Spot-Premiere :
Commerzbank rechnet mit Fehlern ab: Der Spot von Thjnk

Die Frankfurter Commerzbank räumt in einer Kampagne der neuen Agentur Thjnk überraschend direkt Fehler ein und gelobt Besserung. Um die neue Haltung zu unterstreichen, wird der alte Claim "Die Bank an Ihrer Seite" wiederbelebt.

Text: Rolf Schröter

09. Nov. 2012 - 11 Kommentare

Mit einem veränderten Geschäftsmodell und einer umfangreichen Kampagne positioniert sich die Frankfurter Commerzbank neu am Markt. Ein 60-sekündiger Film der neuen Leadagentur Thjnk aus Hamburg soll die Kernwerte Partnerschaft, Verantwortung und Fairness transportieren. Der Film spricht bisherige branchenweite Defizite im Umgang mit Kunden überraschend direkt an. Thjnk, die unter dem Namen Kempertrautmann bereits früher für die Commerbank tätig war, musste sich bisher den Etat mit Scholz & Friends teilen - der Vertrag mit Scholz & Friends läuft aber zum Jahresende aus. Und Thjnk kümmert sich ab sofort um die gesamte Kommunikation.

„Die Finanzkrise hat das Vertrauen der Kunden in alle Banken massiv erschüttert“, sagt Richard Lips, Bereichsvorstand Group Communications der Privatbank, die vor vier Jahren mit der Dresdner Bank fusioniert worden war. In dem Spot zieht eine Mitarbeiterin der Bank selbst Bilanz und skizziert den künftigen Kurs des Geldinstituts. „Es geht uns um Glaubwürdigkeit und Authentizität“, sagt Uwe Hellmann, Leiter Brand Management. „Darum haben wir auch eine echte Filialleiterin genommen und keine Schauspielerin“. Die Commerzbank wolle eine neue Haltung zum Ausdruck bringen.

Deshalb reaktiviert die Großbank auch den Claim „Die Bank an Ihrer Seite“. Vor zehn Jahren hatte die Commerzbank diesen Werbespruch aufgegeben. Jetzt soll dieses „Markenguthaben rekapitalisiert“ werden, wie Uwe Hellmann sagt. Zwei Drittel der Bevölkerung kennen den Spruch noch (gestützte Bekanntheit), berichtet Hellmann. Auf Initiative des Thjnk-Kreativvorstands Armin Jochum hatte die Bank den Claim mit in die Marktforschung gegeben - wo er sich gegen andere Vorschläge durchsetzte.

Die Kampagne startet am 10. November in TV und mit Printanzeigen. Für Media ist die Agentur Vizeum verantwortlich. Ein Auftritt in Kinos sowie in sozialen Kanälen folgt. Ab 10. Dezember bringt die Commerzbank Hybrid-Schaltungen. Dann wird der Positionierungsauftritt mit Produkt-Werbungen verzahnt. Den Anfang macht das Girokonto mit Zufriedenheitsgarantie. Bei diesem kostenlosen Girokonto mit 50 Euro Startguthaben erhalten unzufriedene Kunden, die das Geschäftsverhältnis beenden, künftig weitere 50 Euro. „Wir lassen uns jetzt auch bei einzelnen Produkten an der Zufriedenheit messen“, sagt Michael Mandel, Bereichsvorstand Private Kunden, „das macht keine andere Bank im Filialgeschäft“.

Außerdem kündigt die Commerzbank an, qualitativ zu investieren – und zwar in Beratung und Angebote, in das Online- und Mobile Banking und in die Filialen. So verhandeln Bank-Manager derzeit mit Arbeitnehmervertretern über eine Ausweitung der Filial-Öffnungszeiten. Das Ziel ist eine bessere Erreichbarkeit für Berufstätige und Geschäftskunden.

Gleichzeitig plant die Commerzbank auch massive Sparmaßnahmen, um den Abwärtstrend zu stoppen. Mit welchen Maßnahmen sie gegensteuert, analysieren unter anderem das "Wall Street Journal Deutschland" und Spiegel Online.  

Ob der Auftritt der Commerzbank wirklich wegweisend ist für die Kommunikation der Finanzbranche, dazu äußert sich Kontakter-Bloggerin Lena Herrmann.


Autor:

Rolf Schröter
Rolf Schröter

Als Leiter des Marketing-Ressorts der W&V und neugieriger Kurpfälzer interessiert sich Rolf Schröter prinzipiell für alles Mögliche. Ganz besonders mag er, was mit Design und Auto zu tun hat. Selbst besessen hat er bislang nur einen schwarzen Ford Capri 2 mit 6 Zylindern und 225er Reifen, sowie einen lichtblauen VW-Käfer, Baujahr 67.



11 Kommentare

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Anonymous User 11. Dezember 2012

Ja toller Spot. Inhaltlich selten so etwas verlogenes gehört und gesehen.
Hier wird der Kunde RICHTIG für DUMM verkauft, belogen, ausgelacht und erniedrigt. Sowas wird dann hier als "Mischung aus Selbstkritik und Aufbruchstimmung" verkauft. Armes Deutschland.

