Das habe Folgen: "Aldi würde offensichtlich gern auch die Preissetzungshoheit bei den Markenartikeln erobern, das Niveau, an dem sich alle anderen preislich orientieren müssen", meint der Branchenkenner. Bislang habe Aldi diese Rolle nur bei den Eigenmarken inne gehabt, bei den Markenartikeln hätten jedoch Lidl und andere den Ton angegeben. "Seitdem Aldi immer mehr Markenartikel anbietet, ist hier viel in Bewegung geraten." Denn Aldi steht unter Druck. Lange Zeit war das Unternehmen die unangefochtene Nummer eins in der Discounter-Branche. Doch seit Jahren verkleinert Lidl die Lücke zum Erzrivalen und ist ihm inzwischen dicht auf den Fersen.

Lidl denkt denn auch gar nicht daran, Aldi auch bei Markenartikeln die Führungsrolle zu überlassen. Im Gegenteil: "Unser Ziel ist es, unsere Preisführerschaft und unsere Stellung im
Lebensmitteleinzelhandel als erster Discounter mit Markenprodukten zu unterstreichen", betont das Unternehmen.

Das hat die ohnehin vorhandene Rivalität weiter angeheizt. Bot Aldi etwa die 1,25-Liter-Flasche Coca-Cola aus seinem Dauersortiment im Sonderangebot für 79 statt 99 Cent an, so verkaufte sie Lidl für 77 Cent und Aldi musste nachziehen. Gab Aldi Süd ab einem Gesamteinkaufswert von 40 Euro den Kunden 20 Prozent Rabatt auf alle Backwaren, so gab Lidl 25 Prozent Rabatt darauf und verlangte als Voraussetzung lediglich den Kauf von mindestens fünf Brötchen, Croissants oder anderen Backwaren.

Für ihre Kampagnen griffen die Billiganbieter tief in die Tasche. Lidl gab nach dem Werbemonitor der Lebensmittel Zeitung und des Marktforschers Nielsen im ersten Halbjahr fast 185 Millionen Euro für Werbung aus, immerhin 13 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Aldi steigerte seine Werbeausgaben demnach sogar um mehr als 50 Prozent auf knapp 92 Millionen Euro.

Doch wie sehr profitiert der Verbraucher wirklich von der Rivalität der Discounter? Die Einschätzung Quecks ist da eher ernüchternd. "Vom größten Preiskampf aller Zeiten zu reden, wäre sicher übertrieben. Die Rabattschlacht konzentriert sich auf einige Markenprodukte", meint der Branchenkenner.

Den größten Teil des Discountersortiments bildeten aber nach wie vor die Eigenmarken, und dort sei kein grundsätzlicher Trend nach unten erkennbar, eher im Gegenteil. "Insofern ist fraglich, ob unterm Strich die Verbraucher wirklich profitieren. Sie sparen ein bisschen bei der Aktionsware, doch möglicherweise zahlen sie beim Gesamteinkauf drauf", meint Queck. (dpa)


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W&V Redaktion
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