Was OWM und BVDW an den US-Vorschlägen stört

Den Vorstoß in Form einer aus den USA gesteuerten kostenpflichtigen Zertifizierung würden die deutschen Partner ablehnen – zu einem Zeitpunkt, an dem die deutschen Werbungtreibenden auch mit Blick auf die Folgen der geplanten ePrivacy-Verordung der EU für sich und die Vorteile für die Google, Facebook und Co. das Wort von "America First in Deutschland" im Munde führen.

Darüber hinaus weisen OWM und BVDW in ihrer Stellungnahme sowohl die CfBA als auch die beteiligten amerikanischen Verbände "ausdrücklich" darauf hin, dass digitale Werbemärkte regionale und auch lokale Besonderheiten haben, die bei der Einführung von Zertifizierungen zwingend zu berücksichtigen seien. Gemeint sind lokal durchzuführende Marktforschungen oder auch die Adaption von Werbeformaten und browserbasierten Filterfunktionen für die jeweiligen regionalen Besonderheiten.

BVDW-Vizepräsident Thomas Duhr (IP Deutschland) formuliert es so: "Ein ausschließlich amerikanisch bestimmter Weg kann vor dem Hintergrund des Ziels, global vertretbare Lösungen zu entwickeln, nicht der Ansatz sein. Europas Regionen unterscheiden sich kulturell und damit in ihrer Wahrnehmung und ihrem Empfinden gegenüber Werbung wesentlich voneinander. Diese Unterschiede müssen berücksichtigt werden."

Thomas Duhr.

Thomas Duhr.

Um die Performance und den Output, insbesondere aber die Akzeptanz und die Kommunikation der CfBA in Europa nachhaltig zu verbessern, schlagen BVDW und OWM die Einrichtung eines "European Chapter" der CfBA vor. "Diese Forderung impliziert die Bündelung regionaler Expertise, die Implementierung unabhängiger Entscheidungsprozesse und das Aufsetzen eines eigenständigen Budgets", heißt es in einer gemeinsamem Mitteilung von BVDW und OWM.

Wo die Gefahren liegen

OWM-Vorsitzende Tina Beuchler (Nestlé Deutschland) fasst die Bedenken nochmals zusammen: "Ein schnelles Vorwärtskommen ist erklärtes Ziel aller Beteiligten, doch die aktuellen Pläne drohen, die CfBA in eine Schieflage zu bringen. Es dürfen sich keine Gatekeeper herauskristallisieren, die – auch wenn sie mit besten Absichten agieren - zu einem späteren Zeitpunkt ihre Vormachtstellung ausnutzen könnten. Dafür ist das gemeinsame Ziel zu wichtig." 

Ziemlich genau vor zwei Jahren hatte WiWo-Macherin Miriam Meckel auf den Medientagen München für bessere Werbung plädiert – als bestes Mittel, um Nutzer vom Einsatz der Werbeblockaden abzubringen.


Autor:

Petra Schwegler, Redakteurin
Petra Schwegler

Die @Schweglerin der W&V. Schreibt seit mehr als 20 Jahren in Print und Online über Medien - inzwischen auch jede Menge über Digitales. Lebt im Mangfalltal, arbeitet in München.