#dieselgate :
"Clean Diesel": Volkswagen-Spots werden zum Bumerang

Im Frühjahr 2015 war der Abgas-Skandal noch in weiter Ferne - doch selten wurde ein Kampagne so zum Bumerang, wie diese Spotserie von Volkswagen USA. Das Wissen von heute verleiht den Szenen eine ungewollte Komik. Oder auch Tragik.

Text: Frauke Schobelt

23. Sep. 2015 - 3 Kommentare

Selten wurde ein Kampagne so zum Bumerang, wie diese im Frühjahr 2015 gestartete Spotserie von Volkswagen USA. Drei Ladys - berühmt geworden als "Golden Sisters" mit eigener Reality-Show - bewerben in mehreren amüsanten Filmen von Deutsch LA die nun so in Verruf geratene Dieseltechnologie des deutschen Autoherstellers. Im Golf TDI oder Passat sitzend streiten sie über "Vorurteile" und "Oma"-Legenden, die angeblich über Diesel-Autos in Umlauf sind. Diese Vorurteile soll die Kampagne aus dem Weg räumen. 

Beispiel: "Old Wifes' Tale #6: Diesel is dirty". Auf diese Weisheit beharrt eine der Ladys, die behauptet: "Diesel in latin means dirty". Die Aufklärung ihrer Schwester im Spot: "That used to be dirty, but this is 2015". Als Beweis für den "clean Diesel" dient ein Handtuch-Test am Auspuff. Wobei man inzwischen weiß, dass da im Hintergrund eine Software arbeitet. Was der Situation eine ungewollte Komik verleiht. Oder auch Tragik.

Die Spots, beim Start für ihren Witz gelobt, werden jetzt wieder durchs Netz gereicht - garniert natürlich mit viel Häme, weil Volkswagen mittlerweile systematische Manipulationen an seinen Abgaswerten eingestehen musste. Vorurteile über Diesel-Technik? Mitnichten, so der Tenor. Eher: "Wie Volkswagen seine Kunden für dumm verkauft."

"Old Wifes' Tale #6: Diesel is dirty"

#4 "Diesel is stinky"

#1 "Diesel Cars are sluggish"

#2 "Diesel is loud"

#3 "Diesel fuel is hard to find"

#5 "Diese isn't fuel efficient"


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

ist Ressortleiterin im Online-Ressort und schreibt über alles Mögliche in den Kanälen Marketing und Agenturen. Sie hat ein Faible für Kampagnen, die „Kreation des Tages“ und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.



3 Kommentare

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Anonymous User 24. September 2015

@ Harry:
Das stimmt so nicht. Die Testverfahren in Europa und den USA sind nicht identisch. In den USA werden die Emissionen nicht einfach ausgelesen sondern es wird tatsächlich gemessen, was an Abgasen am Auspuff herauskommt. Und weil es sich dabei um ein genormtes Verfahren handelt, kann die Software die Testsituation (vor allem am Beschleunigungsmuster) als solche erkennen, in den umweltfreundlichen Modus schalten.

Anonymous User 23. September 2015

Na also, mit 68 kann man locker in Rente gehen, Herr Winterkorn von Fallersleben.
Ausserdem erlebt Deutschland ein erneutes Zeichen, dass Hard Selling am Ende ist!
Ist es nicht so, dass eine überehrgeizige Type sich behaupten wollte? Aber siche. Diese Milliarden-Schlappe, die gestern den Dax herumwirbelte, zeigt darauf, dass für eine sogenannte Controller-Effizienz nur Chaos entsteht. Wenn nicht auch noch bei den Beteiligten Scheidungen, erhöhter Alkoholgenuß und Bordell, weil der Druck am Arbeitsplatz viel zu hoch ist. Ach, ihr tumben Meffert-Jünger.

Anonymous User 23. September 2015

Hi,
schade, hier scheint auch recht wenig recherchiert worden zu sein. Der Handtuch-Test würde in der Tat das richtige Ergebnis liefern; die Software beeinflusst nicht die Abgase, die ausgestoßen werden, sondern nur das elektronische Auslesen der Werte per Diagnosetool in der Werkstatt; dabei wird eben nicht am Endrohr gemessen sondern auf die Werte der Software vertraut. Würde am Endrohr gemessen, kommt die Wahrheit ans Licht, so wie geschehen. Insofern verpufft der Komik-/Tragik-Moment in diesem Artikel.

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