Gründer von Tubeconnect :
Charles Bahr weiß, wie Influencer Marketing für Teenager funktioniert

Er ist 15 Jahre jung und Gründer einer eigenen Influencer-Marketing-Agentur: Charles Bahr. Er berät große Marken und Agenturchefs, wie man Jugendliche heutzutage erreicht.

Text: Nadia Riaz

"Jeder von uns ist Influencer, weil er mit seiner Meinung andere beeinflusst", sagt Charles Bahr.
"Jeder von uns ist Influencer, weil er mit seiner Meinung andere beeinflusst", sagt Charles Bahr.

Vormittags ein ganz normaler Schüler, nachmittags und abends Agenturboss sowie Referent bei Veranstaltungen wie bei der Dmexco oder OMR-Festival: Charles Bahr ist 15 Jahre alt und hat vor zwei Jahren seine eigene Influencer-Marketing-Agentur Tubeconnect gegründet.

Er weiß wovon er spricht, wenn er erklärt, dass Marken die Generation Z (Teenies im Alter zwischen neun und 21) auf den Plattformen erreichen müssen, wo die Jugendlichen ohnehin schon unterwegs sind.

Für den Vortrag bei "Kleiner Kreis" der Mediaagentur Plan in München ist er seinem Kumpel Matti extra für ein paar Stunden nach München gefolgt, nur um am nächsten Tag wieder die Schulbank zu drücken. "Charles wird zurzeit so herumgereicht in der Online-Marketing-Szene", sagt Christian Kaeßmann, der als Geschäftsführer von Plan drei Mal im Jahr den "kleinen Kreis" organisiert, bei dem eine überschaubare Menge an Gästen mit unterschiedlichen Referenten aus der Agenturbranche ins Gespräch kommen kann.

Charles redet über das Influencer Marketing und welche Rolle die Social-Stars für die Jugendliche spielen.

Influencer müssen authentisch sein

Dass fast alle große Marken der Welt auf Influencer vertrauen, ist schon lange keine Überraschung mehr. "Die Marken geben ihre Macht und das gesamte Image der Marke an Influencer ab", sagt Charles. "Wenn der Influencer als er selbst zu einer Marke passt, dann ist er ein guter Markenbotschafter."

Laut dem 15-Jährigen sollten Influencer keine Testimonials und Leute sein, die man bucht, nur weil sie schön aussehen, sondern eine Meinung repräsentieren, die zu der Marke passt.

Markenbotschafter, die Hunderttausende oder Millionen von Follower auf Instagram, Facebook oder Youtube haben, sind nicht unbedingt die richtigen Influencer für eine Marke. Denn die Community will Interaktion erleben. Was hat es für einen Zweck, sagt Charles, wenn ich als Fan unter einem Post, zum Beispiel von Selena Gomez, schreibe, wie toll ich sie finde, wenn davor schon Hundertausende von Menschen kommentiert haben und die Sängerin meinen Kommentar sowieso nie lesen wird?

Die Jugendlichen in ihrer Filterblase erreichen

Charles streitet herkömmliche Werbemaßnahmen nicht ganz ab. Es komme immer auf die Zielgruppe an, die man erreichen möchte. Wenn es darum geht, Leute in seinem Alter zu erreichen, ist sogar Facebook mittlerweile Oldschool – und Außenwerbung und TV-Werbung sowieso. Wenn es nach dem Junggründer geht, hat eine Werbung auf Snapchat oder Instagram eine ganz andere Wirkung als etwa Außenwerbung.

"Jugendliche muss man in einer Filterblase erreichen, in der sie sowieso schon da sind", sagt Charles. "Wieso schaltet man Außenwerbung, wenn jeder heutzutage draußen sowieso am Handy ist und gar nicht mehr hinguckt?" Leute in seinem Alter wollen Inhalte auf den Plattformen teilen, wo ihre Freunde bereits sind. "Ich glaube, die herkömmlichen Werbemaßnahmen sind nicht schlecht, man muss sie nur so offensichtlich und aggressiv und aufmerksamkeitsstark machen", erklärt er.

