New Work :
Arbeiten wie im Silicon Valley: VW wird agil

Der Autokonzern experimentiert mit neuen Formen der Zusammenarbeit: Was Volkswagen unter agilem Arbeiten, Pair Programming und Group Connect versteht.

Text: Annette Mattgey

Eigenständig organisierte Teams bearbeiten alle Projektteilschritte, hier im Data Lab München.
Eigenständig organisierte Teams bearbeiten alle Projektteilschritte, hier im Data Lab München.

"Die Arbeitswelt von morgen erfordert eine Führungs- und Unternehmenskultur, die auf Offenheit, Kreativität, Entscheidungs- und Diskussionsfreude baut", erklärt Karlheinz Blessing, Vorstand für Personal und IT im Volkswagen-Konzern. "Darauf stellen wir uns ein. Wir verändern bei Volkswagen die Art, wie wir arbeiten, wie wir führen und wie wir miteinander umgehen."

Daher setzt der Autobauer vermehrt auf agile Arbeitsmethoden, Pair Programming ("Pairing") und das konzernweite Wissensnetzwerk Group Connect. Das IT-Unternehmen Pivotal hat VW dabei unterstützt, die richtige Arbeitsumgebung zu entwerfen, zu gestalten und zu programmieren.

Agiles Arbeiten: Eigenständige Teams statt hierarchischer Übersteuerung

Immer mehr Abteilungen in vielen Konzernmarken und Bereichen bei Volkswagen richten ihre Projektarbeit auf agile Prinzipien aus. Im Mittelpunkt steht der sogenannte "Less push, more pull"-Ansatz: Eigenständig organisierte Teams bearbeiten alle Projektteilschritte, während sich die Führungskräfte auf eine Definition der Ziele und die Priorisierung übergeordneter Aufgabenblöcke konzentrieren.

Die Volkswagen-IT nutzt intensiv agile Arbeitsmethoden, vor allem in der Software-Entwicklung. Auch andere große Bereiche in den Konzernmarken, darunter die Forschung und Entwicklung, Vertrieb oder die Produktion, erproben verstärkt agile Formen der Zusammenarbeit.

Für Volkswagen liegen die Vorteile dieser Vorgehensweise vor allem in unbürokratischen Abläufen, der erhöhten Schnelligkeit und in Ergebnisverbesserungen.

Das hat auch Auswirkungen auf die Büro-Architektur: VW passt nicht nur die einzelnen Arbeitsplätze, sondern auch ganze Büroraumkonzepte an die neue Arbeitskultur der Kooperation an.

Das lässt sich etwa in der neu errichteten IT-City am Standort Wolfsburg besichtigen. Der campusartige Bürokomplex für rund 1.500 Mitarbeiter ist auf agiles Arbeiten ausgerichtet. Dazu zählen Arbeitsinseln für Projektteams, Meetingpoints, voll vernetzte Konferenzräume sowie Rückzugsräume für konzentriertes Arbeiten.

Pair Programming: IT-Projektarbeit wie im Silicon Valley

Beim Pair Programming ("Pairing") orientiert sich Volkswagen an der Projektarbeit von IT-Unternehmen im Silicon Valley. Im Berliner Digital Lab der Volkswagen-IT arbeiten Software-Architekten, -Designer und -Entwickler nach der "Pairing"-Methode. Sie bilden jeweils Zweier-Teams und arbeiten stets an denselben Inhalten des Projekts. Dieses Teilen von Wissen beschleunigt das Projekt, verringert Fehler und ermöglicht schnelle Anpassungen, wenn sich Kundenwünsche kurzfristig ändern. Solches Methodenwissen und Erfahrung werden nun in die IT-Kernorganisation in Wolfsburg übertragen.

Auch das "Cross Pairing", also zum Beispiel eine landes- und zeitgrenzenübergreifende Zusammenarbeit zwischen IT-Kollegen aus Deutschland und Indien, wird verstärkt geprüft. Darüber hinaus nutzt Volkswagen das "Pairing" zur Gewinnung qualifizierter IT-Absolventen. Anstelle eines herkömmlichen Vorstellungstermins arbeiten internationale Bewerberinnen und Bewerber über mehrere Tage voll projektintegriert mit einem Volkswagen Mitarbeiter zusammen – ein erster Schritt, um das Team kennenzulernen.

Group Connect: Wissensnetzwerk für den gesamten Konzern

2014 startete Volkswagen mit dem Aufbau des Wissensnetzwerk Group Connect, um den Dialog zwischen seinen Beschäftigten aus unterschiedlichen Regionen, Bereichen und Hierarchieebenen zu fördern. Mittlerweile können alle der rund 620.000 Beschäftigten im Volkswagen-Konzern Group Connect nutzen.

Group Connect erleichtert und beschleunigt die Weitergabe von Wissen im Unternehmen. Nutzer können gemeinschaftlich zusammenarbeiten, Themen-Experten konzernweit finden, benötigte Informationen schnell erfragen und erhalten. Sie können dabei auf bereits Erarbeitetes zurückgreifen, sich an Best-Practice-Beispielen orientieren oder diese selbst zur Verfügung stellen. Darüber hinaus wird Group Connect bei Volkswagen auch intensiv für einen direkten Austausch zwischen Führungskräften, darunter Mitglieder des Vorstands, und Mitarbeitern genutzt.


Autor:

Annette Mattgey, Redakteurin
Annette Mattgey

Seit 2000 im Verlag, ist Annette Mattgey (fast) nichts fremd aus der Marketing- und Online-Ecke. Das Schwesterblatt LEAD digital begleitet sie seit 2011 treu online und versucht, dafür ordentlich Buzz bei Facebook und Twitter zu machen. Ausflüge zu W&V sind durchaus willkommen, insbesondere wenn es um Kampagnen und Karriere-Themen geht.