Größere Plattformen sind profitabler

"Der Zusammenschluss macht Sinn. Sie beflügeln sich gegenseitig", sagt Analyst Marc-René Tonn vom Bankhaus M.M. Warburg. Die Kunden bekämen ein größeres Angebot, damit stiegen Nutzung und Umsatz. Flottenmanagement und Verwaltung werden schlanker: "Die Firmen sparen Kosten und erreichen schneller die Gewinnschwelle. Je mehr man die Kräfte bündelt, desto besser."

Und wer den Markt erst einmal besetzt und die Konkurrenz verdrängt hat, könnte am Ende richtig Geld verdienen. Matthias Bentenrieder von der Unternehmensberatung Oliver Wyman sagt: "Man muss größere Plattformen schaffen, um profitabel zu sein." Wenn die Autohersteller "es bei den Mobilitätsdiensten richtig machen, können sie in zehn Jahren wesentlich höhere Gewinnmargen haben. Dazu müssen sie aber ihren Kundenkreis stark ausweiten."

Zumindest unter den Autobauern haben die drei deutschen Konzerne Volkswagen, Daimler und BMW das breiteste Angebot, wie Autoexperte Stefan Bratzel von der Wirtschaftshochschule in Bergisch-Gladbach sagt - deutlich vor GM, Ford, Nissan oder Tesla. Aber auch Internetriesen wie Apple und Google erweitern ihr Angebot um Mobilitätsdienste. Das sei "ein Kampf der Welten", sagt Bratzel.

Immer weniger Städter besitzen ein eigenes Auto

Dank der Nachfrage in China verkünden die deutschen Autobauer fast jeden Monat neue Verkaufsrekorde. Aber in den Metropolen und Ballungsräumen ändert sich der Trend. "In Paris, London, New York besitzt weniger als die Hälfte der Haushalte ein eigenes Auto", sagt Bentenrieder. "Die Urbanisierung nimmt zu. Wenn mehr Leute in die Städte ziehen, wird sich dieser Trend verstärken."

Denn zugleich machen die Städte Druck - sie wollen weniger Dreck, weniger Autos, mehr Platz. "Sie können das Parken verteuern, Maut erheben wie London oder Zonen einrichten, wo private Pkw nicht mehr fahren dürfen", sagt Klaus Stricker von der Unternehmensberatung Bain. Viele Menschen wollten einfach von einem Punkt zum anderen fahren, bequem und nahtlos auch zwischen Bahn und Auto wechseln, ohne lange Wartezeiten. "Wenn es bequem und günstig ist, wird die Nachfrage nach solch vernetzten Mobilitätsdiensten steigen."

Trend Robotaxi

Die Kosten könnten sich mit Robotaxis bald halbieren und der Nachfrage weiter Schub geben, sagt Felix Kuhnert von der Unternehmensberatung PwC. Taxi, Carsharing, Mietwagen werden mit dem selbstfahrenden Auto zusammenwachsen. Ab 2020 dürften die ersten Robotaxis für die Erprobung mit Kunden auf die Straßen kommen. "In zehn Jahren werden sich Robotaxi-Flotten in Ballungsgebieten etablieren, vor allem in Asien, aber auch in Nordamerika und Europa. Zunächst bei jungen Großstädtern, denen nur die schnelle und bequeme Fortbewegung wichtig ist, die kein Auto besitzen wollen", sagt Kuhnert. Mit dem Robotaxi ließen sich branchenübliche Renditen erwirtschaften - das sei ein ganz wichtiger Teil der Zukunftsstrategie aller Autohersteller.

Die Autobauer haben heute allerdings so viele teure Baustellen, dass sie nicht überall vorne mitspielen können. Elektrifizierung, autonomes Fahren, Mobilitätsdienste - "wer sich bei allen Zukunftsthemen richtig aufstellen will, muss extrem hohe Investitionen stemmen", sagt Unternehmensberater Stricker. "Es wird unmöglich sein, auf jedem Gebiet unter den Besten zu sein." Milliarden zu investieren und im Mittelfeld zu landen, wäre Verschwendung.

In zehn Jahren dürften nur wenige Anbieter pro Region übrig bleiben, erwartet auch Bratzel. Uber hat in China, Russland und Südostasien inzwischen der regionalen Konkurrenz das Feld überlassen. In Europa könnten Daimler und BMW mit ihrer gemeinsamen Plattform ein Schwergewicht werden, sagen Experten. (dpa)


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W&V Redaktion
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