Kampagne :
Ben & Jerry's rührt Anti-Trump-Eis zusammen

Mit dem Anti-Trump-Eis "Pecan Resist" ruft Ben & Jerry's zum Protest gegen den US-Präsidenten auf und wirbt für die Rechte von Minderheiten und für Klimaschutz. 

Text: Maximilian Flaig

Das Motiv für den Becher designte Künstlerin Favianna Rodriguez.
Das Motiv für den Becher designte Künstlerin Favianna Rodriguez.

Wie politisch Speiseeis sein kann, zeigt die neueste Ben & Jerry's Kampagne für die Geschmacksrichtung "Pecan Resist". Zwar ist das US-Unternehmen für sein soziales Engagement bekannt - die Marke setzt sich unter anderem gegen Rassismus und für die Homo-Ehe ein - aber so brisant wie diesmal war die Botschaft noch nie.  

"Wir können es nicht länger hinnehmen, dass Präsident Trumps Politik Jahrzehnte des Fortschritts zu mehr sozialer Gerechtigkeit, Klimaschutz sowie für die Rechte der LGBTQ-Community und von Geflüchteten einfach so zurückdreht", verkündet die Firma auf Instagram.

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Den noblen Worten lässt Ben & Jerry's zugleich Taten folgen und spendet jeweils 25.000 Dollar an vier Organisationen, die die Rechte von Schwarzen, amerikanischen Ureinwohnern und Frauen stärken sowie den Umweltschutz fördern. 

Der Anti-Trump-Becher wurde von der Bürgerrechts-Aktivistin und Künstlerin Favianna Rodriguez entworfen. Auf dem Aufdruck heißt es: "Wir feiern die Vielfalt unserer ruhmreichen Nation und erheben solidarisch unsere Löffel für alle Amerikaner. Bezieht Stellung und stützt diejenigen direkt an der Front."  

Auch Nike-Kampagne kritisiert Trump 

Man braucht kein Experte zu sein, um vorherzusagen, dass Ben & Jerry's mit der aktuellen Kampagne einige potenzielle Kunden verlieren und gleichzeitig eine hohe Identifikation bei anderen hervorrufen wird. Der Eishersteller ist auch nicht der erste, der durch eine radikale Positionierung eine Verengung der Zielgruppe in Kauf nimmt. 

Beispielsweise veranlasste Nikes Partnerschaft mit dem Trump-kritischen Footballer Colin Kaepernick viele US-Bürger dazu, ihre Sneaker zu verbrennen. Dennoch zahlte sich die Aktion für den Sportartikelhersteller aus. Dipayan Biswas, Marketing Professor an der University of South Florida sagte gegenüber USA Today: "Marken fahren genau wie Politiker gut damit, zu polarisieren."

Haltung wird zum Buzzword 

"Haltung" ist für Brands längst zum Buzzword geworden. Zu polarisieren heißt, im politischen Kontext jedoch oft zu spalten. "Pecan Resist" tritt ohne Zweifel für nicht nur eine sondern gleich mehrere gute Sachen ein. Die explizite Trump-Kritik spiegelt jedoch nicht zuletzt das vergiftete politische Klima in den USA wieder.

Es ist das gute Recht von Marken, gesellschaftliche Strömungen für ihre Zwecke zu nutzen. Die traurigen Ereignisse in den vergangenen Wochen haben jedoch auf drastische Weise gezeigt, wohin polarisierende Rhetorik führen kann.

Marken sollten auf Dialog statt Spaltung setzen 

Konstruktiver Dialog zwischen den beiden Parteien ist seit Trump kaum mehr möglich. Ob der Aufruf "denen an der Front" zu helfen wirklich zu mehr Solidarität für "alle" Amerikaner führt, darf angezweifelt werden.  

Trump beweist Tweet um Tweet, dass er unfähig ist, die Spaltung der USA aufzuhalten und das Land zu einen. Warum sollte er auch? Schließlich hat die Spaltung ihm zum Präsidenten gemacht. Haltung beweisen könnten Marken übrigens auch, indem sie sich für den Dialog zwischen den fast schon bis aufs Blut verfeindeten Demokraten und Republikanern einsetzen. 


Autor:

Maximilian Flaig

Unterstützt als Werkstudent die Redaktion in allen Bereichen. Während seines aktuellen Masterstudiengangs American History, Culture and Society schrieb Maximilian Flaig bereits für die "Süddeutsche Zeitung".