Versicherungskonzern :
Allianz: 400 Mio. Euro für Digitalisierung und Kundennähe

Unwetterschäden und der Brexit verhageln der Allianz-Versicherung die Laune. Um die Kunden bei derselbigen zu halten, sollen nun jede Menge Apps und ein oberster Kundenmanager helfen. 

Text: Annette Mattgey

Olaf Tidelski hat ein Ohr für die Allianz-Kunden.
Olaf Tidelski hat ein Ohr für die Allianz-Kunden.

Künftig will sich die Allianz Deutschland viel stärker an den Bedürfnissen ihrer 20 Millionen Kunden ausrichten. Ein neu berufener Oberster Kundenmanager soll dafür sorgen, dass deren Sicht bei allen Produkten und Dienstleistungen beachtet wird. Olaf Tidelski hat seit dem 1. Juli 2016 diese Position inne - laut Xing-Profil prädestinieren ihn für diese Stelle ein VWL-Studium, eine Ausbildung zum systemischen Coach und etliche Jahre Berufserfahrung im dem Versicherungskonzern.

Die Digitalisierung rüttelt das althergebrachte Business-Modell der Versicherer durcheinander. Vertrieb und Marketing - nicht nur bei der Allianz - müssen umgebaut werden. Neue und alte Geschäftsprozesse soll der neue Chief Custumer Officer nun aus Kundensicht bewerten. 

Sein Augenmerk gilt dabei etwa der Art und Weise, wie Kunden Kontakt wünschen. "Daher werden wir uns (...) nach lokalen und globalen Trends umschauen, wie sich die Kundenerfahrungen entwickeln. Dabei interessieren wir uns vor allem für Innovationen, die heute noch gar nicht in der Versicherungsbranche angekommen sind", erklärt er gegenüber dem hauseigenen Magazin.

Mitreden sollen die Versicherten auch beim Design und der Entwicklung von Angeboten. "Mit ihnen gemeinsam wollen wir in agilen Formaten neue Services entwickeln, ausprobieren und testen", so Tidelski. Eine weitere Baustelle sieht er beim Thema Weiterempfehlungsbereitschaft: "Die meisten unserer Kunden sind mit uns zufrieden oder sehr zufrieden. Welche konkreten Erfahrungen aber machen sehr zufriedene Kunden zu begeisterten Kunden, zu echten Fans unserer Dienstleistung?"

Schon heute lässt sich bei der Allianz einiges online und mobil erledigen. Seit Juni könnten Kunden nach einem Autounfall den Schaden per Smartphone aufnehmen und Stunden später die Rechnung erhalten und zwischen Sofortüberweisung oder Reparatur wählen. Per App werde die Allianz den Kunden bald den kompletten Überblick über ihre Verträge und Leistungen geben. In die Neuausrichtung investiere die Allianz Deutschland 400 Millionen Euro pro Jahr, hieß es bei der Verkündung der Halbjahresergebnisse.

Erfolgreich sei der Telematik-Tarif in der Kfz-Versicherung gestartet, der junge Fahrer für vorsichtiges Fahren mit Prämienrabatt belohnt. Seit Mai wurden 5000 Fahrzeuge damit versichert. Für das erste Jahr erwartet die Allianz 20.000 Verträge. In der Lebensversicherung stiegen die Beitragseinnahmen leicht. Gefragt waren Versicherungen ohne Garantiezins, nur noch zehn Prozent der Privatkunden wählten die klassische Variante.

Teure Unwetterschäden und schrumpfende Kapitalerträge haben die größte deutsche Versicherung im ersten Halbjahr stark belastet. Die Allianz Deutschland konnte zwar ihren Umsatz um 1,5 Prozent auf 16,9 Milliarden Euro steigern, aber der Betriebsgewinn fiel um 7,7 Prozent auf 1,15 Milliarden Euro.

Der Mutterkonzern hatte bereits Anfang August Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt. Die schweren Unwetter des Frühsommers und der Rückzug aus Südkorea belasteten Europas größten Versicherer, der Gewinn halbierte sich im Vergleich zum zweiten Quartal des Vorjahres nahezu auf 1,1 Milliarden Euro.

am/dpa


Autor:

Annette Mattgey, Redakteurin
Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Das Schwesterblatt LEAD digital begleitet sie seit 2011 treu online und versucht, dafür ordentlich Buzz bei Facebook und Twitter zu machen. Ausflüge zu W&V sind durchaus willkommen, insbesondere wenn es um Kampagnen und Karriere-Themen geht.