PR-Strategie :
Bayer doch nicht so transparent?

Das Wirtschaftsmagazin "Bilanz" veröffentlicht eine Story, die wenig transparente PR-Methoden von Bayer beschreibt. Die Angegriffenen wehren sich.

Text: Judith Pfannenmüller

Übernimmt Bayer nun doch mehr DNA von Monsanto als dem Konzern gut tut?
Übernimmt Bayer nun doch mehr DNA von Monsanto als dem Konzern gut tut?

Gerade hat der Agrochemie-Riese Bayer seine PR-Strategen in Stellung gebracht, um der Öffentlichkeit nach der Fusion mit dem arg verhassten Monsanto zu demonstrieren, dass der Konzern streitbar, aber mit offenem Visier und transparenter Argumentation in die Diskussion um den Einsatz von Pestiziden wie Glyphosat und eine gentechnisch veränderte Landwirtschaft agieren will.

Die Zeitschrift Bilanz (Axel Springer) beschreibt in ihrer aktuellen Ausgabe im Beitrag "Sehr schräge Methoden" nun ein Kommunikationsverhalten, das nicht ganz so gut zu dem deklamierten Anspruch passen würde.

Ein besondere Rolle soll dabei offenbar die Berliner Redaktion Novo spielen. 18 mal in den vergangenen fünf Jahren hätten sich dort "Freundlichkeiten", beispielsweise über Glyphosat, gefunden. Mehrere Autoren waren oder seien "direkt oder indirekt mit der Pflanzenschutzindustrie verbandelt", schreibt Bernd Ziesemer, der früher einmal Chefredakteur beim Handelsblatt war und jetzt als freier Autor für verschiedene Wirtschaftsmagazine schreibt. 

"Novo"-Chef Johannes Richard habe schon vor drei Jahren eingeräumt, dass sein Magazin auch von externen Geldgebern wie dem Industrieverband Agrar mitfinanziert werde - einer Lobbyorganisation der agrochemischen Industrie.

Dokumentiert sei auch ein Fall, wo Bayer ein fingiertes Konto eröffnet habe und per Bot Glyphosat-Botschaften auf Twitter automatisiert und zielgerichtet gegen Kritiker zu richten.

Bayer-Sprecher Christian Maertin widerspricht diesen Darstellungen: "Diese Geschichte basiert auf zahlreichen Spekulationen und falschen Behauptungen. Um nur einige zu nennen: Bayer hat keine zehn Millionen Euro "für den Psychokampf gegen den grünen Zeitgeist" bereitgestellt.

Auch die Behauptung, Bayer habe in den Sozialen Medien "fingierte Konten" eröffnet, um automatisiert "Botschaften unters Volk" zu bringen, entbehrt jeder Grundlage. Die Kommunikation von Bayer arbeitet grundsätzlich nicht mit Bots, die "menschliches Verhalten simulieren" oder gar "zielgerichtet gegen Kritiker" eingesetzt werden.

Bayer arbeite darüber hinaus nicht mit "Propagandisten" zusammen – im Gegenteil: Transparenz und Glaubwürdigkeit seien "die höchsten Prämissen der Kommunikation von Bayer".

Inzwischen setzt sich auch Novo-Chefredakteur Richard gegen den Bilanz-Artikel zur Wehr. In einer ausführlichen Replik auf setzt er sich mit den Lobbyismus-Vorwürfen Ziesemers auseinander.

Die Frage bleibt, wieviel DNA Bayer in Zukunft von Monsanto übernehmen wird. Wie der Pestizid-Saatgut-Riese zukünftig im Umgang mit politischen Gegnern auftritt und welches Bild er dabei abgibt - in Streitfragen wie Glyphosat oder Gentechnik, Welternährung oder Agrarpolitik - wird mitentscheiden, ob die Fusion zum Erfolg wird.

Mehr darüber, ob es Bayer gelingen kann, Monsanto umzuprogrammieren lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der W&V 22/2018.


Autor:

Judith Pfannenmüller
Judith Pfannenmüller

ist Korrespondentin für W&V in Berlin. Sie schaut gern hinter die Kulissen und stellt Zusammenhänge her. Sie liebt den ständigen Wandel, den rauhen Sound und die thematische Vielfalt in der Hauptstadt.