Doch Foodwatch geht noch weiter: Aktivistinnen klebten Schilder mit "Wucher", "Wasser-Abzocke" oder "Dreistigkeit" an die Glastüren der Deutschlandzentrale des Getränkekonzerns. Eine Demonstrantin in einem lebensgroßen Kostüm des Coca-Cola-Wassers stand vor dem knallroten Firmengebäude am Berliner Spreeufer, in der Hand ein Schild: "Ich will keine Werbelüge mehr sein!" 

Dennree zeigt sich einsichtiger

Auch der Biolebensmittel-Hersteller und -Händler Dennree war für das "Bratöl Olive" nominiert – geht aber ganz anders mit der Kritik um als Coca-Cola. Der Vorwurf: Die Flasche ließe vermuten, dass es sich um reines Olivenöl handele. In Wahrheit besteht es zur Hälfte aus Sonnenblumenöl. 

Kurz nach der Nominierung kündigte der Hersteller an, das Flaschenetikett ändern zu wollen und ab 2019 drauf zu schreiben, dass es sich nur zur Hälfte um Olivenöl handelt. Vielleicht erhielt es deshalb bei der Abstimmung nur 13,5 Prozent der Stimmen.

Zurückrudern macht Sinn, aber nicht immer

Gerade für eine Bio-Marke wie Dennree ist das Publikum von Foodwatch eine wichtige Zielgruppe. Deshalb war das Zurückrudern in dem Fall ein richtiger Schritt. Coca-Cola richtet sich dagegen weniger an besonders gesundheitsbewusste Verbraucher, weshalb es aus Markensicht mehr Sinn machen kann, den bisherigen Standpunkt zu verteidigen und zu der Lifestyle-Marke Glacéau Smartwater und ihrer dahinter steckenden Geschichte zu stehen. 

Neben den Produkten von Coca-Cola und Dennree-Produkt waren außerdem folgende drei Lebensmittel nominiert:

  • der "Kids Tomato Ketchup" von Heinz (er erhielt 28,1 Prozent der Stimmen), weil er bis zu 40 Prozent mehr als das Pendant für Erwachsene koste, obwohl der Ketchup genau der gleiche ist. 
  • der Riegel "Corny Milch" von Hersteller Schwartau (15,6 Prozent), weil er als gesunde Zwischenmahlzeit „mit dem Plus an Calcium“ und „mit wertvollem Getreide“ beworben wird, tatsächlich aber zur Hälfte aus Zucker und Fett bestehe.
  • der Erbseneintopf von Edekas Eigenmarke "Gut und Günstig" (12,3 Prozent), weil er auf der Vorderseite versprach, "ohne geschmacksverstärkende Zusatzstoffe", in der Zutatenliste aber zehn Zusatzstoffe aufgeführt waren – selbst wenn die nicht den Geschmack verstärkten. 

Autor:

Verena Gründel

ist seit April 2017 für das Marketingressort der W&V tätig. Davor schrieb sie für iBusiness über Digitalthemen. Nach Feierabend kocht und textet sie für ihren Foodblog – und gleicht das viele Essen mit ebenso viel Sport aus. Wenn sie länger frei hat, reist sie am liebsten mit dem Auto durch Lateinamerika, von Mexiko bis an die Südspitze Argentiniens.