Hasso Mansfeld :
Bischöfliche PR-Krise in Limburg: Was jetzt passieren muss

In der katholischen Kirche hat der Kommunikations-GAU einen neuen Namen: Franz-Peter Tebartz-van Elst, Bischof von Limburg. Für W&V hat Kommunikationsberater Hasso Mansfeld den Fall des umstrittenen Klerikers analysiert. Was ist die Ursache und was könnte der Ausweg sein?

Text: W&V Redaktion

28. Aug. 2013 - 4 Kommentare

In der katholischen Kirche hat der Kommunikations-GAU einen neuen Namen: Franz-Peter Tebartz-van Elst, Bischof von Limburg. Der konservative Kleriker streitet mit dem "Spiegel" um einen Erste-Klasse-Flug nach Indien, steht wegen eines millionenschweren Neubaus seiner Residenz unter Druck und soll aus Protetest gegen die Berichterstattung der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sämtliche Dienst-Abos der "FAZ" gekündigt haben. Im schlimmsten Fall droht ihm ein Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage. Mit einigen Medien kommuniziert die Pressestelle des Bistums schon gar nicht mehr, sie igelt sich zunehmend ein. Für W&V hat Kommunikationsberater Hasso Mansfeld fünf Thesen zum Ausweg aus der bischöflichen Wagenburg skizziert.

1. Gesprächsbereitschaft und Kritikfähigkeit vor Wagenburg-Mentalität

Typisch für eine Wagenburg-Mentalität ist: je stärker Transparenz und Auskunft eingefordert werden, desto weniger ist man bereit, zu sich selbst und den im Raume stehenden Vorwürfen Stellung zu beziehen. Was jedoch die einzig richtige Strategie wäre, den Druck zu verringern. Gesprächsbereitschaft und Kritikfähigkeit dürfen nicht nur behauptet, sondern müssen auch durch proaktives Handeln unter Beweis gestellt werden.
 
2. Kritische Selbstreflektion verringert Beissreflexe

Der erste Schritt in einer schwierigen Situation ist immer, erst die eigenen Fehler zu qualifizieren und zu analysieren. Erst dann sollte man die Fehler bei den anderen suchen. Die kategorische Negierung von eigenem Fehlverhalten erleichtert es der Gegenseite. die kritische Selbstreflektion ihrerseits zu verdrängen und Beißreflexe zu entwickeln .
 
3. Publizistik vor Jurisprudenz

Im Falle des First-Class Vorwurfes durch den Spiegel hat man versucht, mit juristischen Mitteln eine Veröffentlichung zu verhindern. Ein solches Vorgehen ist jedoch schon dann problematisch, wenn die Vorwürfe nicht der Realität entsprechen. Entspricht der erhobene Vorwurf jedoch auch noch den tatsächlichen Gegebenheiten, resultieren aus dem Einsatz juristischer Mittel oft auch noch strafrechtliche Konsequenzen. In einer publizistischen Auseinandersetzung sollten immer a priori publizistische Mittel eingesetzt werden und nicht die der Jurisprudenz.
 
4. Authentizität vor Rollenspiel

Van Elst hat sich von Anfang an auf seine Position als katholischer Professor zurück gezogen. Sein Auftreten ist konsequent durch eine Betonung seiner klerikalen Intellektualität geprägt. Er erscheint dadurch als wenig authentisch und nicht einsichtig. Viel wichtiger wäre es jedoch, sich in einer so schwierigen Situation sich auf seine Rolle als Mensch zu konzentrieren. Empathie spielt in solchen Kommunikationsprozessen eine entscheidende Rolle.  Eine Anmutung der Unfehlbarkeit erleichtert den Gegenspielern, den Druck weiter aufzubauen und das Verhalten des Protagonisten in immer größeren Dimensionen zu kritisieren.
 
5. Beichte, Reue, Absolution

Wie im katholischen Kontext nach  erfolgter Beichte, die Sünde vergeben wird, so können auch publizistische Auseinandersetzungen durch die Analyse und das Eingestehen von eigenen Fehlern deeskaliert werden.


 
Hasso Mansfeld ist Kommunikationsberater und vermittelt in besonders verfahrenen Situationen zwischen Medien und dem Objekten der Berichterstattung, so zum Beispiel im Siemens-Schelsky-Prozess oder im EBS-Skandal. Für seine Arbeit ist er mehrfach ausgezeichnet worden.


Autor:

W&V Redaktion
W&V Redaktion

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4 Kommentare

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Anonymous User 1. November 2013

Das Substantiv zum Verb "reflektieren" schreibt sich nach wie vor mit "x", also "Reflexion" statt "Reflektion"!

Anonymous User 29. August 2013

Pardon, es haben sich Fehler eingeschlichen (Autokorrektur durch TextEdit):
Codes Iuris Canonici heisst es natürlich, und die Bürger sind nicht mündlich, sondern mündig.

Anonymous User 29. August 2013

Der katholischen Kirche Tipps in Sachen Kommunikation geben zu wollen, daran haben sich schon etliche Experten die Zähne ausgebissen, nicht zuletzt haben sich dort in den letzten Jahren angestellte und beratende Kommunikatoren gegenseitig die Klinke in die Hand gegeben. Diese Tipps hier sind schön und gut - jedoch übersieht der Autor etwas wichtiges: es geht hier nicht um irgendeine Firma oder Institution, es geht um die katholische Kirche. Gerade hier ist es wichtig, seinen Beratungsgegenstand gut zu kennen. Die katholische Kirche ist eine der hierarchisch strukturiertesten Institutionen, die wir heute noch kennen. Die Priester haben dort uneingeschränkt das Sagen, sie sind dem Bischof zu unbedingtem Gehorsam verpflichtet, das Kirchenvolk hat ohnehin nichts zu melden (das in einer demokratischen Gesellschaft mündige Bürger sich das gefallen lassen, ist für mich der eigentliche Skandal - getragen von der Hoffnung, dass Skandale wie dieser ein Anfang vom Ende sind). Der Bischof wiederum sieht sich - in der sog. apostolischen Sukzession in der direkten Nachfolge Petri - selbst als uneingeschränkter Herrscher, das Bild vom Hirten und seiner Herde ist sehr ernst gemeint. Leute wie Tebartz-van Elst werden von klein auf auf diese Rolle vorbereitet - ggf. Internat, Priesterseminar, Aufbaustudien in Rom, Möglichkeit zur Promotion, Bereitstellung einer Professur, vorbereitende Pöstchen etc. -, das sitzt fest in der Persönlichkeit.

Leute wie Tebartz-van Elst verstehen das Problem überhaupt nicht - weil sie sich qua Codes Iris Canonici uneingeschränkt im zweitausendjährig verankerten Recht sehen. Und wer weiss, dass er im Recht ist und über diesem steht, nimmt auch keinen Rat an von Menschen, die nicht so denken wie er. Ähnlichkeiten zu religiösen Entgleisungen wie dem sog. Islamismus sind nicht zufällig, sondern für monotheistische Religionen zwangsläufig.

Aber, wie bereits geschrieben: das System bleibt solange intakt, solange die Menschen, die dieser Kirche angehören, mitmachen und verleugnen, dass sie mündliche Bürger sind. Wie heisst es so schön: um ordentliches Mitglied einer Schafherde zu sein, muss man in erster Linie Schaf sein.

Anonymous User 28. August 2013

Schade, dass man von einem sogenannten "Kommunikationsberater" eine solche von grammatikalischen und ortografischen Fehlern strotzende Ansammlung von Allgemeinplätzen lesen muss

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