Das besondere Konzept des Familienunternehmens

"Wir wollen ein Familienunternehmen bleiben und nehmen dafür in Kauf, dass wir etwas langsamer sind", sagt Schum. Mit der Anzahl der Filialen müsse die ganze Organisation wachsen. Die Expansion unterscheidet sich aber auch bewusst von Konkurrenten. Während Tedi inzwischen in acht Ländern tätig ist, konzentriert sich Euroshop aufs Inland. Hier gebe es noch genügend Potenzial.

Das erste Standbein, den Großhandel, betreibt Schum weiter. Er macht laut Unternehmen die Hälfte des Umsatzes aus. Supermärkte wie Edeka und Real erhalten fertige Pappaufsteller mit Haushaltswaren und Saisonprodukten, die sie nur zwischen den Regalen platzieren müssen. Hier ist Schum auch im Ausland aktiv, in 21 Ländern.

Die eigenen Filialen ziehen nach Unternehmensangaben täglich 250.000 Kunden an. Die durchschnittlichen Tageseinnahmen einer Filiale verrät das Unternehmen nicht. Die Anzahl der verkauften Artikel auch nicht - logischerweise. Schließlich ist bei den Euroshops beides identisch.

Genau der konsequente Preis von einem Euro unterscheidet die Marke laut Rainer Schum von anderen. Martin Fassnacht, BWL-Professor der WHU Otto Beisheim School of Management, hält die Einfachheit der Preise ebenfalls für ein wichtiges Merkmal. "Die Leute wissen, was sie erwartet", so Fastnacht. Wenn sich ein Unternehmen über 15 Jahre am Markt behaupten könne, scheine das Konzept aufzugehen.

Kein Platz für Ramsch

Lebensmittel-Discounter schwenken inzwischen vermehrt auf schickes Ambiente um und gestalten das Ladendesign neu. In den Euroshops überwiegt weiter Ramsch-Rot. Schum sieht die Shops aber explizit nicht als Billigläden. "Unser Kennzeichen ist nicht billig", sagt er. "Wir richten uns an Menschen, die nicht bereit sind, für profane Dinge des täglichen Bedarfs mehr Geld auszugeben als nötig." Das Motto lautet seit Jahren: kein Ramsch.

Wirtschaftsprofessor Fassnacht bestätigt, solche Konzepte sprächen nicht nur Leute mit niedrigen Einkommen an. Geschäfte wie Euroshop und Tedi oder auch Primark seien nicht erfolgreich, weil sie billig sind, sondern wegen akzeptabler Qualität zu günstigen Preisen.

Das Sortiment ist auf jeden Fall bunt gemischt: Schreibwaren, Deko, Kosmetik, Küchenutensilien, Spielzeug. Saisonware wie Handventilatoren liegen neben Nähgarn, Tierleckerlis, Zigarillos, DVDs, Süßwaren und Souvenirs. Insgesamt etwa 5000 Artikel.

Circa zwei Drittel der Produkte werden laut Unternehmen in China hergestellt. Die Preise seien durch den Einkauf großer Mengen realisierbar. Das Lager befindet sich am Firmensitz im unterfränkischen Dettelbach. Hier türmen sich nach Unternehmensangaben 100 Millionen Artikel.

2500 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen derzeit. Mit zur Führungsspitze gehört die fünfte Schum-Generation. Tochter Julia leitet das Marketing, Sohn Christian ist mit in der Geschäftsführung. Rainer Schum ist seit 1975 im Unternehmen.

Im heimatlichen Würzburg betreibt Euroshop auch einen Flagship-Store auf 530 Quadratmetern und mehreren Etagen. Ein zweiter Shop ist quasi das erste Haus am Platz: Vom Bahnhof in die Fußgängerzone kommend, werden Besucher direkt von einem Euroshop begrüßt. Eine kuriose Filiale befindet sich in Trier. Es ist ein ehemaliges Wohnhaus von Karl Marx, in dem sich heute Klobürsten und Luftballons stapeln.

Das Ende der Geiz-ist-geil-Mentalität wurde oft vorausgesagt. Bisher offenbar zu Unrecht. "Wir leben in einer Discountgesellschaft", sagt Handelsexperte Fassnacht. Auch die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) sieht keine Trendwende. Im Gegenteil. Während viele Geschäfte unterm Onlinehandel leiden, geht es er Branche enorm gut.

"Die Non-Food-Discounter sind die einzige Vertriebslinie, die stationär wächst", sagt GfK-Experte Martin Langhauser. Von 2013 auf 2018 sei der Umsatz von Unternehmen wie Euroshop und Woolworth um 34 Prozent auf vier Milliarden Euro gestiegen. J.E. Schum weist für das Geschäftsjahr 2017/18 fast 170 Millionen Euro Umsatz aus.

"Die Geschäfte kommen sogar den Lebensmittel-Discountern mit ihrem Non-Food-Bereich in die Quere", sagt Langhauser. Der Non-Food-Bereich im Lebensmitteldiscount sei über Jahre stark gewachsen. Aber seit etwa drei Jahren stagniere er. Dank Euroshop und Co. Laut Wirtschaftsprofessor Fassnacht sind die Geschäfte auch kaum durch den Onlinehandel gefährdet. Dafür seien die Transportkosten zu hoch.

Schum eröffnet nach eigenen Angaben im Schnitt jede Woche eine Euroshop-Filiale. Und solange es noch weiße Flecken auf Deutschlands Landkarte gebe, wolle man damit auch weitermachen.

Vanessa Köneke, dpa


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W&V Redaktion
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