und das ist unglaublich aktionsgetriebene Werbung bei Discountern. Ob sich der ROI bei Lidl rechnet, würde mich echt mal interessieren..

Anonymous User 3. November 2015

Der Grund ist einfach: Aldi legt deutlich mehr Wert auf Qualität als z.B. Edeka mit gut&günstig. Würde ich als Verbraucher bestätigen. Jeder erinnert sich, als Aldi sein Olivenöl vom Lieferanten abholen ließ, weil Stiftung Warentest nur ein "Befriedigend" vergab. Das handhaben nicht alle so. Zudem finde ich immer wieder erschreckend, dass Markenartikler in Produkttests sehr häufig eben nicht besser als abschneiden, als die Discounter Eigenmarken. Trotz Premium Preisen. Edeka und Rewe haben als Händler jüngts viel richtig gemacht. Ein Wiedererstarken der Markenartikler kann ich jedoch weit und breit nicht erkennen.

Anonymous User 3. November 2015

Mir geht dieser Lidl-Fernsehspot dermaßen unsäglich auf den Nerv. Ich habe dann mal Lidl-Produkte gekauft, die hochwertig anmutend verpackt waren und bekam das kalte Grauen über die Qualität. Ich hoffe nicht, dass sich jetzt alle diesem Unfug anschließen und letzendlich damit alles verteueren. Der Verbaucher sollte sich lieber informieren und mal die Marken- und Markt-Checks ansehen, dann würde er weiterhin fleißig bei den Diskountern einkaufen.

Anonymous User 3. November 2015

Ich denke, die Ausstattung der Ladengeschäfte von ALDI und Co. ist dem Verbraucher nach wie vor egal. Es ist alleine der Preis, der den Käufer in diesem Umfeld interessiert. Vergleicht man die Produktpreise z.B. von ALDI mit den Preisen der Hausmarken von Supermärkten wird man feststellen, dass es hier nahezu keinen Unterschied mehr gibt. Wozu soll man noch beim Discounter einkaufen, wenn die Grundnahrungsmittel beim Vollsortimenter genauso teuer sind?

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