Jugendliche lassen sich von ihren Lieblingsstars beeinflussen – freiwillig. So wie früher die Backstreet Boys, Spice Girls etc. die Stars waren, sind das heute Instagram-Stars, Youtube- und Videoblogger. Weil sie näher an den Teens dran sind und mit ihren so genannten Vlogs den Zuschauer mit durch den Alltag nehmen.

Influencer sind Vorbilder und Idole für Teenager. Vor allem die 13- bis 17-Jährigen bezeichnet Charles als das typische "Beuteschema" der Influencer. In diesem Alter entwickeln sich die Jugendlichen und werden leichter von Stars beeinflusst. Instagram ist in diesem Alter eine Plattform für Selbstverwirklichung und Selbstdarstellung.

Sein Tipp: Plattformen wie Snapchat, Musically, Instagram und Podcasts bieten vor allem eine große Chance, Werbebotschaften zu platzieren.

Charles' Agentur Tubeconnect besteht aus Menschen in seinem Alter. Jugendliche im Alter bis zu 16 Jahren, die sich auf Meetings mit Kunden vorbereiten, in Konferenzen sitzen und Präsentationen diskutieren – das alles ist nicht ungewöhnlich bei Tubeconnect. Offiziell arbeiten alle auf Projektbasis, also ohne feste Arbeitszeiten und ohne festen Vertrag. Auch Charles bekommt seine Geschäftsanteile erst, wenn er 18 Jahre alt wird. 

Was Charles alles im Jahr 2017 erlebt hat, welche Vorträge er gehalten hat und was er sonst noch so vor hat, erzählt er auf seinem Youtube-Kanal und in diesem Video:

Inhalte sind wichtiger als Werbung

"Ich will keine Werbung mehr sehen", sagt Charles. Alles ist voll mit Werbung: TV, die Straßen, die U-Bahn. Im Internet kann man ganz leicht den Adblocker einschalten und schon sind die Werbeanzeigen weg. "Marken müssen darauf achten, was überhaupt Sinn macht und viel mehr Inhalte bieten", sagt er.

Vor allem Produkte aus dem Bereich Beauty und Fashion würden langsam nicht mehr authentisch wirken, weil viele Marken aus dieser Branche auf Influencer setzen. Die Uhrmarke Daniel Wellington zum Beispiel ist erst richtig durch Influencer-Marketing auf Instagram bekannt geworden. "Irgendwann hatte jeder Influencer eine Uhr von Daniel Wellington. Das macht es schwieriger für andere Uhrmarken", meint Charles.

Eine Instagram-Kampagne zu starten, um Leute zu erreichen, kann fast nie schlecht sein. Ganz im Gegenteil: Sogar schlechte Kampagnen können wirksam sein, wenn es nach Charles geht. Zum Beispiel die Kampagne von Coral, für die diverse Models, Musiker und Blogger auf Bildern das Waschmittel in Szene setzen. Die Kampagne war ohne Frage ziemlich schlecht, "und hat kein positives Bild auf die Marke geworfen, aber dafür unglaublich viel Aufmerksamkeit gewonnen", sagt Charles.

Wenn er nicht gerade Mathe, Erdkunde oder Geschichte paukt, berät er große Marken wie Coca-Cola oder Media Markt. Erst vor ein paar Tagen war Charles bei den Kreativen von Jung von Matt eingeladen. Denn von wem kann man sonst besser lernen, wie Jugendliche ticken, wenn nicht von einem Teenie selbst? Erst recht, wenn dieser Agenturboss ist.


Autor:

Nadia Riaz

Nadia Riaz ist seit Juni 2017 bei W&V und Kontakter. Vorher studierte sie Kommunikationswissenschaft, Europäische Ethnologie und Kunstgeschichte an der Universität Bamberg. Interessiert sich vor allem für Agenturthemen und kreative Kampagnen. In der Freizeit liest sie am liebsten ganz viele Bücher.