Anonymous User 7. Dezember 2012

Ist die Laeuferin echt?
Bei www.athlinks.com, einer Datenbank mit Laufergebnissen, findet man kein Ergebnis zu Ihren Namen.

Anonymous User 16. November 2012

Der Spot und die Aussage sind gut und richtig. Die Commerzbank wird jetzt beweisen müssen, das sie Worten Taten folgen lässt. Schafft Sie das (ab sofort), werden ihr Kunden/neue Kunden auch glauben - ansonsten kann der Schuss auch nach hinten losgehen.

Anonymous User 13. November 2012

Der Spot ist reinster Spott.

Anonymous User 11. November 2012

Unfassbar.

Anonymous User 10. November 2012

Wer glaubt das einer Bank?

Anonymous User 10. November 2012

Wer glaubt das einer Bank?

Anonymous User 9. November 2012

Der Spot ist im besten Fall Real-Satire.

Man hat sich also für eine "echte Filialleiterin" als Testimonial entschieden.
Die arme Dame rennt dann durch den Spot, als sei das ganze Elend der Bank und die Wandlung vom Saulus zum Paulus an ihrer Person festzumachen.

Wem wollen Bank und Agentur eigentlich weis machen, dass nicht Vorstand und Aufsichtsrat für die miserable Lage der Bank verantwortlich sind? Und wer soll demzufolge bitte schön auch noch glauben, dass den warmen, "ehrlichen" Worten der "echten Filialleiterin" auch nur ein Gramm Gewicht beizumessen ist?

Der Ansatz und die Idee der Kampagne sind großartig. Es erfordert Mut als Agentur einer Bank einen solche Weg vorzuschlagen. Und es erfordert auch Mut einer Bank, einem solchen Konzept zu folgen.

Die Umsetzung ist jedoch das Werk einer Schülermannschaft.
Fragen Sie doch mal auf der Strasse, wer Ihnen die Botschaft der Kampagne "abkauft".

Wie schaffen Sie es, für so viel Etat so viel Mittelmäßigkeit zu produzieren?

PS: Ich habe weder mit der Werbe- noch der Bankenbranche irgendwelche Berührungspunkte. Zudem bin ich privat Kunde der Bank und werde es auch bleiben. Ich äußere meine Meinung daher als Unbeteligter, der wieder einmal nicht fassen kann, was ihm da kredenzt wird.

Anonymous User 9. November 2012

Der Spot ist im besten Fall Real-Satire.

Man hat sich also für eine "echte Filialleiterin" als Testimonial entschieden.
Die arme Dame rennt dann durch den Spot, als sei das ganze Elend der Bank und die Wandlung vom Saulus zum Paulus an ihrer Person festzumachen.

Wem wollen Bank und Agentur eigentlich weis machen, dass nicht Vorstand und Aufsichtsrat für die miserable Lage der Bank verantwortlich sind? Und wer soll demzufolge bitte schön auch noch glauben, dass den warmen, "ehrlichen" Worten der "echten Filialleiterin" auch nur ein Gramm Gewicht beizumessen ist?

Der Ansatz und die Idee der Kampagne sind großartig. Es erfordert Mut als Agentur einer Bank einen solche Weg vorzuschlagen. Und es erfordert auch Mut einer Bank, einem solchen Konzept zu folgen.

Die Umsetzung ist jedoch das Werk einer Schülermannschaft.
Fragen Sie doch mal auf der Strasse, wer Ihnen die Botschaft der Kampagne "abkauft".

Wie schaffen Sie es, für so viel Etat so viel Mittelmäßigkeit zu produzieren?

PS: Ich habe weder mit der Werbe- noch der Bankenbranche irgendwelche Berührungspunkte. Zudem bin ich privat Kunde der Bank und werde es auch bleiben. Ich äußere meine Meinung daher als Unbeteligter, der wieder einmal nicht fassen kann, was ihm da kredenzt wird.

Anonymous User 9. November 2012

Hammer! Das ist mal ein ehrlicher Spot! Irgendwie fast schon investigativ-dokumentarisch statt Werbeverarsche. Und am Ende dieser hübsch blonde Twist: Nun sagt nicht mehr der Kunde Broschüren-Weisheiten auf (Ergo & Co.), sondern eine mehr oder weniger echte Mitarbeiterin! Der Langstrecken-Gag ist natürlich jetzt schon ein Klassiker. Unglaublich, wie schnell KT dank/trotz HJ (+N) so gut werden konnte!

Anonymous User 9. November 2012

Jahrelang die Kunden mit "Belästige mich nicht, hol dir dein Geld am Automaten" und "geh mir nicht auf den Senkel, benutz doch dein Online-Banking" aus dem Haus getrieben und jetzt in "schlechten Zeiten" kommt auf einmal das "Wir-kümmern-uns-wieder-um-dich-Gen" wieder zum Vorschein. Heuchlerisch!

Vorallem mit den Negativmeldungen aus der Presse bzgl. der Umsatzeinbußen hat diese Kampagne einen sehr bitteren Beigeschmack.

Aber auch schön zu wissen, dass die Commerzbank nicht mehr als systemrelevante Bank eingestuft wird. Vielleicht verhilft dieser Tritt in den Genialbereich den Herren dazu, sich wieder auf ihre Wurzeln zu besinnen.

Have a nice Weekend!

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