WM mit Emmanuel Macron :
Asterix in Russland: Die PR-Show des Präsidenten

Das Netz jubelt über das "ikonische Foto" von Präsident Macron beim WM-Finale. Den früheren Jung-von-Matt-Chef Thomas Strerath erinnert es eher an Leni Riefenstahl. Er glaubt an kalkulierte Putin-PR.

Text: Frank Zimmer

Macron beim WM-Finale: Das Foto wurde offenbar direkt in der Loge aufgenommen.
Macron beim WM-Finale: Das Foto wurde offenbar direkt in der Loge aufgenommen.

Es ist das Foto der Fußball-WM und für Emmanuel Macron vielleicht das wichtigste Bild des Jahres. Es zeigt den französischen Präsidenten beim Sieg seiner Nationalmannschaft im Finale. In solchen Momenten richten Fotografen ihre Kameras gerne auf Gesichter und Oberkörper -in der Hoffnung auf freudig erregte Grimassen und spontan hochgerissene Arme. Sie suchen das Menschliche im Mächtigen, auch wenn es nur gespielt sein mag. Das Foto des russischen Tass-Mitarbeiters Alexei Nikolsky wirkt völlig anders. Macrons Gesicht ist nur im Profil zu sehen, dafür zeigt Nikolsky den ganzen Körper beim Anfeuern, ja Mitkämpfen. Eigentlich ist der Präsident weder besonders groß noch besonders kräftig, aber hier scheint er in der Linken ein Schild und in der Rechten ein Schwert zu tragen - ein großer gallischer Krieger in Russland und weißer Ritter. Es ist die perfekte Kämpfer-Pose vor einem weltweiten Milliarden-Publikum.

Anders als reguläre Pressefotografen hatte Nikolsky offenbar das Privileg, in der Loge zu fotografieren. Die Aufnahme verbreitete sich blitzschnell in internationalen Medien und sozialen Netzwerken. "Ikonisch" nennen es PR-Strategen wie der Münchner Christian Henne. Top-Werber Thomas Strerath hält auf Facebook dagegen. Er spricht von "Leni-Riefenstahl-Ästhetik" und warnt davor, "Strongmen" jeder Coleur kritiklos zu bejubeln- egal wie elelegant sie aufträten.

Der frühere Jung-von-Matt-Chef sieht weniger ein "ikonisches Bild" als einen präsidialen PR-Coup mit Russlands Wladimir Putin als Regisseur und Macron in der Hauptrolle: "Der junge strahlende liberale Visionär und neue Leader des freien Westens jubelt in bester ästhetischer Qualität auf Putins Bühne", so Strerath gegenüber W&V.

Er hat das Foto intensiv studiert. "Die räumliche Weite um Macron ist nicht zufällig", findet er. Es erinnere an einen Rockstar und vermittle die Botschaft: "Wie kann Russland böse sein, wenn der liberale Macron dort so befreit jubeln kann?" Putin selbst, in früheren Jahren gern mal mit nacktem Oberkörper und PR-Tross in der Wildnis unterwegs, brauche derart martialische Posen nicht mehr: "Er zieht die Strippen."


Autor:

Frank Zimmer

Redaktionsleiter Online mit analogem Migrationshintergrund. Seit 1996 im Internet. Buchautor ("Der Social-Media-Rausch") und Blogger ("Mittelrheingold"). Interessiert sich für Content Marketing und digitale Transformation. Hat eine Schwäche für Agenturen, weil er mal in einer gearbeitet hat.