Darf der Chef beleidigen, man selber aber nicht?

Grundsätzlich muss sich natürlich niemand beleidigen lassen, weder Chef noch Mitarbeiter. Die Gerichte prüfen bei Beleidigungen im Rahmen der Interessenabwägung immer auch, ob der Arbeitgeber die Auseinandersetzung mitverursacht hat. In einer eskalierenden Situation, in der beispielsweise der Chef seinen Mitarbeiter als "Idiot" bezeichnet und der dann entgegnet "der größte Idiot sind doch wohl Sie!", wird ein Gericht sicher nicht per se zulasten des Arbeitnehmers entscheiden.

Der betroffene Autor hat sich einen Anwalt genommen, weil er die Beleidigungen dementiert. Könnte er sich auch als freier Mitarbeiter auf das Arbeitsrecht beziehen? Welcher Ansatz wäre für ihn möglich?

Freie Mitarbeiter können ordentlich immer gekündigt werden, dazu braucht es keinen spezifischen Grund oder gar eine Verfehlung. Etwas anderes gilt nur, wenn sie einen befristeten Vertrag haben.

Für eine fristlose Kündigung gelten die gleichen gesetzlichen Regelungen wie für angestellte Mitarbeiter. Die fristlose Kündigung ist nur aus wichtigem Grund möglich. Hier kommt es dann also zu der schon geschilderten Interessenabwägung. Möglicherweise würde das Arbeitsgericht in Anwendung dieser Vorschrift den Arbeitnehmer eher schützen, als das ordentliche Gericht den freien Mitarbeiter.  


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

koordiniert und steuert als Newschefin der W&V den täglichen Newsdienst und schreibt selber über alles Mögliche in den Kanälen von W&V Online. Sie hat ein Faible für nationale und internationale Kampagnen, Markengeschichten, die "Kreation des Tages" und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.