Smart Ideas :
Boschs diskretere Alexa mit Ausschaltknopf

Wem digitale sprachgesteuerte Assistenten nicht geheuer sind, der wird vielleicht bei Bosch fündig: Die Innenkamera samt Sprechanlage lässt sich abschalten.

Text: Susanne Herrmann

"Smart" sind die digitalen Assistenten Amazon Alexa und Google Home. "Be smarter" ist das Motto von Bosch.
"Smart" sind die digitalen Assistenten Amazon Alexa und Google Home. "Be smarter" ist das Motto von Bosch.

Amazons digitaler Assistent Alexa, daheim in den sprachgesteuerten Echo-Boxen, ist ein Doppelagent: informiert sein Herrchen, belauscht es aber zugleich ständig. Wer Alexa oder ihr Häuschen ausschaltet, hat keinen Zugriff mehr auf den sprachgesteuerten Wissensschatz, den die smarte Assistentin hütet. Also sammelt sie fleißig Daten über ihren Benutzer, mit deren Hilfe Amazon - gleiches gilt für Google Home - das Angebot verbessert. Ob Alexa dabei Vertrauliches ausplaudert oder wem sie, bildlich gesprochen, die Tür öffnet, weiß man nicht immer so genau, sagen Kritiker.

Das ist nicht jedem geheuer und kann Assoziationen mit dem "Zauberlehrling" wecken. Wenn nicht mehr klar ist, wer hier wen steuert, liegt die Klage nahe, "die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los".

Vielleicht deshalb rückt Bosch seinen smarten Assistenten als diskrete Alternative ins Blickfeld. "Sieht alles - und achtet Ihre Privatsphäre", heißt es zum kleinen Helfer, der schlicht "360 Grad Innenkamera" heißt. Übers Wetter erzählt Ihnen das Bosch-Gerät nichts, egal, wie lange Sie fragen, und auch nichts darüber, ob Ihnen das blaue Hemd besser steht als das grüne oder wie man Pilzrisotto kocht.

Die Kamera überwacht - aber nur nach Aufforderung - den kompletten Raum, in dem sie steht. Die Bilder schickt sie ans Mobilgerät; von dem aus wird sie auch ein- und ausgeschaltet. Sprechen und zuhören kann das Helferlein auch, es funktioniert dann wie eine Gegensprechanlage. Mal kurz schauen, ob der kürzlich adoptierte Welpe friedlich schlummert oder die Lieblingsschuhe zerkaut?  Mal schnell hören, wie es dem kranken Partner daheim geht und ob er noch was aus der Apotheke braucht? Kurz eben vom Gardasse aus checken, ob die Einbruchsserie im Viertel einen verschont hat?

App an, Kamera an, Rundumsicht. Und, so verspricht Bosch, "auf Wunsch übt sich Ihr wachsamer Helfer in höflicher Zurückhaltung: Per App-Befehl oder Fingertipp an der Kamera zieht sich die Linse in den Sockel zurück". Aufgabe erledigt, Überwachung eingestellt.


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.