Influencer-Marketing mit Lil Miquela :
Darum funktioniert ein Avatar als Influencerin

Lil Miquela ist ein Avatar und funktioniert als Influencerin aber besser als so manch lebendige Konkurrent aus dem Netz. Warum? Die Perfektion macht's.

Text: Lena Herrmann

Lil Miquela ist sogar schon die neue Muse von Star-Visagistin Pat McGrath
Lil Miquela ist sogar schon die neue Muse von Star-Visagistin Pat McGrath

Die Influencerin Lil Miquela, die mittlerweile mehr als eine halbe Million Follower auf Instagram zählt, hat für Marken wie Diesel und Chanel gemodelt und außerdem bereits eigene Songs herausgebracht. Nur: Sie ist am Computer entstanden.

Dass sie ein Avatar ist, daraus macht Lil Miquela kein Geheimnis. Wer dagegen hinter dem Avatar steckt, ist bisher unbekannt. Die Community scheint das nicht zu stören. Sie folgen ihr so begeistert, dass die großen Marken der Branche Miquela längst für sich entdeckt haben. In einer Welt, die schon längst nicht mehr als authentisch wahrgenommen wird, ist sie die Spitze des Eisbergs. Doch das funktioniert.

Seit Jahren gibt es den Hashtag #nofilter auf Instagram. Er symbolisiert die Sehnsucht nach Echtheit. Keine bearbeiteten Fotos mehr, keine Filter, authentische Menschen, die reale Dinge tun. Gebracht hat der Aufruf bisher wenig. Immer noch dominieren die bearbeiteten und künstlichen Bilder auf Instagram. In dem fotolastigen Facebook-Netzwerk gilt vor allem der, der jung und gutaussehend ist. Oder der in der Lage ist, perfekte Bild auf seinem Account hochzuladen.

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Lil Miquela macht alles das perfekt: Ihre Fotos sind wie aus einer Mode- oder Beautystrecke. Sie sieht perfekt aus, hat perfekte Freunde, sie ist politisch engagiert - und natürlich trägt sie nur teure und coole Marken.

Doch das Gute ist: Lil Miquela ist so offensichtlich nicht echt, dass niemand in das Dilemma kommt, sie für echt zu halten. Zwar hat sie inzwischen mehrere Songs aufgenommen, die auf Spotify mehr als eine Million Mal runtergeladen wurden. Sie gibt Interviews per Chat und das Rätsel, wer sich hinter ihrer 3-D-Identität versteckt, ist nicht gelöst.

Aber sie hat kein Authentizitätsproblem wie viele menschliche Influencer.

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Denn die bewegen sich auf einem schmalen Grat. Perfektheit zieht nur bis zu einem gewissen Grad. Zwar will jeder schöne Menschen in schönen Umgebungen sehen. Aber zwischendurch muss es eben auch mal "menscheln". Und wenn die Zielgruppe den Eindruck gewinnt, dass die Schönheit und der Perfektionismus nur vorgespielt, ja sogar gefaked sind, dann ist es schnell dahin mit der Glaubwürdigkeit. Und die Follower wenden sich ab.

Diese Probleme hat ein Avatar erst gar nicht. Perfektionismus ist hier Programm. Die Follower führen sich nicht hinters Licht geführt, weil sie sowieso nicht davon ausgehen, dass bei einer computergenerierten Figur irgendwas echt ist.

Vielmehr geht es plötzlich um die Faszination für die Vermischung von realer Welt und Fiktion. Das ist spannend und macht Spaß. Und darum funktioniert Lil Miquela als Influencerin so viel besser als so manche aus der echten Welt.


Autor:

Lena Herrmann
Lena Herrmann

schreibt als Redakteurin für das Marketingressort der W&V unter anderem über Sportmarken und Reisethemen. Beides beschäftigt sie auch in ihrer Freizeit. Dann besteigt sie Berge, fährt mit dem Wohnmobil durch Neuseeland, wandert durch Weinregionen oder sucht nach der perfekten Kletterlinie.