Für neue Spieler in der komplexen Autobranche gebe es viele Hausaufgaben zu machen, sagte auch Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. "Man muss zwei, drei Jahre entwickeln - auch wenn man Apple heißt." Und diverse Fabriken braucht es auch, um die Märkte im großen Stil aufzumischen. Aber diese Infrastruktur könnte Apple auch kaufen.

Mit 178 Milliarden US-Dollar (159 Mrd Euro) in der Kasse könnte der Konzern theoretisch fast jeden Autobauer der Welt mit seinem Produktionsnetz übernehmen. Der Börsenwert von Ford etwa beträgt derzeit rund 57 Milliarden Euro. "Es ist schon Drohpotenzial genug wegen der schieren Größe dieser Unternehmen", sagte Pieper. Er sieht die Autopläne der IT-Riesen derzeit aber noch als "Versuchsballon".

Google hat bereits ein selbstfahrendes Auto vorgestellt. Was Apple plant, ist unbekannt. Berichten zufolge werkelt der Konzern unter dem Projektnamen "Titan" an den Plänen. Ein Team aus mehreren hundert Leuten arbeite abgeschieden an einem Auto mit Elektroantrieb. Ob es wirklich so kommt, ist unklar. "Das sind sehr seriöse Häuser - wenn die etwas planen, machen die auch was", sagte Fiat-Chef Sergio Marchionne in Genf. Reithofer will über mögliche Apple-Pläne nicht spekulieren. Aber: "Apple ist eine sehr, sehr, sehr starke Marke."

Und auch ohne Apple-Auto ringt die Branche um die Zukunft. Alternative Antriebe, Abgasgrenzwerte, eine schwindende Autobegeisterung bei jungen Kunden, Digitalisierung, Vernetzung, selbstfahrende Autos - die Liste der Baustellen ist lang. Bleiben Autos technische und emotionale Produkte, die viel Geld bringen? Oder werden Apple oder Google künftig mit der Software das neue Herz von Autos liefern? Oder gleich die Autos mit?

Didier Leroy, Europa-Chef des derzeit weltgrößten Autobauers Toyota, machte in Genf klar: "Wir wollen nicht nur der Lieferant einer leeren Kiste sein." Ob er denn das Risiko sehe, dass es so kommen könne? "Das hängt von den Kunden ab, was die unter Mobilität und Auto verstehen." Angst vor Apple habe er nicht. Aber: "Sie können sehr harte Konkurrenten in einigen Bereichen sein."

Daimler-Chef Dieter Zetsche glaubt nicht, dass die Autobranche irgendwann nur noch Zulieferer für Internet-Konzerne sein wird. "Wir haben momentan die gesamte Wertschöpfungskette in unserer Hand", betonte er in Genf. Vor den Veränderungen habe er keine Angst. "Das kann uns nur stärker machen." Auch VW-Chef Martin Winterkorn sieht eher Chancen als Risiken: Er sei sich sicher, dass Autos dadurch bei jungen Menschen mehr Akzeptanz finden werden. "Auch wenn es Sie vielleicht überrascht: Ich begrüße ausdrücklich das Engagement von Apple, Google & Co beim Thema Automobil."