Coca-Cola entgegnete, man investiere überproportional viel in die Werbung für Getränke ohne oder mit weniger Zucker. Man werbe zudem nicht in Medien, die sich mehrheitlich an Kinder unter zwölf Jahren richten. Diese Selbstverpflichtung werde regelmäßig von unabhängigen Dritten überprüft.

Nach Angaben von Foodwatch zeigen 80 Prozent der unabhängig finanzierten Studien einen Zusammenhang von Übergewicht und dem Konsum von Zuckergetränken. Dagegen kämen 80 Prozent der von der Lebensmittelindustrie bezahlten Untersuchungen zu einem gegenteiligen Ergebnis. Coca-Cola versuche zudem, durch Lobbyarbeit Werbeverbote und Sondersteuern zu torpedieren.

Coca-Cola-Manager Kammerer wies darauf hin, dass der Konzern den Zuckergehalt bereits reduziere - in Europa werde er bis 2020 durchschnittlich um zehn Prozent verringert. "Für jedes klassische Erfrischungsgetränk bieten wir schon seit Jahren mindestens eine Variante ganz ohne Zucker an", ergänzte er. Ziel sei es, "dass wir bis 2025 die Hälfte unseres Absatzes mit Getränken ganz ohne Zucker oder mit weniger Zucker erzielen".

Verbände fordern Werbeverbot

Foodwatch bekommt Rückendeckung von der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG), der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und der DiabetesDE - Deutschen Diabetes Hilfe. In einer gemeinsamen Erklärung fordern sie ein Ende des "Marketing-Wildwuchses für Dickmacher" und einen gesetzlichen Schutz für Minderjährige. Konkret rufen sie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft dazu auf, gegen "das Influencer-Marketing von Coca-Cola und anderen Anbietern nachweislich Übergewicht fördernder Lebensmittel und Getränke auf Youtube und Instagram vorzugehen und Jugendliche endlich besser zu schützen".

Die Verbände verweisen auf eine aktuelle britische Studie. Der zufolge gibt mehr als die Hälfte der schwer übergewichtigen Jugendlichen an, sich durch Werbung massiv unter Druck gesetzt zu fühlen, Ungesundes zu konsumieren. Bei normalgewichtigen Jugendlichen teilen 40 Prozent diese Meinung. Der stärkste Einflussfaktor in der Umwelt des Menschen auf den Kalorienverzehr sei die Werbung, so das Fazit des aktuellen Reports von Cancer Research UK.

"Minderjährige und junge Erwachsene lernen heute zunehmend durch Werbung in ihren bevorzugten Social Media-Kanälen, dass Junk Food, Cola, Limo & Co. hippe Lebensfreude verheißen – stattdessen besteht international wissenschaftlicher Konsens: Junk Food, Cola, Limo & Co. machen langfristig dick und krank. Ein gesetzlicher Schutz Minderjähriger vor Animation zu ungesundem Konsum durch Werbung ist längst überfällig", sagt DAG-Präsident Matthias Blüher. Selbstverpflichtungen der Industrie reichten nicht aus, stattdessen seien gesetzliche Vorgaben nötig, so Baptist Gallwitz, Pressesprecher der DDG. 

Die Studie belege, dass sich Werbung für Junk Food auszahlt. Und dass vor allem die sozialen Medien dabei besonders effektiv sind: Dort gezeigte Werbung war übergewichtigen Jugendlichen am meisten präsent in Erinnerung geblieben. "Wir plädieren für generelle Werbeverbote für übergewichtfördernde Lebensmittel und Getränke, die sich an Minderjährige richten", so Adipositasexperte Blüher.

Wie Marken auf die Zucker-Debatte und den neuen Foodtrend "Healty Snacking" strategisch reagieren, lesen Sie in der W&V Nr. 13. Hier gibt es die Einzelausgabe.


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