Doch das Gute ist: Lil Miquela ist so offensichtlich nicht echt, dass niemand in das Dilemma kommt, sie für echt zu halten. Zwar hat sie inzwischen mehrere Songs aufgenommen, die auf Spotify mehr als eine Million Mal runtergeladen wurden. Sie gibt Interviews per Chat und das Rätsel, wer sich hinter ihrer 3-D-Identität versteckt, ist nicht gelöst.

Aber sie hat kein Authentizitätsproblem wie viele menschliche Influencer.

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Denn die bewegen sich auf einem schmalen Grat. Perfektheit zieht nur bis zu einem gewissen Grad. Zwar will jeder schöne Menschen in schönen Umgebungen sehen. Aber zwischendurch muss es eben auch mal "menscheln". Und wenn die Zielgruppe den Eindruck gewinnt, dass die Schönheit und der Perfektionismus nur vorgespielt, ja sogar gefaked sind, dann ist es schnell dahin mit der Glaubwürdigkeit. Und die Follower wenden sich ab.

Diese Probleme hat ein Avatar erst gar nicht. Perfektionismus ist hier Programm. Die Follower führen sich nicht hinters Licht geführt, weil sie sowieso nicht davon ausgehen, dass bei einer computergenerierten Figur irgendwas echt ist.

Vielmehr geht es plötzlich um die Faszination für die Vermischung von realer Welt und Fiktion. Das ist spannend und macht Spaß. Und darum funktioniert Lil Miquela als Influencerin so viel besser als so manche aus der echten Welt.


Autor:

Lena Herrmann
Lena Herrmann

schreibt als Redakteurin für das Marketingressort der W&V unter anderem über Sportmarken und Reisethemen. Beides beschäftigt sie auch in ihrer Freizeit. Dann besteigt sie Berge, fährt mit dem Wohnmobil durch Neuseeland, wandert durch Weinregionen oder sucht nach der perfekten Kletterlinie.