Red Bull gilt nicht erst seit dem Stratos-Projekt als Vorzeige-Akteur auf diesem Gebiet. Und selbstverständlich zu Recht: Der Red-Bull-Sender ServusTV bietet ein hoch anspruchsvolles Programm, von dem sich viele klassischen TV-Sender am besten gleich mehrere Scheiben abschneiden könnten. Mit seiner Mega-Investition in das Red Bull Media House hat sich der Energy-Drink-Konzern selber ein höchst attraktives Umfeld geschaffen, in dem er jederzeit Themen setzen kann - ganz so, wie es ihm gefällt. Das kann man verrückt finden - oder als böse Bedrohung empfinden für die etablierten Medien. Aber in Zeiten, in denen sogar über eine staatliche Unterstützung etwa für den kriselnden Zeitungsmarkt diskutiert wird, ist es auch kein Horrorszenario mehr, wenn man erkennt: Ja, dann nehmen eben finanzkräftige Konzerne künftig die Dinge einfach selbst in die Hand und werden zu Medienhäusern.

Die Agenturen haben längst auf die Entwicklung reagiert. "Bei Ogilvy arbeiten mittlerweile mehr Redakteure als in der Redaktion der Absatzwirtschaft", prahlte Agenturchef Thomas Strerath Anfang des Jahres im W&V-Interview. Wenn es denn nur so einfach wäre. Die Werber reden inzwischen über kaum ein anderes Thema. Aber die Erfolgsbeispiele, die sie vorweisen können, sind rar. Dennoch stellt Mindshare-Chef Christof Baron fest: "Wir beobachten eine Verlagerung von Investments von Paid in Owned Media, die sich bislang in keiner Werbestatistik widerspiegelt." Das bedeutet zwar nicht das Ende der klassischen Medien - keine Bange. Aber es bedeutet: Der Wettbewerb nimmt zu - und zwar der um attraktiven Content. Und die Fragmentierung schreitet munter weiter voran.


Autor:

Markus Weber, Redakteur W&V
Markus Weber

ist in der Online-Redaktion für Agenturthemen zuständig. Bei W&V schreibt er seit 15 Jahren über Werbeagenturen. Volontiert hat er beim Online-Marketing-Titel „E-Market“. 2010 war er verantwortlich für den Aufbau der W&V-Facebookpräsenz. Der Beinahe-Jurist mit kaufmännischer Ausbildung hat ein Faible für Osteuropa.