Die Social-Kampagne der FDP :
Christian Lindner verbündet sich mit Alexa

Um den Wählern klarzumachen, wie realitätsfern die FDP die Arbeit der Regierung findet, füttert Parteichef Lindner Amazons Alexa mit Wortungetümen.

FDP-Chef Christian Lindner im trauten Gespräch mit Alexa.
FDP-Chef Christian Lindner im trauten Gespräch mit Alexa.

Clever, wie die FDP, ihr Parteichef Christian Lindner und ihre Werbeagentur Heimat junge digitale Kanäle und technische Trends einsetzen, um ihre Botschaft unters (Jung-)Volk zu bringen. Spitzenkandidat Lindner offenbart mit diesem ersten von mehreren Videos, dass er Amazons Sprachassistenten Alexa und die zugehörige Echo-Box benutzt. Und den Apparat virtuos zu bedienen weiß. 

Aber leider, leider: Die vermeintlich allwissende digitale Quelle Alexa ist hier überfragt. Wohl auch, weil Lindner sie mit Bandwurmwörtern füttert wie - Achtung, das passt jetzt kaum auf unsere Seitenbreite -  "Berufsausbildungsvorbereitungsbescheinigungsverordnung", "Anwendungszeitpunktverschiebungsverordnung" und "Katasterfortschreibungsgebührenwiedereinführungsgesetz".

Nun mag es sich bei den Wortungetümen auch inhaltlich um fragwürdige Konstrukte handeln (wir sind keine Juristen und wagen daher keine Aussage hierzu). Sprachlich aber kann man Herrn Lindner dahingehend beraten, dass das Deutsche Wortzusammensetzungen beliebiger Länge genauso erlaubt wie deren Trennung mit dem entsprechenden Bezug zueinander. (Was natürlich die Pointe ruinieren würde.) So manch einer versteht also vielleicht besser, was gemeint ist, wenn von der "Verordnung über die Bescheinigung von Grundlagen zur Berufsausbildung" die Rede ist, die in der Vorbereitung zur Ausbildung erlangt wurden. Beides ist Juristendeutsch. Und daher per se sperrig.

"Was haben wir von Gesetzen, wenn sie niemand versteht?" Mit der guten Frage endet folgerichtig das Video - beinah, eine Pointe folgt noch, die Leser von "Per Anhalter durch die Galaxis" *) zum Schmunzeln bringen soll.

Dazu gibt die FDP diesen Kommentar ab:

FDP auf Facebook

FDP auf Facebook

Zur aktuellen Wahlkampagne der FDP von Heimat unter dem Motto "Denken wir neu" passt die Facebook-Aktion jedenfalls gut. Der Aufhänger mit den juristischen Fachbegriffen ist plakativ, Lindners im Clip ausgedrücktes Unverständnis rückt ihn näher zu den Wählern, die dem "Genau!"-Reflex wohl schwer widerstehen können. Viel Zustimmung bekommt das Video jedenfalls bei Facebook - darunter sind aber ein paar kritische Stimmen wie etwa diese hier mit einem nachvollziehbaren Einwand:

*) In dem Sciencefiction-Klassiker "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams (1979) ist "42" die Antwort des Computers Deep Thought nach einer Rechenzeit von 7,5 Millionen Jahren auf die Frage "nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest". Was bedeutet: zu vage Frage, blöde Antwort (Deep Thought: “I think the problem, to be quite honest with you, is that you've never actually known what the question is.”).


Autor:

Susanne Herrmann
Susanne Herrmann

schreibt als freie Autorin für W&V. Und setzt sich als ehemalige Textchefin und Gelegenheitslektorin für Sprachpräzision ein. Ihre Lieblingsthemen reichen von abenteuerlustigen Gründern über Super Bowl bis Video on Demand – dazwischen bleibt Raum für Medien- und Marketinggeschichten.



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