Nun geht es den Autoren nicht darum, auf den Italienern herumzuhacken. Wer das glaubt, sollte sich, wie von den beiden empfohlen, einmal auf die Website der Hannoveraner Kaffeerösterei Machwitz begeben. Oder er hört sich einfach mal im eigenen Familien- und Freundeskreis um, wer sich da weigert von Schokoküssen zu sprechen, weil man das ja noch nie getan habe. Als ob es ein verbrieftes Recht auf den "Mohrenkopf" aus alten Tagen gebe, eine historische Lizenz zum Diskriminieren.

Der Jude mit dem Geldsack

Aus gutem Grund fällt es der jungen Generation heute nicht mehr so leicht, von "Negerkuss" zu sprechen oder "Zigeunerschnitzel". Niemand spielt mehr: "Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?" Unsere Gesellschaft ist empathisch und hat gelernt, die Verletzungen anderer Menschen zu antizipieren. Eine Bank jedenfalls, so das Autorenduo, würde keinen "fröhlich strahlenden Juden zeigen, der einen Geldsack präsentiert, weil der ja so gut mit Geld umgehen kann". Wir haben aus der Geschichte heraus vieles neu begriffen.

Und können es besser. Deshalb ist es durchaus zu begrüßen, dass Sarotti aus seinem Mohr längst einen Magier gemacht hat. Dem Absatz hat es nachweislich nicht geschadet.


Autor:

Conrad Breyer, W&V
Conrad Breyer

kam über Umwege ins Agenturressort der W&V, das er heute leitet. Als Allrounder sollte er einst einfach nur aushelfen, blieb dann aber. Er liebt alles, was Struktur hat in der Agenturwelt und Werbern unter den Nägeln brennt. Angefangen hat das alles mit einem Praktikum bei Media & Marketing, lange her. Privat engagiert er sich für LGBTI*-Rechte, insbesondere in der Ukraine.